Kreis Germersheim Kommentar: Leiharbeit abschaffen

Daimler ist ein Weltkonzern, der Rekordgewinne schreibt. Aber er geht
dennoch mit dem Instrument Leiharbeit nicht verantwortungsvoll um.
Der Betriebsrat im Wörther Lastwagenwerk hat seine Werkzeuge ausgepackt: Er will der Einstellung von Schülern und Studenten nicht zustimmen, wenn vorher zum Teil langjährig beschäftigte Leiharbeiter auf die Straße gesetzt werden. Die Reaktion der Werkleitung: statt bis Ende Juni werden die Ende Februar auslaufenden Verträge der Leiharbeiter nur bis Ende März verlängert. Dieses Pokerspiel wird nicht nur auf dem Rücken der Leiharbeiter ausgetragen. Die Stammbelegschaft fürchtet um ihre Urlaubsplanung, weil der Konzern erklärt, er wolle die urlaubsbedingten Ausfälle nur mit Schülern und Studenten ausgleichen. Das Geheimnis, warum das nicht auch mit Leiharbeitern geht, ist schnell gelüftet: Ferienarbeiter sind billiger. Auch das ist eine Einsparung auf dem Rücken der Stammbelegschaft: Sie muss die vielen Ferienarbeiter anlernen. Die Leiharbeiter dagegen kennen das Werk. Hinzu kommen Berichte, nach denen einige Abteilungen den Wegfall der 350 Leiharbeiter zum Jahresende bis heute nicht verkraftet haben. Und die neuen Kräfte, die mit dem „Make or Buy“-Programm ins Werk kamen, tun sich offenbar schwerer als erhofft. Unter dem Strich bedeutet dies: mehr Arbeit für die Stammbelegschaft. Davon, dass mit der Leiharbeit Auftragsschwankungen aufgefangen werden, kann kaum die Rede sein. Hinzu kommt, dass die Leiharbeiter als Verschiebemasse erscheinen, mit der die Belegschaft unter Druck gesetzt wird. Das sorgt für viel Unruhe und Sorgen bei den Stammarbeitern. Ganz davon zu schweigen, wie es den Leiharbeitern dabei geht. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Instrument Leiharbeit sieht anders aus. Und das Lkw-Werk Wörth ist keine kleine Klitsche. Sondern die größte Lkw-Fabrik der Welt, im Besitz eines Weltkonzerns, der Rekordgewinne schreibt. Wenn es nicht einmal dort klappt, dann gehört die Leiharbeit in dieser Form abgeschafft.