Wörth
Lastwagenwerk: Gewerkschaft fordert trotz geringerer Auslastung mehr Lohn
Erst diese Woche war der eActros wieder in den Medien, da Journalisten im Zuge der Driving Experience mitfahren oder sogar selbst ans Lenkrad durften. Für das Prestige-Objekt gibt es viel Applaus. Doch im Mercedes-Benz-Lastwagenwerk sind Schichten derzeit verkürzt oder fallen ganz aus. Eine normale Entwicklung, sagt Daimler Trucks. „2023 war ein Rekordjahr für Daimler Truck und unsere Produktion war entsprechend sehr gut ausgelastet“, heißt es dazu von einer Sprecherin des Unternehmens. „Wir sehen dieses Jahr für die wichtigen Lkw-Absatzmärkte eine Normalisierung und eine entsprechend geringere Auslastung in der Produktion.“
Dies fiel schon im Februar auf. Damals hatte die RHEINPFALZ auch über zwei Betriebsvereinbarungen berichtet. Eine Maßnahme war die vorübergehende Absenkung der Arbeitszeit, was zunächst bis Ende Juni begrenzt sein sollte. Dabei wurden Schichten auf sieben Stunden verkürzt. Außerdem wurden sogenannte produktionsfreie Ruhetage vereinbart. Diese werden zum Beispiel rund um Ferien- und Brückentage geplant und würde von der Belegschaft gerne für Urlaubstage genutzt, hieß es damals auf Anfrage.
Unternehmen: Reagieren flexibel
Auch jetzt verweist eine Sprecherin wieder auf die „bewährten Flexibilitätsinstrumente“ , dank derer man gut für das zyklische Nutzfahrzeuggeschäft und die jeweiligen Marktentwicklungen aufgestellt sei. „Wir können unsere Fahrweise in der Produktion bei Bedarf kurzfristig entsprechend anpassen.“ Dafür würden verschiedene Instrumente wie unterschiedliche Arbeitszeitmodelle, Arbeitszeitkonten, das flexible Produktionsnetzwerk oder auch die Anpassung der Fahrweise in der Produktion genutzt.
Der Einsatz von Ferienbeschäftigten ist Teil dieser flexiblen Produktionsplanung. 2023 waren im Lastwagenwerk Wörth über 1000 Schüler oder Studierende als Ferienarbeiter während des Sommerhalbjahres zur Entlastung der Belegschaft eingestellt. Anders 2024: „In diesem Jahr sind am Standort Wörth keine Ferienbeschäftigten im Einsatz“, schreibt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage.
Und es gibt noch eine weitere Änderung über den Sommer: „Für die Haupturlaubszeit im Juli und August und der damit verbundenen größeren Abwesenheitsquote in unserer Belegschaft haben wir entschieden, im Mercedes-Benz Werk Wörth vorübergehend in den meisten Gewerken überwiegend in der Frühschicht zu produzieren.“
Gewerkschaft verweist auf Übernahmen
Kein Grund zur grundsätzlichen Sorge, heißt es dazu von der Gewerkschaft. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ verweist der Erste Bevollmächtigte Marc Tinger darauf, dass im Lastwagenwerk Anfang des Jahres 1000 Leiharbeiter beschäftigt waren. Von diesen seien „nach großen Anstrengungen von Gewerkschaft und Betriebsrat“ in den ersten sechs Monaten 350 in die Stammmannschaft übernommen worden, so Tinger.
Die Schwankungen seien in der Branche normal, lautet seine Einschätzung. „Wir machen uns keine Sorgen um die Substanz des Unternehmens“, sagt Tinger. Mit Blick auf die anstehenden Tarifverhandlungen merkt er an: „Wir sehen keinen Grund für Bescheidenheit.“ Es gebe keinen Grund, beim Thema Gehaltserhöhungen „auf die Bremse zu gehen“.
Anfang Juli hatte die Gewerkschaft IG Metall 2350 Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt, bei Daimler Truck und im Global Logistics Center in Germersheim, das jetzt zu Mercedes Benz gehört. „Über 95 Prozent haben gesagt, sie würden bei Aktionen mitgehen“, sagt Tinger. Das bedeutet, sie stehen hinter der Forderung von sieben Prozent mehr Lohn und 170 Euro mehr für die Auszubildenden.