Jockgrim
Lärm am Bolzplatz: Anwohner lassen nicht locker
Seit 15 Jahren gibt es ein Minispielfeld im Wohngebiet an der Schelmenwald- und Ziegelstraße. Fast genauso lange beschweren sich Anwohner über Verstöße gegen Ruhezeiten. Mit dem DFB, der das Feld auf eigene Kosten errichtet hatte, war vertraglich geregelt, dass es bis Oktober 2023 bleiben muss. Nachbarn hatten gefordert, dass es spätestens danach abgebaut wird. Im vergangenen Mai hat der Gemeinderat jedoch beschlossen, dass das Kunstrasenfeld weiterhin, nach Vertragsende, bleiben soll. Weder für Anwohner noch für einige Ratsmitglieder war das Thema damit gegessen. Es wurden alternative Standorte und Ideen vorgeschlagen, um die Situation zu befrieden. Auch die Schule, die das Feld für Sportunterricht, in den Pausen und nachmittags nutzt, sollte mehr auf Ruhe achten.
Davon spüren die Anwohner eigenen Angaben zufolge nicht viel. „Es hat sich nichts geändert“, sagt ein Mann. „Uns wurde vor 15 Jahren das Recht auf Ruhe aberkannt.“ Der Lärm beginne vormittags und ende spätabends, wenn die letzten Freizeitkicker nach Hause gehen. Im Herbst habe die Schule ein Fußballturnier mit Trillerpfeifen und Megafon dort ausgetragen, erzählt eine Nachbarin. Wäre die Stimmung nicht so aufgeheizt, würde das wohl ohne Murren toleriert. In einem seit Jahren gereizten Klima kann das dauergenervte Anwohner auf die Palme bringen.
Mit Taschenlampen am Ball
Dass sich die Freizeitkicker nicht an das Spielverbot nach 19 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen halten, ist mit das größte Ärgernis. Manche spielen sogar noch im Dunkeln mit Taschenlampen, erzählt die Frau. Hinzu komme, dass einige Jugendliche aggressiv oder mit derben Sprüchen reagierten, wenn Nachbarn sie auf Regeln hinweisen. Eine Anwohnerin sei auf dem Balkon mit Kastanien beworfen worden, obwohl sie gar nichts gesagt habe. Es gebe auch Jugendliche, die Verständnis für die Nachbarn zeigen, aber nicht wissen, wo sie sonst hin sollen. Der zweite Bolzplatz im Ort, ein Rasenspielfeld neben der Tennisanlage, werde von den Kindern nicht so angenommen wie der an der Schule.
Dass die Spielzeiten „konstant ignoriert“ werden, erfährt der Beigeordnete Heiko Böhner am eigenen Leib. Er gehörte bisher zu den Befürwortern des Spielfelds. Seit geraumer Zeit wohnt er in der Nähe und mache sich häufig ein Bild vor Ort. Als er wieder mal sonntagabends Kinder auf das Spielverbot hinwies, habe ein Kind im Grundschulalter geantwortet, er habe ihm gar nichts zu sagen. Andere kommen einfach eine halbe Stunde später wieder. „Es ist eine verzwickte Situation“, sagt der Beigeordnete (FWG). Der Bolzplatz sei toll für die Jugendlichen, aber die Anwohner müssten „nicht alles aushalten“, meint Böhner. „Es ist einfach laut.“
Gericht soll klären
Von den Vorschlägen im Vorjahr sei nichts umgesetzt worden, bemängeln die Anwohner. Es gebe nicht, wie angedacht, Banner, die auf die Nutzungsregeln hinweisen. Auch eine „Rufbereitschaft“ aus Gemeindevertretern, die außerhalb der Ordnungsamtszeiten für Ruhe sorgen, habe der Rat nicht initiiert. „Wir sind auf uns allein gestellt“, sagt der Mann.
Weil die Regeln deutlich sichtbar auf Schildern stehen, sei der Banner-Vorschlag eines Gremienmitglieds „aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit“ nicht weiter verfolgt worden, so Ortsbürgermeisterin Sabine Baumann (CDU) auf Nachfrage. Zu Fragen nach weiteren Ideen, um die Situation zu entspannen und zu Ruhezeiten für die Schule hält sich die Bürgermeisterin wegen eines laufenden Verfahrens gegen die Ortsgemeinde bedeckt. Hintergrund: Eine Familie kämpft seit 2019 auf juristischem Weg um mehr Ruhe. Das Verwaltungsgericht Neustadt wolle diese Woche den Sachverhalt mit den Parteien erörtern, um Lösungen zu finden, erklärt Rechtsanwalt Roger Roth auf RHEINPFALZ-Anfrage.
Durch die Haus-Hof-Bauweise wirke der Lärm auf manchen Anwesen lauter als direkt am Spielfeldrand, erklärt ein Anwohner. Der Schall pralle auf die Hauswände und pendle sich in den Höfen ein. Heiko Böhner hat einige Familien zu Hause besucht. „Ich kann die Leute verstehen“, sagt der Beigeordnete. Demnächst möchte er mit seiner Fraktion darüber beraten, wie es mit dem Minispielfeld weitergehen könnte.