Kreis Germersheim Kreis profitiert nur teilweise von hoher Kaufkraft
Über durchschnittlich 7522 Euro kann ein Einwohner im Landkreis Germersheim für Einkäufe und anderen Konsum im Jahr 2023 verfügen. Das geht aus einer Auswertung der Lohn- und Einkommenssteuerstatistiken sowie Renten, Pensionen und Transferleistungen hervor, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz veröffentlichte. Diese Prognosedaten über das verfügbare Einkommen werden auch als Kaufkraft bezeichnet und sind eine Grundlage für Investitionsentscheidungen und die Wirtschaftspolitik einer Region.
Mehr Geld im Nachbarkreis
Die Kaufkraft des Landkreis Germersheim liegt damit 0,8 Prozent über dem Bundesdurchschnitt und 1,7 Prozent über dem Mittelwert aller pfälzischen Landkreise. Höher ist die Kaufkraft im Nachbarlandkreis Südliche Weinstraße, wo den Einwohnern im Schnitt 8067 Euro zur Verfügung stehen. Dies stellt den pfalzweiten Höchstwert dar. Im Vergleich zur Stadt Landau (7456 Euro pro Kopf) haben die Menschen im Landkreis Germersheim dagegen etwas mehr Geld zur Verfügung. Insgesamt steht im südöstlichsten Landkreis der Pfalz eine Kaufkraft von fast einer Milliarde Euro im Jahr zur Verfügung. Hinter der Südlichen Weinstraße, der Stadt Ludwigshafen und dem Landkreis Bad Dürkheim ist das der vierthöchste Wert unter den pfälzischen Stadt- und Landkreisen.
Kaufkraft und Gemeinden
Die höchste Kaufkraft verzeichnet die IHK-Auswertung in Kuhardt, Schwegenheim und Vollmersweiler. Das verfügbare Einkommen liegt hier über zwölf Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Auch in Minfeld, Leimersheim, Neupotz, Rheinzabern, Steinweiler und Jockgrim können die Einwohner zwischen acht und zehn Prozent mehr ausgeben als der Durchschnitt im Bundesgebiet. Insgesamt liegen 28 der 31 ausgewiesenen Gemeinden im Landkreis über dem deutschlandweiten Mittelwert. Auch in den Städten Kandel und Hagenbach (jeweils plus vier Prozent) und in Wörth (plus drei Prozent) profitieren die Menschen von mehr Geld für den Konsum. Etwas geringer sind die verfügbaren Einkommen in Erlenbach, Lustadt und der Stadt Germersheim. Während die Dörfer mit 98 beziehungsweise 96 Prozent der durchschnittlichen bundesweiten Kaufkraft noch sehr nahe kommen, haben die Menschen in Germersheim durchschnittlich pro Kopf nur etwa 6150 Euro zur Verfügung und damit knapp 18 Prozent weniger als der durchschnittliche Bundesbürger.
Geld fließt auch ab
Jeder dritte Euro aus dem Landkreis Germersheim fließt in andere Regionen ab. Dies ergibt sich zumindest aus der sogenannten Kaufkraftbindungsquote, die die lokale Bindung der verfügbaren Einkommen misst und aus der sich ableiten lässt, ob die in einer Region vorhandene Kaufkraft vor Ort genutzt wird oder in andere Regionen abfließt. Für den Landkreis Germersheim wird dieser Wert mit 66 Prozent angegeben. Insgesamt setzt der Einzelhandel innerhalb der Kreisgrenzen demnach 2023 etwa 650 Millionen Euro um.
Größere Städte bevorzugt
Unter den pfälzischen Landkreisen kann nur der Rhein-Pfalz-Kreis mehr Geld im eigenen Landkreis halten. Zum Vergleich: in der Südlichen Weinstraße wird nur etwas über die Hälfte des Einkommens in den Geschäften und für Leistungen vor Ort ausgegeben. Zum Einkaufen zieht es die Menschen zumeist in die größeren Städte. So wird in Landau 21 Prozent mehr Geld ausgegeben, als es die eigene Kaufkraft der Einwohner hergeben würde. Unter den pfälzischen Stadtkreisen belegt Landau in dieser Kategorie damit Platz vier hinter Zweibrücken, Kaiserslautern und Pirmasens.
Beim Einzelhandelsumsatz pro Kopf lässt Landau Pirmasens dagegen hinter sich und steht im Pfalz-Vergleich auf dem dritten Platz. Jedoch können nicht alle pfälzischen Städte zusätzliche Kaufkraft anziehen. In Frankental werden bei den Einzelhandelsumsätzen nur 83 Prozent der lokalen Kaufkraft erreicht. Auch Ludwigshafen (86 Prozent) und Neustadt an der Weinstraße (97 Prozent) müssen in diesem Jahr einen Abfluss ihrer Kaufkraft hinnehmen.