Kandel / Germersheim
Klinikseelsorgerin geht in Ruhestand: Bistum streicht Stelle
25 Jahre lang war Daniela Fritz Klinikseelsorgerin – ab 2001 in der Asklepiosklinik Kandel auf einer halben Stelle, 2011 kam eine weitere halbe Stelle in der Germersheimer Klinik dazu. Die ausgebildete Gemeindereferentin stammt aus Berg und war zunächst in Lambrecht tätig. Nach der Elternzeit mit ihren drei Kindern arbeitete sie in Scheibenhardt, absolvierte dann die pastoralpsychologische Ausbildung für Klinikseelsorge. „Es war schon eine schöne Zeit“, sagt Fritz. Dabei habe es auch „Leid, Wut, Unverständnis“, gegeben, „alles, was bei der Begleitung Erkrankter und Sterbender dazugehört.“
Zwar ist Fritz katholisch, war aber stets für alle Glaubensgemeinschaften da, sowie auch für alle Bediensteten oder Angehörigen. „Auch Pflegende brauchen mal eine Aussprache oder ein Wort“, gibt sie zu Bedenken. Und bei der Begleitung habe es nicht immer das religiöse Element gebraucht.
Im Leben und Sterben begleitet
Im Rückblick kann sich Fritz an viele berührende Momente erinnern. Zum Beispiel an eine an Krebs erkrankte Frau, die sagte „Ich habe mir gesagt, nicht, warum ich, sondern warum nicht ich“. Oder eine andere Krebspatientin, die „schon relativ weit war“ und nicht so viel Besuch hatte. Diese hatte ihr erzählt, dass sie gerne Capri-Eis gegessen hatte. „Ich auch“, habe sie entgegnet, dann habe man gemeinsam Eis geschlemmt. Dabei habe die Patienten unvergessliche Worte geäußert, sagt Fritz mit einem Schmunzeln. Diese lauteten: „Das ist, wie wenn einem ein Engel auf die Seele pieselt“. In Kandel hat sie einmal einen Australier betreut, da lief die Kommunikation auf Englisch.
Natürlich hat sie Sterbende begleitet, aber sie durfte auch den Sterbesegen verabreichen. „Das ist ein schönes Ritual“, sagt sie. Zumal sie die Patienten meist besser gekannt habe, als dies bei einem Priester der Fall gewesen wäre, der nur dafür in die Klinik komme.
Kapelle wird anders genutzt
Doch über die Jahre haben sich viele Begleitumstände geändert. Nach wie vor gebe es eine Nachfrage nach Zeit miteinander, einen Bedarf an Zuwendung und Gesprächen, sagt sie. Aber schon alleine die räumliche Situation ist eine andere geworden. Die Kapelle in der Kandeler Klinik ist wegen der Bauarbeiten geschlossen. Und die Kapelle in der Germersheimer Klinik wird seit der Pandemie von der Abteilung für Psychosomatik für Kurse genutzt. Zwar wurden die Angebote für Gottesdienste oder Andachten auch nicht mehr nachgefragt, sagt sie. Allerdings fehle jetzt auch ein Raum für Menschen, die sich zurückziehen wollten.
Der Datenschutz verhinderte zuletzt oft, dass sie zum Beispiel Einblick in Listen erhielt, um mögliche Gesprächspartner zu finden. Schließlich war sie für ihre Arbeit auf Hinweise darauf angewiesen, wer Unterstützung benötigen könnte. Diese kamen zum Beispiel vom Besuchsdienst. Doch in Germersheim gibt es die sogenannten grünen Damen seit der Pandemie nicht mehr, unter anderem aus Altersgründen. Und in Kandel musste, ebenfalls aufgrund der Personalsituation beim ehrenamtlichen Besuchsdienst, die Verteilung der Kommunion am Sonntag eingeschränkt werden.
Es fehlt die Zeit
Noch etwas hat sich drastisch verändert: „Die Zeit, die die Menschen nicht mehr haben“, sagt sie mit Blick auf das System Krankenhaus. Mit den Pflegekräften seien kaum noch Gespräche mögliche, es gebe kaum noch Ruhe. Ihr Empfinden: Im System Krankenhaus ist die Seelsorge inzwischen nicht mehr so wichtig. Das habe man auch an kleinen Gesten gesehen – früher habe es zum Beispiel einmal im Jahr ein Essen gemeinsam mit den Ehrenamtlichen gegeben, doch das sei lange vorbei. „Mein Weggang wird bedauert, aber denen fehlt nichts.“
Mit 63 wollte sie noch nicht in Rente gehen, sagt sie. Doch nun ist sie über 66, „und jetzt ist es gut“. Ihr evangelisches Pendant, der ebenfalls an beiden Kliniken im Einsatz ist, habe noch einige Jahre vor sich. Aber die Stelle der katholischen Klinikseelsorgerin wird von Seiten des Bistums nicht nachbesetzt. Fritz hat dazu eine klare Meinung: „Ich finde das auch von kirchlicher Seite nicht nur schade, sondern unmöglich.“ Schließlich seien gerade die Krankenhäuser ein Ort, an dem man noch etwas bewirken könne. Die Pfarrgemeinden sollen nun die Versorgung der Kliniken mit übernehmen, „aber das funktioniert nicht“, lautet ihre Einschätzung.
Bistum kann nicht nachbesetzen
Das Bistum verweist auf Anfrage der RHEINPFALZ darauf, dass die Anzahl der Pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr stark rückläufig sei. „Bis 2035 wird sich im Bistum Speyer die aktuelle Zahl voraussichtlich halbieren“, deshalb könnten freiwerdende Stellen kaum wieder besetzt werden. Derzeit gibt es im Bistum noch 24 Pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Krankenhausseelsorge mit einem Stellenumfang von insgesamt 17 Vollzeitstellen. „Standorte sind beispielsweise Ludwigshafen, Speyer, Kaiserslautern, Homburg, Pirmasens, Klingenmünster oder Bad Bergzabern.“ Dabei sei die Krankenhausseelsorge weiterhin sehr gefragt, lautet die Einschätzung des Bistums. „Es besteht ein deutlicher Bedarf an existenzieller, psychosozialer und ethischer Begleitung im Klinikalltag“, Hintergrund seien unter anderem komplexe Krankheitsverläufe und steigende psychosoziale Belastungen.
In der Diözese Speyer sollen im Zuge der Strukturreform aus 70 Pfarreien neun gebildet werden. „In den neuen Pfarreien sollen dann Schwerpunktteams gebildet werden, die sich bestimmten Themen widmen – das könnte auch Krankenhausseelsorge und Krankenseelsorge sein“, heißt es in der Antwort des Bistums. Allerdings steht auch fest: „Krankenhausseelsorge wird in der bisherigen Form eher nur noch exemplarisch an einzelnen Krankenhäusern möglich sein.“