Kreis Germersheim Landeskirche im Wandel: Was ist im Dekanat Germersheim geplant?

Fenster der Friedenskirche Wörth: Die Kirchengemeinde ist im vergangenen Jahr mit der anderen Gemeinde der Stadt, der Christuski
Fenster der Friedenskirche Wörth: Die Kirchengemeinde ist im vergangenen Jahr mit der anderen Gemeinde der Stadt, der Christuskirche, fusioniert.

Der Kirche fehlen die Menschen und das Geld: Auch das Dekanat Germersheim steht vor möglichen Fusionen von Gemeinden und dem Abbau von Pfarrstellen.

Vergangene Woche hat die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz ein Sparpaket geschnürt und weitreichende Reformen beschlossen. Die Kirche reagiert damit auf Mitgliederschwund, weniger Geld und Bedeutungsverlust. Unabhängig von diesem „Prio-Prozess“ der Landeskirche stehen im Kirchenbezirk Germersheim die Zeichen schon seit einiger Zeit auf Veränderung. „Wir können so nicht weiter machen“, sagt Dekan Michael Diener im RHEINPFALZ-Gespräch. „Wir können Kirche nicht mehr so gestalten, als hätten wir es in Deutschland noch mit 90 Prozent Kirchenmitgliedern zu tun, als gäbe es Säkularisierung und Individualisierung nicht.“ Die Landeskirche rechnet damit, dass die Mitgliederzahl bis 2035 um ein Drittel schrumpft. Der Verlust im Kirchenbezirk Germersheim liegt dabei im Schnitt: 2021 lebten hier 26.631 Protestanten, Ende 2024 waren es noch 24.517.

„Wir müssen Strukturen zurückbauen, weil wir die Mitglieder, Menschen und Finanzen nicht mehr haben“, sagt der Dekan. Konkret könnte das in den nächsten Monaten in der Bienwaldregion werden: Die Kirchengemeinden Kandel, Jockgrim und Erlenbach, zu der Hatzenbühl, Neupotz und Rheinzabern gehören, wollen fusionieren. Bis zum Jahresende soll dieser Prozess abgeschlossen sein – so das Ziel. Statt vier soll es danach nur drei Pfarrstellen für die noch namenlose Großgemeinde geben. Gespräche darüber laufen, unterzeichnet sei noch nichts, so Diener.

Sorgen vor der Wahl

Pfarrstellen müssen reduziert werden. Das hat die Landeskirche unter Sparzwängen nicht erst jetzt den Kirchenbezirken auferlegt. Eine Stelle wurde im Dekanat Germersheim bereits durch eine Zusammenlegung gestrichen: Vor gut einem Jahr sind die Wörther Christuskirche und die Friedenskirche zu einer Gemeinde fusioniert. „Wir haben aber auch auf ehrenamtlicher Seite Probleme“, sagt Dekan Diener. Auf sechs Jahre Presbyter-Arbeit – wollten sich viele Menschen nicht mehr einlassen. Viele Gemeinden hätten Angst, bei den Neuwahlen der Presbyterien – diese verwalten und leiten die Gemeinden – Ende 2026 keine Leute mehr zu finden. „Wir brauchen neue Strukturen auf haupt- und ehrenamtlicher Ebene“, betont er.

Gespräche im Norden

Auch im Norden des Dekanats zeichnen sich Veränderungen und der Abbau von Pfarrstellen ab: Auch hier laufen in allen Kirchengemeinden, mit Ausnahme von Rülzheim, Gespräche über eine verstärkte Zusammenarbeit und eine mögliche Fusion, sagt der Dekan. Rund die Hälfte aller Mitglieder im Kirchenbezirk leben hier. „Der Prozess ist im Ausgang völlig offen“, betont Diener. Jede der acht Kirchengemeinden könne am Ende entscheiden, ob sie mitmache oder nicht. Stichtag für diesen Prozess sind die Presbyteriumswahlen.

Es sei ein Sparprogramm, in dem der Dekan aber Chancen zur notwendigen Veränderung sieht: Pfarrer könnten durch neue Strukturen von Verwaltungsarbeit entlastet werden und mehr Zeit für inhaltliche und seelsorgerische Arbeit oder persönliche Schwerpunkte finden. Seit vergangenem Jahr seien bereits drei Standardassistenzen auf Dekanatsebene angesiedelt, die „von Nord nach Süd eine wichtige, die Pfarrpersonen entlastende Arbeit leisten“, erläutert Diener. Die große Frage sei: „Wie gelingt gemeindliches Leben mit weniger Ehrenamtlern, weniger Hauptamtlichen, weniger Geld und weniger Mitgliedern?

Mit Reformen Ressourcen bündeln

Diese Frage stellt sich auch die Landeskirche. Die Synode – quasi das Kirchenparlament – hat vergangene Woche beschlossen, dass bis 2029 aus 15 Kirchenbezirken vier werden und Synergien mit anderen Landeskirchen ausgelotet werden. Germersheim, Frankenthal, Ludwigshafen und Speyer sollen eine große Einheit bilden. Außerdem haben die Synodalen grünes Licht für eine Strukturreform bis 2032 gegeben, die auf weniger Gremien und Bürokratie, mehr Teamarbeit und mehr Raum für geistliche Aufgaben in den Kirchengemeinden abzielt. Kirchliche Arbeit soll weiter örtlich stattfinden, aber regiolokal organisiert. Damit wurden „mutige Reformschritte“ eingeschlagen, meint Michael Diener. Die Ausgestaltung der Reformen müsse allerdings ergebnisoffen sein und von den Beteiligten selbst erarbeitet werden. Der Kirchenbezirk Germersheim steckt bereits mittendrin im Veränderungsprozess.

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