Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Kofferversteigerung für Flutopfer

Auktionator Klaus Zahneißen (li.) übergibt einen der ersteigerten Koffer an Guido Pausch vom Gewerbeverband.
Auktionator Klaus Zahneißen (li.) übergibt einen der ersteigerten Koffer an Guido Pausch vom Gewerbeverband.

Die Heimatshoppen-Aktionstage in Kandel öffnen zunächst verhalten mit dem Finale eines ganz besonderen „Ich-packe-meinen-Koffer“-Spiels. Koffer mit unbekanntem Inhalt konnten ersteigert werden. Der Erlös wird an die Flutopfer im Ahrtal gespendet. Die ersteigerte Summe für die neun Koffer ist dabei erstaunlich.

Eigentlich hatte der Verein für Handel und Gewerbe Kandel (VHG) das Hygienekonzept auf 200 Besucher ausgelegt. Versteigerung unter freiem Himmel mit Maske und Abstandsmarkierungen fürs Publikum. Da war nicht mehr Kontaktgefahr als sonst auf Gehsteig oder im Geschäft. Aber trotzdem kamen nur sehr wenige Besucher am Freitag zur Kofferversteigerung in die Bärenhofpassage.

„Ich tu so, als wären 199 da“, krakeelte Auktionator des Abends, Klaus Zahneißen, von der Dachterrasse auf die wenigen Leute herunter. Die kichern. Nicht zuletzt über sich selbst, worauf sie sich hier wohl einlassen. „Mein kleines Problem ist allerdings, wie wir neun Koffer unter fünf Besuchern versteigern wollen“, bringt es Zahneißen auf den Punkt: „Die anderen, die ich hier so sehe, sind ja alle Beteiligte dieser Veranstaltung.“ Aus dem Kichern wird lautes Lachen. Das kleine Problem ist dann aber schnell gelöst: Auch Beteiligte dürfen mitbieten, heißt es, und sichtlich steigt die Spannung in den erwartungsfrohen Gesichtern. Ausgestattet mit Mikrofon und einem großen Holzhammer erklärt Klaus Zahneißen, von Beruf Grafiker und in der Lebenspraxis erfahrener Karnevalist und Büttenredner, den Hintergrund dieser kuriosen Kofferaktion.

Idee sollte Einzelhandel unterstützen

Im Mai hatten sich VHG-Geschäftsleute zehn alte, ausgediente Reisekoffer geschnappt und je eine gespendete Sache hineingepackt. Die Koffer wurden unter Kandeler Menschen verteilt mit der Bitte, in den Koffer ebenfalls eine Sache hineinzutun beziehungsweise eine auszutauschen. Dann sollte der Koffer an eine andere Person weitergereicht werden. Auf diese Weise füllten sich die Koffer mit allerlei Zeugs, Krimskrams oder Schätzen – wer weiß!?

Die Idee hinter der Kofferaktion war, dass Leute trotz Corona-Lockdown etwas miteinander machen, ohne dabei direkten Kontakt zu haben. Zudem erhielten die durch Corona und Online-Shopping stark gebeutelten VHG-Einzelhändler mehr Aufmerksamkeit. Wer mitmachte und seinen Namen hinterließ, nahm an Verlosungen von 50-Euro-Einkaufsgutscheinen teil. Ganz im Sinne der Heimatshoppen-Aktionstage am vergangenen Wochenende sollte so ein bisschen konsumfreudigeres Leben in die Innenstadt kommen. „Von den zehn Koffern sind neun befüllt wieder zurückgegeben worden“, sagt Michaela Stöhr von der VHG-Geschäftsstelle. Lediglich ein Koffer ging verloren.

Als Erstes kommt Koffer Nummer vier zur Versteigerung. Sekunden lang schüchterne Stille. Dann ruft Guido Pausch beherzt „50 Euro“. Er ist VHG-Vorsitzender, geht am Abend, warum auch immer, barfuß und als gutes Vorbild voran. Wieder ein Moment Stille. Dann wird Pausch überboten, der aber prompt „70 Euro“ ruft und – zum Ersten, Zweiten, Dritten – den Zuschlag bekommt. Er hat wie alle keine Ahnung, was in dem Koffer drin ist. Er hofft aus Jux auf Schuhe. Alle lachen. Inzwischen – es regnet nicht – haben sich die Besucher mindestens vervierfacht und bieten in Zehnerschritten, Koffer für Koffer. Zahneißen moderiert mal wie der Hamburger Fischverkäufer, mal wie der Schausteller vom Maimarkt, und er zieht die Lose für die Einkaufsgutscheine. Allerdings ist keiner der Gewinner vor Ort. Zahneißens Ratschlag: Amtsblatt lesen, wo die Namen veröffentlicht werden. „Und wenn Ihr wen kennt, sagt es denen, dass sie gewonnen haben.“

Schließlich bringen alle versteigerten Koffer die Summe von 645 Euro zusammen. Und als Michaela Stöhr am Ende das Geld einsammelt, runden viele großzügig auf. Der Erlös wird auf das Spendenkonto zur Hochwasserkatastrophe im Ahrtal überwiesen. In Pauschs Koffer finden sich am Schluss ein Fahrradschlauch, eine Trinkflasche, ein Buch über Fitness-Walking, Topflappen und vieles mehr. Schuhe allerdings nicht. Für die muss er wohl nochmal richtig shoppen gehen.

Zum Ersten, zum Zweiten und zum ... Auktionator Klaus Zahneißen in Aktion.
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Die erfolgreichen Steigerer waren gespannt zu erfahren, was in den Koffern ist.
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