Kreis Germersheim leserbriefe an die Lokalredaktion Germersheim-Wörth:

In den letzten Wochen überraschte mich die massive Kritik Ihres Blattes an der Pflegeeinrichtung in Wörth, die in Reportagen und Leserbriefen zum Ausdruck kam. Diese kann ich aus eigener Erfahrung so nicht teilen. Meine demenzkranke Mutter war bis zu ihrem Tod im Januar diesen Jahres über zweieinhalb Jahre im Pfarrer Johann Schiller Haus untergebracht und dort gut betreut. Ich denke hier an vielfältige Validationsangebote, mit denen versucht wurde, gerade demente Patienten zu mobilisieren. Die zweimal jährlich einberufenen Besprechungen mit Angehörigen und Betreuern waren überwiegend schlecht besucht. Die darin vorgebrachte Kritik war mitunter kleinlich und nicht gerechtfertigt. Ich erinnere mich beispielsweise an Beanstandungen, dass im Zimmer Staubfäden gefunden wurden. Möglicherweise empfinde ich hier als Mann eine höhere Toleranzschwelle. Das Pflegepersonal bemühte sich, wie ich bei meinen fast täglichen Besuchen bemerkte, gerade um hilflose Heimbewohner sehr - und das trotz Streichung des Weihnachtsgeldes und anderer sozialer Leistungen. Ich bewunderte mehr als einmal die Geduld und hohe Frustrationstoleranz der Schwestern, die sich wohlgemerkt von nicht dementen Patienten in übelster Weise beschimpfen lassen mussten. Auch in diesen nicht einfachen Situationen blieb das Personal stets gelassen und reagierte sehr professionell. Sicherlich gab es auch von meiner Seite Wünsche und Kritikpunkte. Diese konnten im persönlichen Gespräch mit der Leitung fast immer geklärt werden. Obwohl mir Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Pflegeheimen fehlen bin ich überzeugt, dass auch anderorts nicht alles besser ist. Bei entsprechender Recherche ließen sich in anderen Einrichtungen sicherlich ähnliche Kritikpunkte finden. Ich kann deshalb in keinster Weise nachvollziehen, weshalb in Ihrem Blatt nur vom Pflegeheim Wörth so negativ berichtet wird. Tschernobyl ist weder vergessen noch vorbei. Das ist sicherlich bei den meisten Lesern nicht anders als bei mir. Als Nachbar von Philippsburg benötige ich auch keine Nachhilfe in Sachen Geographie. Doch was soll der Vergleich Tschernobyl/Philippsburg? Hier werden doch Äpfel mit Birnen vergleichen. Eine erstaunliche Faktennegierung ist hier festzustellen. Tschernobyl war Bestandteil der damaligen Sowjetunion, einem Staat ohne öffentliche und parlamentarische Kontrolle, ohne Achtung der Menschenrechte. Ein Staat in dem systematisch Desinformation und Manipulation der Bevölkerung stattfand. Nur so ist es zu verstehen, dass Tausende von Arbeitern mit der Schaufel in der Hand versuchten (mussten) der Katastrophe Herr zu werden. Etwas vergleichbares ist bei uns weder möglich noch denkbar. Es ist sehr bedauerlich, wenn Herr Lapos die Schicksale dieser Menschen benutzt, um hier Stimmung zu machen. Eine Diskussion über Windräder scheint mir jedoch sinnvoll und nötig. Herr Lapos scheint hier suggerieren zu wollen, dass Windräder den Atomstrom ohne weiteres ersetzen könnten. Davon abgesehen, dass Windräder auch erhebliche ökologische Nebenwirkungen haben, sind sie nicht grundlastfähig. Um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, benötigt man also entweder Atomstrom und/oder Kohle, Öl, Gas, Biomasse, Geothermie. Wie man weiß, ist keine dieser Energiequellen ohne Risiken und Nebenwirkungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dem Kommentator diese Fakten nicht bekannt sind. Man sollte eine solche sensible und schwierige Thematik deshalb nicht zur Stimmungsmache und Meinungsmanipulation benutzen. Dies ist hier leider geschehen.