KREIS GERMERSHEIM
Lebenshilfe kämpft mit Raumproblemen
Wo gibt es für die Lebenshilfe Kreisvereinigung Germersheim ein geeignetes und kostengünstiges Grundstück? Die Lebenshilfe will ihren Wohnbereich qualitätsmäßig verändern mit Einzelzimmern und Barrierefreiheit. Deshalb sucht sie für zehn bis zwölf Behinderte einen Bauplatz für ein Haus, das größer als ein Einfamilienhaus ist.
Vorsitzender Uwe Schwind sprach in der Jahreshauptversammlung die Problematik an. Ein Umbau der ehemaligen leerstehenden Geschäftsstelle in Hatzenbühl wäre zu teuer, ebenso wie ein zuletzt privat angebotenes Grundstück für 600 Euro pro Quadratmeter. Jetzt versuche die Lebenshilfe in Verhandlungen mit Kommunen zu gehen, um ein kostengünstigeres Gelände zu bekommen.
Zu wenig Platz in Rülzheim
Problematisch sei auch die schwierige räumliche Situation in Rülzheim, wo in einem Gebäude des Kreises der Förderkindergarten der Lebenshilfe zusammen mit der Schule mit Förderschwerpunkt Sprache untergebracht ist. Entgegen der Prognosen hinsichtlich rückläufiger Schülerzahlen wächst diese Schule. „So entstehen aufgrund der knappen Räumlichkeiten Nutzungsprobleme“, sagt Schwind. Zudem wäre mehr Personal für den Förderkindergarten nötig, das aber vom Kreis nicht genehmigt werde. „Die der Lebenshilfe zugewiesenen Pflegesätze werden nicht nach Personal, sondern pro Kind berechnet. Das reicht nicht für nötiges zusätzliches Personal aus. So ginge dies nur auf eigene, für die Lebenshilfe zu hohe Kosten“, meint Schwind.
Interessant sei ein innovatives Projekt, mit dem das Jugendamt des Kreises auf die Lebenshilfe zugekommen sei. Es geht um die Problematik von Kindern zwischen sechs und 14 Jahren, die in Familien mit einem behinderten Geschwistern- oder Elternteil zusammen in der Familie leben. Diese Kinder sollen präventiv unterstützt und gestärkt werden. Bevor sie Probleme bekommen, sollen sie am Nachmittag nach der Schule sozialpädagogische Hilfe in einer Gruppe „Kinderleben“ erhalten. Als Räumlichkeit käme für dieses bisherige Konzept auf Papier ein „Haus der Familie“ im Kreis oder ein anderes kommunales Gebäude in Betracht.
Zur Sache: Finanzierungssorgen während Corona
„Wir sind coronafrei“, war die freudige und erleichternde Botschaft, die Geschäftsführerin Susanne Rößler den Mitgliedern der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Germersheim überbrachte. Das sei auch der großen Solidarität bei den Mitarbeitern und der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung zu verdanken. So bekam die Lebenshilfe Masken aus der Bevölkerung sowie Desinfektionsmittel vom Lions Club geschenkt, als es nicht leicht war, diese zu besorgen.
Schließlich gab es Besuchs- und Kontaktsperren für die Wohnheime. Die Behinderten in den Werkstätten durften nicht arbeiten und mussten betreut werden. „Praktische Auslegung der Regeln und gesunder Menschenverstand waren gefragt“, meinte Rößler.
Große Probleme hatte die Lebenshilfe – so Rößler – mit den über 100 Assistenzkräften, die in den Schulen und Kitas mit individuellen Hilfen für behinderte Kinder beschäftigt sind. Da diese zum größten Teil geschlossen waren, musste Kurzarbeitergeld beantragt werden. Damit gab es bekanntlich nur 60 bis 67 Prozent des Gehaltes. „Wir sind von Seiten der Kreisverwaltung nicht auf Augenhöhe behandelt worden, was die Bezahlung der Assistenzkräfte angeht“, zieht der Vorsitzende der Lebenshilfe Uwe Schwind Resümee. „Wir müssen bis heute das Arbeitsentgelt der Mitarbeiter vorfinanzieren, weil diese ja ihren laufenden finanziellen Verpflichtungen nachzukommen haben. Anstatt uns dafür Abschlagzahlungen zu leisten, verwies uns die Kreisverwaltung auf die noch nicht geklärte Rechtslage und vertröstete uns von Monat zu Monat.“
Aufgrund der temporär guten Kassenlage konnte sich dies die Lebenshilfe glücklicherweise kurzfristig erlauben. Schwind wollte sich gar nicht ausmalen, wozu die Geschäftsführerin ansonsten gesetzlich gezwungen gewesen wäre: Nämlich den Weg zum Konkursrichter wegen Zahlungsunfähigkeit anzutreten.