Kreis Germersheim Leserbriefe an die Lokalredaktion Germersheim-Wörth:
Der im Zeitungsbericht als erfolglos bezeichnete Protest der Umweltorganisationen ist im eigentlichen Sinne eine Niederlage für die Artenvielfalt. Der Artenverlust ist neben dem Klimawandel die größte globale Bedrohung. Nach einer EU-Studie leben heute in der EU 421 Millionen Feldlerchen, Braunkehlchen und Wiesenpieper weniger als nach 1980. Es sind nach Angaben des Umweltministers von Schleswig-Holstein 35 Prozent der Vogelarten, gut die Hälfte aller Käfer und Amphibien verschwunden, oder vom Aussterben bedroht. Ebenso verschwinden zahlreiche Nützlinge, allen voran die Bienen. Grund hierfür sind neben Pestizide und Monokulturen, auch Flächenversiegelung. Durch die Bebauung werden nicht nur die Lebensräume für Arten immer kleiner, auch für uns Menschen hat dies unmittelbare Auswirkungen. Das Kleinklima wird negativ beeinflusst: zum Beispiel versiegelte Böden können kein Wasser verdunsten, weshalb sie im Sommer nicht zur Kühlung der Luft beitragen. Regenwasser kann weniger gut versickern, und die Grundwasservorräte auffüllen. – Als Resümee halten wir fest: Dies ist ein Pyrrhussieg. (...) 2015 hat Jockgrim seine Geschichte gefeiert, aber auch den Blick nach vorne gerichtet, wie zum Beispiel in der Buchstraße, wo Baumwurzeln durch hemmungsloses Wachstum die Verkehrsflächen ruiniert hatten. Also erst mal Bäume weg, Gehweg, Straße und einen schmalen Grünstreifen wieder hergestellt. Den Grünstreifen hat ein findiger Kopf mit Betonsteinen in Fächer gegliedert. Mit Weitblick wurden die kleinsten Fächer als Baumstandorte ausgewählt und mit Ringen aus Wurzelschutzfolie in Blumentöpfe verwandelt. (...) Mit wenig Pflege wird es gelingen, dass die neuen Bäume zeitnah zugrunde gehen, wodurch die gestalterische Freiheit für regelmäßige Neupflanzungen erhalten bleibt. (...) Zukunftsweisend wird die unnötige Ortsrandbegrünung abgeholzt und die Eingangssituation in den Ort durch ein Fachmarktzentrum bereichert. Klar, ein Gutachter hat nachgewiesen, dass ein Ort wie Jockgrim mit seiner immensen Kaufkraft dringend ein solches Objekt benötigt, da der Jockgrimer an sich ja komplett unterversorgt ist – im Gegensatz zum Rheinzaberner, Hatzenbühler oder Wörther. Ein kluger Schachzug der Ortsplaner. Erst werden die älteren Mitbürger im neuen Ortszentrum angesiedelt und damit sie in Bewegung bleiben baut man die Einkaufsmöglichkeiten an den bislang grünen Ortsrand. Hut ab – das nennt man Nachhaltigkeit. Man verdrängt die verbliebenen Geschäfte im Ort und bekämpft die olle Konkurrenz in Kandel, Rheinzabern, Wörth und sonst wo. Aber wozu braucht das selbst ernannte Künstlerdorf Jockgrim (...) denn Geschäfte im Ort, wo doch die Künstler auch schon lange weg sind (...). Vielleicht hätte man ja die Bürger fragen können. (...) Hier behauptet sich die Gemeinde standhaft gegen diesen neumodischen Quatsch, wie das Veröffentlichen von Unterlagen im Internet, die Einbeziehung von Bürgern in die Ortsentwicklung (zum Beispiel durch moderierte Workshops) oder die schlichte Befragung von Bürgern zu weitreichenden Veränderungen (siehe Fachmarktzentrum). Witzig fand ich auch den letzten Bericht über eine Sitzung des Gemeinderates. Da hat doch ein Gemeinderat tatsächlich die Frechheit besessen, danach zu fragen, ob es einen Bericht über die rechtlich vorgeschriebene Umsetzung von Maßnahmen zum Artenschutz gibt (...). Die Ortsbürgermeisterin hat - wie man lesen konnte - den Fragenden nachdrücklich darauf hingewiesen, dass er doch bitteschön zwei Wochen vor der Sitzung seine Wünsche anmelden soll. Wer kann schon wissen, ob es überhaupt jemanden interessiert, wie mit den Auflagen umgegangen wird. Am Ende kommt noch jemand auf die Idee und verklagt die handelnden Personen nach dem Umweltschadensgesetz, wäre ja noch schöner! Genau so darf man sich also eine moderne Verwaltung vorstellen, Gemeinderäte und Bürger haben eine Holschuld, nicht etwa die Verwaltung eine Bringschuld! Das ist wahre Nachhaltigkeit – in diesem Sinne auf die nächsten 750 Jahre! (...) Verfolgt man das Drama um das Anglerheim, könnte man denken es handelt sich um einen schlechten Scherz. Leider ist dem nicht so. Seit Monaten wird dort nicht mehr gesungen, die Pergola wurde abgebaut und nun soll das Anglerheim auch noch geschlossen bleiben. Die Polizei, die mehrfach von einer Anwohnerin gerufen wurde, konnte nie eine Lärmbelästigung feststellen. (...) Woher weiß (die Anwohnerin) eigentlich von Formfehlern die vor zig Jahren bei der Bauantragstellung gemacht wurden? Gibt es bei der Gemeinde- oder Kreisverwaltung jemanden, der Interna ausplaudert? Und kann man Klagen wegen solchen Lappalien nicht einfach niederschlagen? Schließlich haben Gerichte mit Sicherheit wichtigere Sachen zu verhandeln.