Kreis Germersheim Mehr Radfahrer – vor allem in Städten

Ein Radfahrer fährt im Gegenlicht am Rhein entlang.
Ein Radfahrer fährt im Gegenlicht am Rhein entlang.

«Karlsruhe.» Das Institut für Verkehrswesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) betreut das Deutsche Mobilitätspanel (MOP). Mittels dieser Erhebung im Auftrag des Bundesverkehrsministers wird seit 20 Jahren die Alltagsmobilität in Deutschland erfasst. Demnach wurden im Zeitraum 2011 bis 2015 13 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad unternommen. Von den insgesamt gefahrenen Kilometern im Alltag wurden vier Prozent mit dem Rad zurückgelegt. Allerdings werde das Fahrrad vor allem in Räumen mit hoher Siedlungsdichte genutzt, auch die Zuwächse im Radverkehr seien vor allem in größeren Städten zu beobachten, so Dr. Bastian Chlond. Er forscht am Institut für Verkehrswesen am KIT. Insgesamt fahren demnach heute mehr Menschen im Alltag Fahrrad als etwa noch vor zehn Jahren, und diese nutzen dann das Fahrrad sogar intensiver: Das Fahrrad hat sich mittlerweile bei vielen zum Hauptverkehrsmittel im Alltag entwickelt, wie die Karlsruher Verkehrsforscher aus Daten über einen Zeitraum von 20 Jahren ermittelt haben. In den Jahren 2011 bis 2015 radelten rund 37 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal pro Woche. Nur sechs Prozent nutzen das Fahrrad als einziges Verkehrsmittel – jeweils abgesehen von Wegen zu Fuß oder als Mitfahrer im Auto. Diese Gruppe besteht laut Chlond vor allem aus jungen Erwachsenen in Städten. Viel häufiger nutzten die Menschen neben dem Fahrrad auch andere Verkehrsmittel, je nach Ziel und Zweck (sogenanntes multimodales Verkehrsverhalten): Am häufigsten den Pkw (mehr als 15 Prozent der Bevölkerung), Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV, rund acht Prozent) sowie ÖPNV und Pkw (rund fünf Prozent). Dagegen waren mehr als 35 Prozent der Bevölkerung – abgesehen von Fußwegen – ausschließlich mit dem Auto unterwegs. Deutschlandweit wurde das Fahrrad typischerweise auf Distanzen zwischen drei und sieben Kilometern eingesetzt. In Gemeinden unter 20.000 Einwohnern sind laut den MOP-Daten die typischen Strecken mit dem Fahrrad allerdings wesentlich kürzer und auch der Anteil der Wege mit dem Fahrrad an allen Wegen geringer: Dort spielt das Auto eine dominierende Rolle für alle Entfernungen über zwei Kilometer, stellten die Karlsruher Forscher anhand der Daten fest. Der Grund, so Chlond: Das Fahrrad sei vor allem in großen Städten gegenüber dem Auto oder dem ÖPNV konkurrenzfähig, weil dort Autos langsamer vorankommen und Zeit für Parkplatzsuche und Fußwege von oder zum Ziel hinzukommen. Dagegen seien Autos in der Region wesentlich schneller unterwegs. Weil die Arbeitswege länger als in der Stadt sind, wachse damit oft der Zeitvorteil des Autos gegenüber dem Fahrrad stark an. Außerdem hänge die Nutzung des Fahrrades im Alltag stark von kurzfristigen Randbedingungen ab: Etwa von der Witterung, der Infrastruktur oder dem technischen Fortschritt auch bei den Rädern – Stichwort: E-Bikes oder Pedelecs. Hieraus folgern die Forscher, dass durch Radwege, Beleuchtung, Radschnellwege oder sichere Abstellanlagen mehr Menschen aufs Rad gelockt werden können. Dabei seien Radschnellwege einer der Bausteine, weil sie den Radverkehr schneller und damit konkurrenzfähiger machen könnten. Vor allem müsste die große Bevölkerungsgruppe erreicht werden, die bisher nur das Auto nutzt („Monomodale“). Die größte Chance hierfür bestehe bei den Berufspendlern. INFO Berichte und Auswertungen sind im Internet unter https://mobilitaetspanel.ifv.kit.edu/Downloads.php verfügbar. Serieninfo Teile der Serie „Mit dem Rad zur Arbeit“ erschienen am 28. Dezember (Teil 1), 31. Dezember 2018 (Teil 2), 5. Januar 2019 (Teil 3), 10. Januar (Teil 4), 15. Januar (Teil 5), 17. Januar (Teil 6), 23. Januar (Teil 7), 28. Januar (Teil 8), am 31. Januar (Teil 9) und am 6. Februar (Teil 10).

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