KANDEL RHEINPFALZ Plus Artikel Kunstspaziergang durch die Innenstadt

Parfum, Kosmetik – und Kunst von Elke Blankart.
Parfum, Kosmetik – und Kunst von Elke Blankart.

Mit dem Kunstspaziergang setzt der Verein für Handel und Gewerbe (VHG) die aktuelle Aktion seiner eingeführten Marke Artstreet bis Allerheiligen fort. Hierzu haben zahlreiche Geschäfte der Innenstadt in ihren Schaufenstern Platz für die Arbeiten von 26 Künstlern geschaffen.

Es ist schon spannend. Denn wenn der Neugierige nicht den ausführlichen Flyer zum Kunstspaziergang nutzt und einfach mal losmarschiert, um in jedes Schaufenster zu gucken, dann bleiben Überraschungen ebenso wenig aus wie Erwartetes. So ist hinter den Scheiben einer Versicherungsagentur die große Leere zu entdecken. Zahlreiche weiße Stühle, auf denen niemand wartet. Und ein großer Aufsteller, in dem keine einzige Broschüre liegt.

Die Fenster eines Schreibwarengeschäfts wiederum sind von außen mit einer dichten Wand prall gefüllter Postkartenständer abgeschirmt. Auf der Suche nach einer so zuverlässig undurchdringlichen Abwehrkette könnte Bundestrainer Jogi Löw für die Nationalmannschaft hier in Kandel also fündig werden. Werbung für Wundheilung, Schmerztabletten und Helfer gegen Atemwegsinfekte bei der Apotheke, ein kunstvoller Turm aus Pizzakartons im Döner- und Pizzahaus. Doch natürlich gibt es sie, die gute Kunst. Manchmal springt sie ins Auge, das andere Mal muss man suchen.

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Kommentar

Starke Streetart

Freude über die Werke im Fenster eines Blumengeschäfts

Zwei Pärchen laufen die Hauptstraße hinunter. An den Tüten ist zu erkennen, dass das Shoppen erfolgreich war. Ist ihnen etwas aufgefallen? „Jetzt, wo Sie es sagen“, gesteht einer der beiden Männer. „In dem Bekleidungsgeschäft 100 Meter weiter vorne – ich bin zwar kein Kunstsachverständiger, aber es war ein tolles Bild. Es fiel mir auf, weil es keine Werbung war.“ Die beiden Frauen kichern. „Wir schauen halt nur nach den Schuhen und Klamotten. Das ist leider so“, gesteht die eine mit einem Kichern. Die kleine Gruppe kommt aus Bühl und macht einen Tagesausflug nach Kandel. Bei Iffezheim über den Rhein, das ist ja nicht weit, freuen sie sich. Und ja, jetzt, wo sie Bescheid wissen, gucken sie aufmerksamer in die Schaufenster.

Seit über vier Wochen läuft die Artstreet. Dennoch sind drei andere Frauen überrascht, dass hier nun Kunst zu sehen sein soll. Gabi Ritter und ihre beiden Kolleginnen haben gerade Mittagspause. „Nein, es ist uns noch nie etwas aufgefallen“, sagt sie aufrichtig. Die Frage, in wie vielen Mittagspausen sie hier entlang gelaufen sind, bleibt ihnen erspart. Mutter und Tochter Reiß aus Rülzheim wiederum freuen sich über die Arbeiten im Fenster von Blumen Roth entdecken. Und als die besonders von der Farben begeisterte Mutter in der Beschreibung liest, dass die Künstlerin beruflich in Paris und Südfrankreich tätig ist, ist ihr alles klar: „Kein Wunder, dass mir die Bilder gefallen!“

Nach heutigem Stand bleibt es beim Zwei-Jahres-Rhythmus

Michaela Stöhr von der VHG ist von den Reaktionen auf der Straße nicht überrascht. Es sei schade gewesen, dass man nicht ausreichend Live-Events hatte, um das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung halten zu können: „Wir sind ein Gewerbeverein und kein Kunstverein, auch wenn wir mit der Artstreet eine regelmäßige Kunstveranstaltungsreihe haben“, sagt sie. Die Rückmeldungen seien bislang verhalten. „Man kann halt nicht messen, wie viele Leute sich die Sachen wirklich anschauen. Andererseits muss ich im Bücherschrank im Dierbachweg immer wieder Flyer nachlegen, so schnell sind sie weg.“ Und im Tourismusbüro kämen sogar oft Leute vorbei, die gerade angekommen sind und gezielt danach fragen, wo der Rundgang denn losgehe.

Trotz der „tollen Zusammenarbeit mit City-Management und Tourismusbüro“ geht sie heute nicht davon aus, dass nächstes Jahr wieder solch ein Kunstevent stattfindet, sondern auf den bisherigen Zwei-Jahres-Rhythmus der Artstreet zurückgegriffen wird. Der organisatorische Aufwand sei ebenso enorm gewesen wie Verhandlungen mit Gewerbetreibenden und Künstlern.

Guido Pausch ist jedenfalls zufrieden. Im Schaufenster seiner Buchhandlung zeigt er Arbeiten aus Ton und Leuchtobjekte. „Man sieht öfters, dass die Leute stehen bleiben und den QR-Code oder die Objekte fotografieren. Wir haben sogar schon Arbeiten der Künstlerin verkauft“, sagt er – und würde sich auf jeden Fall freuen, wenn das diesjährige Konzept eine Neuauflage erfahren könnte.

Den Kandeler Kunstspaziergang kann man noch bis Sonntag, 1. November, machen.

Im Netz

www.vhg-kandel.de

Mutter und Tochter Reiss sind angetan von Monika Linards Arbeiten im Blumenhaus.
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Objekte von Eva Goepner in der Buchhandlung.
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