Kreis Germersheim Lebenspläne zerplatzen in Sekunden

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„Im Raum Südpfalz starben 2012 neun Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren bei Verkehrsunfällen. Das sind zu viele Tote und dagegen wollen wir was tun“, sagt Polizeihauptkommissar Uwe Becker gestern bei der Präventionsveranstaltung „Crash Kurs“, zu der die Polizeiinspektion Germersheim in die Aula der Berufsbildenden Schule Germersheim einlud. Über 200 Schüler und potenzielle Fahranfänger ab 17 Jahren nahmen an dem 90-minütigen „emotionalen Kurs“ zum Thema Verkehrssicherheit teil. „Wir wollen die jungen Verkehrsteilnehmer mit unserer Dokumentation von schweren Verkehrsunfällen mit Toten und Verletzten betroffen machen und sie damit zum Nachdenken anregen“, sagt Polizeihauptkommissar und Pressesprecher Michael Baron. Den Teilnehmern soll ohne erhobenen Zeigefinger eindringlich klar gemacht werden, wie lebensgefährlich riskantes Verhalten im Straßenverkehr ist und, „dass es auf das eigene Verhalten als Fahrer und Mitfahrer entscheidend ankommt“. Der „Crash-Kurs“ begann mit einem Kurzfilm von Unfallimpressionen, die kommentarlos mit ruhiger Musik untermalt wurden. Der Film zeigte Originalbilder mehrerer Unfälle aus dem Raum Montabaur. Im Hauptteil der Veranstaltung wurde ein schwerer Unfall, der sich im Juli 2012 auf der Landstraße 540 zwischen Jockgrim und Wörth ereignete, rekonstruiert und im Anschluss Originalfotos gezeigt. Ein 19-Jähriger aus dem südlichen Landkreis prallte in dieser Nacht frontal mit seinem Golf auf den Mercedes seines besten Freundes. Beide starben und vier Insassen überlebten schwer verletzt. Der 19-Jährige, der den Unfall verursachte, hatte 1,78 Promille im Blut. Auf eine sehr emotionale Art und Weise schilderten die Rettungskräfte, die damals vor Ort waren, wie sie ihren Einsatz erlebten und appellierten an die jungen Zuhörer im Saal, als Fahrer und Mitfahrer verantwortungsbewusst zu sein. Verkehrsunfälle würden „nicht zufällig passieren“, sondern hätten Ursachen, die oftmals am Fehlverhalten des Fahrers liegen. „Um 3.13 Uhr ging der Notruf ein“, berichtet Polizeikommissarin Jennifer Merx von der Wörther Polizei. „Wir standen vor einem riesengroßen Trümmerfeld“, erinnert sich Merx. „Zwei Autos ohne Fahrzeugfront und überall Autoteile.“ Sie hörte Schreie aus der Dunkelheit und fand vier schwer verletzte junge Männer, die verstreut auf Rad- und Feldweg lagen. Als die Feuerwehr kam und die Unfallstelle ausleuchtete, sah man erst das ungeheure Ausmaß des Unfalls. „Nach der Deformation der Fahrzeuge zu urteilen, hielten sich beide Fahrer bestimmt nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 Stundenkilometer“, so Merx. Polizeioberkommissar Mario Roth ist seit 30 Jahren im Dienst und weiß, wie schwer es für Einsatzkräfte ist, „solche Unfälle nicht nur zu bearbeiten, sondern auch zu verarbeiten“. „Bitte setzt Euch nicht ans Steuer, wenn ihr alkoholisiert seid oder Drogen genommen habt. Schnallt Euch an, auch auf dem Rücksitz“, sagt Roth zu den jungen Zuhörern. „Bleibt konzentriert und legt das Handy beim Autofahren weg. Ihr habt es in der Hand, dass sich solche Horrorszenarien nicht wiederholen.“ Auch Wehrführer und Einsatzleiter Daniel Metzger von der Freiwilligen Feuerwehr in Wörth, wurde an die Unfallstelle gerufen. „Zwei Leichen parallel zu bergen, das war nicht einfach. Das konnten nur die belastbarsten Kollegen. Wir sind alle keine Maschinen.“ Heiner Butz, Leiter der Notfallnachsorge der DRK-Krisenintervention Bellheim, und seine Kollegen suchten noch in der Nacht die Familien der beiden 19-Jährigen auf. „Das ist nie leicht. Wir müssen die totale Verzweiflung und Zusammenbrüche der Angehörigen aushalten und psychisch verkraften“, erzählt Butz. „Ihr habt noch so viel vor in Eurem Leben“, sagt der Leitende Notarzt des Landkreis Germersheim, Dr. Thomas Bleck. Bei dem Unfall „seht ihr, wie schnell Eure Pläne und Ziele zerstört werden können“. Ein großer Luftballon, an den Schüler ihre Zukunftswünsche klebten, verdeutlichte am Ende des „Crash-Kurses“ mit einem großen Knall nachhaltig, wie schnell Lebenspläne und Wünsche von einer Sekunde auf die andere zerplatzen können. (smoh)

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