Kreis Germersheim Kommentar: Die Ruhe ist vorbei

Das war’s dann: Lange Zeit segelte der Kreis Germersheim im Windschatten der Ballungsräume. Die abgehängte Lage brachte die letzten Jahrzehnte vor allem Vorteile: Alles was Dreck und Lärm machte, spielte sich für die meisten Menschen in einiger Entfernung ab, wenn man nicht gerade in Wörth wohnte. Attraktive Arbeitsplätze waren trotzdem gut erreichbar und es wurden immer mehr. Deshalb platzt mittlerweile die Infrastruktur zwischen Mannheim und Karlsruhe aus den Nähten. Straßen und Schienen sind permanent überlastet. Auch die Südpfälzer – nicht nur die Pendler – tragen ihren Teil dazu bei. Denn viele Südpfälzer werden über diese Wege mit vielem beliefert, das sie zum Leben und Arbeiten brauchen. Proteste gegen Güterzüge werden vor diesem Hintergrund in Berlin wohl nur wenig Eindruck machen. Wer genau wissen will, wie wenig das Schicksal von ganzen Gemeinden zählen kann, wenn es um Verkehrswege geht, kann sich im Umfeld des Frankfurter Flughafens umhören. Die Anwohner an der Bahnlinie sollten sich trotzdem für eine Auseinandersetzung rüsten. Denn der Lärmschutz ist nicht so selbstverständlich, wie manche vielleicht hoffen. Experten bezweifeln, dass zusätzliche Signale als wesentliche Änderung gelten, aus denen ein Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen abzuleiten wäre. Hier wird also möglicherweise eine politische Entscheidung herbeigeführt werden müssen. Was die Sache nicht einfacher macht: Die Entscheider sitzen in Berlin.