Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Kliniken während Corona: Ein Restrisiko bleibt

Die Kliniken haben ihre Schutzvorkehrungen hochgefahren. Eine Infektion mit dem Coronavirus können sie dennoch nicht immer verhi
Die Kliniken haben ihre Schutzvorkehrungen hochgefahren. Eine Infektion mit dem Coronavirus können sie dennoch nicht immer verhindern.

Allen Schutzvorkehrungen zum Trotz: Auch Menschen, die mit Herzproblemen in eine Klinik eingewiesen werden, können dort später im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung sterben. Darauf weist eine Leserin hin. Die Südpfalzkliniken bestätigen die Todesfälle.

Frau Müller* (Name der Redaktion bekannt) ist seit Ende Februar 2021 Witwe. Ihr Mann war drei Wochen zuvor mit Herzproblemen in die Kandeler Klinik eingeliefert worden. Das Einsetzen eines Herzschrittmachers hatte er zwar gut überstanden. Allerdings war bei ihm – nach einem ersten, negativen Test bei der Aufnahme in die Klinik – später eine Infektion mit dem Coronavirus diagnostiziert worden. Diese Erkrankung hat er nicht überlebt. Seine 81-Jährige Frau meldet sich als Reaktion auf den Artikel „Das Krankenhaus ist sicher“ bei der RHEINPFALZ. In einer Online-Patientenveranstaltung hatten Ärzte der Asklepios-Klinik dafür geworben, dass die Krankenhäuser auch in Zeiten der Corona-Pandemie sicher seien. Sie sei traurig, sagt die Witwe am Telefon.

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Sascha Tietz (ganz rechts) und ein Teil seines Teams der Intensivstation.
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Ihr verstorbener Mann hätte am 3. März seinen 85. Geburtstag feiern können. „Er war relativ fit, ist täglich Fahrrad gefahren“, erzählt sie. Doch sie sah ihn erst wieder, als sie sich mit der gemeinsamen Tochter kurz vor seinem Tod von ihm verabschieden durfte.

Sie berichtet von zwei weiteren Männern, die sich ebenfalls auf der Station angesteckt haben sollen und später an der Infektion verstorben sind. Einer der beiden habe mehrere Wochen im Koma gelegen. Auf Wunsch der Familie sei er nach Hause verlegt worden und dann dort verstorben.

Auch ohne Symptome ansteckend

Die Klinik bestätigt auf Anfrage der RHEINPFALZ, dass es Anfang/Mitte Februar im Krankenhaus mehrere positiv getestete Patienten gab, von denen zwei noch im Laufe des Monats in der Klinik verstorben sind. Ein weiterer sei zu Hause verstorben.

Alle Betroffenen seien vor, beziehungsweise bei der Aufnahme negativ auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet worden, schreibt der Geschäftsführer der Südpfalzkliniken, Frank Lambert. „Das ist sehr wichtig.“

Die Darstellung, dass sich einer der verstorbener Patienten bei einem Mitpatienten infiziert haben soll, sei „so nicht nachvollziehbar oder rekonstruierbar“. Die Inkubationszeit könne bis zu 14 Tage umfassen und in wenigen Fällen auch dazu führen, „dass ein Patient – oder auch ein Mitarbeiter der Klinik – trotz fehlender Symptomatik und eines negativen Covid-Tests nach einigen Tagen einen anderen Menschen anstecken kann“, so Lambert. „Dieses leider nie ganz auszuschließende ,Restrisiko’ haben alle Pflegeheime, alle Kliniken in der Welt, trotz massiv hochgefahrener Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen.“

Station wurde zeitweise geräumt

Die Station sei in Absprache mit dem Gesundheitsamt für zwei Tage komplett geräumt, für Neuaufnahmen geschlossen und grundgereinigt worden. Alle verbliebenen Patienten der Abteilung, die vorher aufgenommen worden waren, seien in Isolierzimmer, beziehungsweise eine der beiden Covid-19-Stationen verlegt worden. „Die anderen wurden sukzessive und regulär entlassen.“ Am 17. Februar 2021 wurde die Station in Absprache für Neuzugänge wieder geöffnet.

Vermutlich werde sich nie mit Sicherheit klären lassen, wie es den Infektionen gekommen sei, so Lambert. Die Klinik bedauere, dass es zu den tragischen Krankheitsverläufen gekommen sei.

Der Geschäftsführer verweist auch darauf, dass alle verstorbenen Patienten hochbetagt waren, an Vorerkrankungen litten und per Patientenverfügung therapeutische Maßnahmen untersagt hatten, die für eine Genesung schwerstkranker Covid-Patienten notwendig gewesen wären.

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