Kreis Germersheim Krieg macht auch vor dem Volksschulpedell nicht halt

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GERMERSHEIM. Die patriotischen Lieder, die man bei Kriegsbeginn in den Straßen gehört hatte, waren längst verstummt und die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges war im Herbst 1915 längst einer nüchternen Sicht der tatsächlichen Situation und dem überall spürbaren Kriegsalltag gewichen – auch in der Festungsstadt Germersheim.

Zu den „Neuerungen“, die das Jahr 1915 der Stadt gebracht hatte, zählte insbesondere die Einrichtung eines Lagers für Kriegsgefangene auf dem vormaligen „Exerzierplatz“ (heute Teil des US-Depots), das zunächst nur aus Zelten und Baracken, erst später aus festen Unterkünften, bestand. In das Lager, das ursprünglich schon ein Jahr zuvor eingerichtet werden sollte – hiergegen hatte sich das Festungsgouvernement aus hygienischen und medizinischen Gründen jedoch gewehrt – waren in der zweiten Aprilhälfte 1915 schließlich 4062 russische Gefangene eingezogen. Preissteigerungen bei Lebensmitteln und deren Rationierung hatten dazu geführt, dass zu Beginn des Jahres 1915 die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Brennstoffen den sogenannten „Kommunalverbänden“ übertragen wurde. Germersheim bildete dabei zusammen mit den Umlandgemeinden des Bezirks einen „ländlichen Kommunalverband“. Darüber hinaus hatte sich der Germersheimer Stadtrat bei seinen Sitzungen immer öfter mit der Lösung von Personalproblemen zu beschäftigen, die der Krieg mit sich gebracht hatte. So war der auf dem „Wörth“ eingesetzte Feldhüter schon mit Kriegsbeginn 1914 zum Heer eingezogen worden und noch immer nicht zurückgekehrt, so dass man sich im April 1915 genötigt sah, einen Ersatzmann für diese Aufgabe zu bestellen. Dies galt auch für den zweiten Feldhüter Peter Gaßmann, der im Herbst seinen Militärdienst antreten musste. Auch der Germersheimer Stadtpolizist Sandmeyer hatte im April 1915 seiner Einberufung Folge geleistet, so dass auch in diesem sicherheitsrelevanten Bereich ein „Aushilfsschutzmann“ eingestellt werden musste. Bei den städtischen Werken gab es ähnliche Probleme, denn der dort im Wasserwerk eingesetzte Maschinist Waltenrath war aufgrund seiner besonderen Tätigkeit bereits mehrfach vom Militärdienst zurückgestellt worden. Eine weitere Befreiung erschien im Herbst 1915 nicht mehr „tunlich“, da Waltenrath Reservist war, so dass man sich entschloss, sich rechtzeitig nach einem Ersatzmann für diesen wichtigen Posten umzusehen und die Stelle in mehreren Zeitungen und einem „Fachblatt“ ausschrieb. Eine weitsichtige Entscheidung, wie sich bald herausstellen sollte, denn Waltenrath wurde bereits Mitte September zum Kriegsdienst eingezogen. Da immer mehr Männer den Weg zu den Kriegsschauplätzen antreten mussten, blieb die Personalergänzung und die Stellenbesetzung auch weiterhin ein Dauerthema. So wurden die Aufgaben des am 1. November 1915 einberufenen Pedells (Hausmeisters) des von der Stadt betriebenen Progymnasiums einer Frau aus Germersheim übertragen, die darum nachgefragt hatte. Auch Albert Schwöbel, städtischer Volksschulpedell, musste die ihm zugedachte Uniform anlegen. Seine Dienstpflichten teilten sich ab November 1915 zwei Frauen, die zusätzlich noch die Reinigung der Schulsäle übernahmen. Nur das an jedem Morgen anfallende „Heraufschaffen von Koks“ vom Keller der Schule zu den Öfen der jeweiligen Klassenräume, wurde von einem städtischen Arbeiter übernommen. Mit dem herannahenden Weihnachtsfest musste man sich auch wieder über die „Liebesgaben“ zum Fest Gedanken machen. Hatte der Stadtrat im Jahr zuvor, anlässlich der ersten Kriegsweihnacht, noch beschlossen, den 107 Germersheimern, die Kriegsdienst leisteten, je ein Paket mit Wurst, Schokolade, Zigarren, Tabak etc. zukommen zu lassen, so war es im Dezember 1915 das Pfälzische Kreiskomitee des Roten Kreuzes, das sich dieser Frage annahm und den Beschluss fasste, sämtlichen Pfälzer „Kriegern“ Liebesgaben zu Weihnachten zukommen zu lassen. Da dies zentral abgewickelt werden sollte, wurden dem Bezirk (Landkreis) Germersheim die Kosten für 300 Pakete auferlegt. Die kleineren Gemeinden des Kreises lehnten dies jedoch im Hinblick auf die Kosten ab, so dass die anfallenden Anteile auf die Stadt Germersheim und die größeren Gemeinden neu verteilt wurden. Auf die Stadt Germersheim entfielen somit die Kosten für 180 Pakete mit „Liebesgaben“, die sich auf 750 Mark beliefen, wozu aber das königliche Bezirksamt einen Zuschuss von 400 Mark gewährte, so dass nur noch ein Restbetrag in Höhe von 350 Mark aus städtischen Mitteln aufzubringen war. Wie im Stadtratsprotokoll angemerkt wurde, hatte ein Germersheimer Uniformschneider, der „Hoflieferant“ und Geschäftsmann Ernst Kahn, aus freien Stücken und „in hochherziger Weise“ 50 Hemden und 50 Paar lange Unterhosen gestiftet, die den Weihnachtspaketen des Roten Kreuzes zugute kommen sollten.

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