Kreis Germersheim Kommentar: Radschnellweg ohne Wert

Ein Radweg über die geplante zweite Rheinbrücke wäre wichtiger
als ein Nord-Süd-Radschnellweg im Kreis.
Ein Radschnellweg zwischen Wörth und Germersheim, dessen Machbarkeit derzeit untersucht wird, dürfte kaum mehr Autofahrer auf das Fahrrad steigen lassen. Auch wenn er nicht so heißt, gibt es ihn nämlich schon: Am Rhein entlang, asphaltiert, große Kurvenradien und kaum Konflikte mit dem Autoverkehr – genau so sollen Radschnellwege aussehen. Wo könnte denn ein Schnellweg das Radfahren wesentlich schneller machen? Entlang der Achse mit den größeren Gemeinden Rülzheim-Rheinzabern-Jockgrim-Wörth kann man auf recht gerader Linie auf Radwegen entlang der L 540 fahren. Mit dem Rad schneller durch die Orte? Das wird knifflig: Stillgelegte Bahnstrecken, wie sie im Ruhrgebiet für Radschnellwege genutzt werden, gibt es nicht, auch sonst sind mögliche Trassen in den Orten rar. Und Fahrrad-Ortsumgehungen ergeben nur dann einen Sinn, wenn der Umweg gering ist. Entlang der B 9? Die Strecke ist heute kaum kürzer als über das bestehende Radwegenetz – und zumindest an den B-9-Anschlussstellen müsste ein Radschnellweg von der „Ideallinie“ abweichen und würde dadurch länger. Und Radfahrer müssten erst einmal zum Schnellweg hinkommen, sodass nur im Endausbau echte Vorteile entstehen. Wer das alles bezahlt, steht sowieso auf einem anderen Blatt. Statt auf den St. Nimmerleinstag zu warten, sollte man eher kleinere Maßnahmen wie Lückenschlüsse, mehr Sicherheit an Kreuzungen und gute Abstellmöglichkeiten umsetzen. Eine Maßnahme mit unzweifelhafter Wirkung, die Politiker sogar noch als Meilenstein verkaufen können, liegt dabei auf der Hand: Ein Radweg über die geplante zweite Rheinbrücke. Die wird noch immer ohne Radweg geplant, keiner fühlt sich zuständig. Radfahrer zwischen Jockgrim (und nördlich) und Karlsruhe würden mindestens zwei Kilometer Strecke sparen. Bei der Gelegenheit lässt sich auch noch elegant das Problem mit der gesperrten Durchfahrt im Hafen Wörth lösen, da die Brückenzufahrt den Hafen als Hochstraße auf Pfeilern überquert.
