Kreis Germersheim Kommentar: Gräben überwinden

In Wörth stehen Wohncontainer leer, wenige Kilometer weiter sucht
die Verbandsgemeinde Kandel immer noch nach Unterkünften.
Da reibt der Laie sich verwundert die Augen: In Wörth stehen nigelnagelneue Wohncontainer mit Platz für 48 Flüchtlinge leer. 1 Million Euro in den Wind geschossen. Und wenige Kilometer weiter sucht die Verbandsgemeinde Kandel immer noch schier verzweifelt nach Unterkünften. Was verhindert eigentlich in diesem Fall, dass Angebot und Nachfrage zusammenkommen? Egal, was auch immer das ist: Vernünftig können die Gründe nicht sein. Nicht ohne Grund haben die Raumplaner Kandel und Wörth als gemeinsames Mittelzentrum eingestuft: Natürlich kann jeder auch ohne den anderen, aber zusammen könnten sie deutlich stärker sein. Wie stark die Menschen in der Region sein können, wenn sie zusammenarbeiten, zeigt die Entwicklung im Bereich der Flüchtlingshilfe. Im Jahr 2016 kamen bisher fast genauso viele Flüchtlinge in den Kreis wie 2015. Das heißt: Die Aufgaben und Probleme der Integration sind genauso großer wie vor einem Jahr. Aber die Aufregung hat sich gelegt, Ruhe und Vernunft haben – zumindest vorübergehend – die Oberhand gewonnen. Vielleicht ermutigt das ja Kandeler und Wörther Kommunalpolitiker, es auch mal mit der Integration ihrer Nachbarn zu versuchen.