Leimersheim
Landespreis für Lichtinstallation engagierter Messdiener
„Die sieben Tage aus dem Buch Genesis kann man wunderschön bebildern“, sagt Christian Liebel. Der 29-Jährige ist einer der ältesten Messdiener im Fischerdorf und kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Die Leimersheimer Ministranten, allesamt Jungs und junge Männer, sind gut aufgestellt und klar strukturiert. „Wir haben die Tage nacherzählt und in weiteren Szenen zur Bewahrung der Schöpfung und zu Natur- und Artenschutz aufgerufen.“ Das war im August des letzten Jahres. Drei Tage lang wurde der Kirchenraum zur Projektionsfläche. Rund 500 Zuschauer haben die Lichter-Show, die 12 mal wiederholt wurde, gesehen. 50 Scheinwerfer waren aufgebaut.
Das Programm sollte „vor allem Jugendliche, junge Erwachsene und Familien, auch Kirchenferne, ein schlichtweg breites Publikum, ansprechen“, erläutert Oberministrant Maximilian Götz. Die Schöpfungsgeschichte erschien da geeignet. „Es gab sehr viele Aufgaben“, so Christian Liebel. Plakate entwerfen, Werbung via Social Media machen, Bänke desinfizieren und natürlich die Animation gestalten. Belohnt wurden die Messdiener mit einem Preis der Landesregierung.
„Sich einmischen – was bewegen“ – so lautet das Motto des rheinland-pfälzischen Jugend-Engagement-Wettbewerbs, der seit acht Jahren ausgerichtet wird. Die Beiträge können sich beispielsweise auf Vielfalt und Toleranz, Mobilität, moderne Medien oder eben Umwelt und Nachhaltigkeit beziehen. Ein Dauerbrenner-Thema, das auch im Zentrum der katholischen Kirche angekommen ist: 2015 war der Petersdom Projektionsfläche für ein Lichtspektakel mit Tier- und Naturaufnahmen, das von der päpstlichen Öko-Enzyklika „Laudato si“ angeregt war. Davon haben sich die Leimersheimer Messdiener inspirieren lassen.
Lichtershow in der Kirche geht weiter
In Sachen Digitalisierung seien die Leimersheimer Messdiener während der Pandemie geradezu aufgeblüht, erzählt Liebel. Bald haben sie via Live-Stream Gottesdienste aus leeren Kirchen in Wohnzimmer übertragen. Zu Ostern 2021 gab es die erste kleine Licht-Installation an der Außenfassade der Kirche. „Dann wollten wir die nächste Stufe machen.“ So kam es zu der Veranstaltungsreihe im August, die sie „Lichterleben“ tauften. „Es soll nicht bei dem einen Mal bleiben“, sagt Liebel. Das Preisgeld von 500 Euro investieren die Messdiener in eine neue Lichtershow. Der Termin, 21. bis 23. Oktober, steht schon, das Thema noch nicht.
Es stehen noch weitere Projekte an: An den Kartagen ziehen die Jungs wieder los zum „Werren“ und rufen zu Gottesdiensten und Gebetszeiten. Die Tradition haben die Leimersheimer auch die letzten beiden Corona-Jahre beibehalten und im Gegensatz zu manch anderen Gruppen „unter Einhaltung der gesetzlichen Regeln durchgezogen“.
Zwei christliche Jugendgruppen im Dorf
Fürs offene Zeltlager der Messdiener im Sommer haben sich bereits 80 junge Menschen angemeldet. Da sind dann auch die „Bunten Fische“ mit dabei – die Mädchengruppe, die in Leimersheim christliche Jugendarbeit macht. Denn die Messdiener nehmen, als mittlerweile einzige Ministrantengruppe im Bistum Speyer, nur Jungs auf. Nachwuchsmangel haben sie dennoch nicht. Die Mitgliederzahl ist sehr stabil, berichtet Christian Liebel, der selbst seit 20 Jahren dabei ist. 36 Ministranten seien momentan mit von der Partie. Der Jüngste sei neun, der Älteste 31. „Das Alter spielt keine Rolle“, sagt Christian Liebel. „Alles passiert auf Augenhöhe.“ Maximilian Götz ergänzt: „Der innere Zusammenhalt unserer Gruppe gründet sich auf dem Dienst am Altar. Hieraus entsteht unser freundschaftliches Verhältnis untereinander und das nach außen hin sichtbare Ergebnis unserer Jugendarbeit.“
Zwei aus der Gruppe – Sebastian Strauch und Nils Kuhn, die das Projekt federführend begleiteten – holen am Samstag den Preis bei Ministerpräsidentin Malu Dreyer in der Mainzer Staatskanzlei ab. Neben der Leimersheimer Lichtshow werden 28 weitere rheinland-pfälzische Jugendprojekte ausgezeichnet. Einen Preis erhalten auch das Landauer Max-Slevogt-Gymnasium für ein Projekt über antisemitische Verschwörungstheorien in der Coronazeit sowie das Jugendparlament Herxheim-Hayna für eine Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl.