Hagenbach
Landesverdienstmedaille für Suchthelfer Alex Cunow
Alex Cunow aus Hagenbach wurde Anfang März mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland –Pfalz ausgezeichnet. Hannes Kopf, Präsident der Genehmigungsbehörde SGD würdigte Cunows hohes ehrenamtliches Engagement für seine Mitmenschen.
Seit 35 Jahren ist Cunow engagiert beim Kreuzbund, einer bundesweit aktiven Sucht-Selbsthilfeorganisation der Caritas. Als Dank hierfür verlieh ihm die Caritas bereits 2019 ihre höchste Auszeichnung, die Ehrennadel in Gold.
Miteinander besser als Gegeneinander
Wenn er auf dieses langjährige Engagement zurückblickt, kann man erfahren, dass ihm diese intensive Arbeit mit Menschen viel Antrieb und Kraft verleiht. Sicher entspringt es wohl auch Cunows Prägung, denn schon sein Vater meinte, „im menschlichen Zusammensein gibt es nur ein Mit- oder Gegeneinander. Und im Dagegen wird es immer schwieriger“.
Dies hat Alex nie vergessen, auch wenn er bereits im Alter von fünf Jahren den Vater verloren hatte. Die Mutter zog später mit ihm und seinen fünf Geschwistern von Neunkirchen/Saar nach Hagenbach, hier gab es bereits Verwandtschaft und mehr Arbeitsmöglichkeiten. Und hier erlebte Alex eine unbeschwerte Kindheit mit netten Freundschaften im Dorf, in Feld und Wald, auch wenn das Geld immer knapp war. Nach der Schule folgten eine Schreinerlehre und Tätigkeiten in diesem Beruf bis er „zum Daimler“ wechselte.
Auch wenn sein beruflicher Weg recht geradlinig verlief, wurde es irgendwann im „Familienleben holprig“, und Alex Cunow folgte dem schnellen vermeintlichen „Trostweg Alkohol“. Bis er nach zwei schweren Jahren zur „Abbiegespur“ Kreuzbund einlenkte. Und weil er dieser „Rettungsgasse bei Alkoholsucht“ verdankt, dass er inzwischen „trocken“ ist, ermunterte ihn dies, sich zum Gruppenleiter ausbilden zu lassen. Seit dieser Zeit engagiert er sich in den Gruppensitzungen in Wörth und vielen übergeordneten Gremien des Kreuzbundes, bis hin zur Bundesebene.
Offen über Sucht reden
In den Gruppenstunden werde miteinander und nicht übereinander geredet. Jeder erzählt – freiwillig – von seiner Sucht, wie sich dies durch hohen Druck persönlich, familiär und beruflich auswirke. Es kommen zu den Abenden zwischen 10 und 15 Personen, sowohl freiwillig, als auch aufgrund gerichtlicher Auflagen, oder zur Wiedererlangung des Führerscheins. Auch für Angehörige ist die Gruppe offen. Im Gespräch erkenne man Parallelen, man gibt Ideen zur Hilfe weiter und akzeptiert die oft hohe Scham. „Diese ist besonders bei rückfälligen Besuchern hoch“. „Dabei kann sich jeder Besucher hier geschätzt und betreut fühlen“, betont Cunow. Es werde niemals jemand verurteilt, viele Schicksale berühren, gerade auch bei Verlust und Trauer; und nicht zuletzt gab es auch schon Rückfälle beim „Leichenschmaus“.
Alex Cunow kennt alle Hilfemöglichkeiten; neben dem persönlichen Gespräch verweist er auf spezielle Institutionen bei Drogen-, Spiel- oder Medikamentensucht, bei Depression und Psychosen. Bei Bedarf gibt’s auch Hausbesuche, oder Cunow fährt zögerliche Betroffene „sicherheitshalber“ zur Entgiftung nach Klingenmünster. Seine Kontaktdaten sind bei Ärzten und Organisationen der Region ausgelegt – so weiß er, wenn das Telefon klingelt, dann braucht oft jemand „ganz schnell Hilfe“, eher ihn der Mut wieder verlässt. Die Aufgaben sind vielseitig, teilweise belastend und zeitintensiv, auch jetzt nachdem Cunow 2023 beruflich in den Ruhestand wechselte.
Ausgleich beim Angeln
Sehr notwendig sind da die Zeiten des Ausgleichs, der Ruhe, die er beim Angeln findet. Bereits seit 35 Jahren ist er Vorstand des „Vereins für Angelfreunde“. „In der Natur am Wasser kann man abschalten und über das Leben nachdenken.“ Das ihn selbst schließlich nach schweren Zeiten auf einen guten Weg führte und mit viel Kraft für seine Aufgaben ausstattete, was ihn sehr dankbar macht.
Info
Der Kreuzbund e. V. der Caritas Speyer ist eine bundesweit aktive Selbsthilfegruppe für Suchtkranke, Suchtgefährdete und deren Angehörige. In Wörth finden dienstags und donnerstags 14-tägig um 19.30 Uhr Treffen im Jugendheim St. Theodard, Mozartstraße 19 statt.
Hilfe bieten auch die Organisationen Blaues Kreuz und Anonyme Alkoholiker.