Kreis Germersheim
Kliniken an der Belastungsgrenze
Insgesamt 16 Patienten werden derzeit auf den beiden Intensivstationen im Landkreis behandelt. Damit seien die Kapazitäten erschöpft, sagt Geschäftsführer Frank Lambert im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Dabei könnten die Südpfalzkliniken mit den Standorten in Kandel und Germersheim laut einem Plan aus der ersten Welle der Corona-Pandemie noch aufstocken: Zu den sechs regulären Intensivbetten in der Kandeler Klinik kamen im Frühjahr 10 Betten der Intermediate Care (IMC) dazu, dort werden sonst zum Beispiel Schlaganfallpatienten überwacht. In Germersheim liegen die fünf Betten der Intensivstation und die sieben Betten der IMC sowieso räumlich zusammen. Im März wurden zusätzliche Beatmungsplätze beim Gesundheitsministerium beantragt.
Die Kliniken könnten auf 29 Beatmungsplätze aufstocken. Doch dazu müsste zum Beispiel Personal aus anderen Abteilungen abzogen und planbare Operationen verschoben werden. Das war im Frühjahr auch dank des ersten Rettungsschirms für Krankenhäuser möglich. Diese erhielten unter anderem eine Pauschale für Betten, die für Covid-19-Patienten freigehalten wurden. Am 30. September endete jedoch das Programm.
Südpfalzkliniken zunächst falsch eingestuft
Um unter den neuen Schirm zu kommen, müssen Kliniken laut dem 3. Bevölkerungsschutzgesetz Vorgaben erfüllen. So muss die Inzidenz von 70 in der Region überschritten, die Intensivkapazitäten müssen ausgeschöpft sein. Und die Krankenhäuser müssen in die Notfallstufe 2 oder 3 eingestuft werden. Eine entsprechende Liste haben die Krankenkassen an das Landesgesundheitsamt in Mainz geschickt. Darauf seien die Kliniken in Germersheim und Kandel jedoch falsch eingeordnet gewesen, sagt der Geschäftsführer. „Wir waren als kein Bestandteil der Notfallversorgung eingestuft“, erläutert Lambert kopfschüttelnd: „Da ist offensichtlich was falsch.“ Nun habe man um Stufe 1 für Germersheim und Stufe 2 für Kandel gebeten. Lambert hofft, bald Rückmeldung aus Mainz zu bekommen.
„Im Moment tragen wir das wirtschaftliche Risiko, wenn wir Operationen absagen,“ so Lambert. Das sei in den vergangenen zwei Wochen schon geschehen, vor allem bei planbaren OPs im Bereich der ästhetischen Chirurgie und der Wirbelsäule. „Wir arbeiten bereits über die Grenze der Belastung hinaus“, sagt er mit Blick auf die Personalsituation.
Betrieb läuft dank „Arbeitsquarantäne“
Krankheitsbedingte Ausfälle seien angesichts des Fachkräftemangels zu allen Zeiten schwer zu kompensieren. Doch nun kämen während der Pandemie noch die Quarantäneverordnungen hinzu, so Lambert. Derzeit fallen deshalb 8 Mitarbeiter aus. Bisher habe man im „guten Miteinander“ mit dem Gesundheitsamt aber „stets Lösungen gefunden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagt er. Das Zauberwort hier heißt „Arbeitsquarantäne“: Mitarbeiter von sogenannten kritischen Infrastrukturen dürfen sich auch während der Quarantäne von Zuhause zur Arbeit bewegen. Hintergrund ist, dass man davon ausgeht, dass sie sich wegen der Schutzvorkehrungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht infiziert haben, auch wenn sie als Kontaktpersonen gelten.
Allerdings wartet hier die nächste Hürde: Die Untergrenzen bei der Personalbelegungen wurden während der ersten Welle zeitweise ausgesetzt. Nun sind sie wieder in Kraft und sollen ab Februar 2021 sogar verschärft werden. Ist dann nicht ausreichend Personal im Einsatz, müssen die Kliniken Vergütungsabschläge in Kauf nehmen. „Ich kann nur dringend an die Politik appellieren, den Kliniken in dieser schweren Situation zu helfen und die Pflegepersonaluntergrenzen auszusetzen“, sagt Lambert.
Offensichtlich ist man zuversichtlich, bald unter den Schirm zu kommen: Anders als zum Beispiel in einer Klinik in Speyer bleiben die Notaufnahmen in Kandel und Germersheim weiter geöffnet. Bei der Rettungsleitstelle sind die Intensivstationen nicht „abgemeldet“, sie können also weiter von Rettungswagen angefahren werden.
Auch die Teststrategie trägt dazu bei, dass noch keine Abteilungen geschlossen werden mussten: Alle Patienten, alle ambulanten Fälle und alle Mitarbeiter in sensiblen Bereichen werden getestet. Dabei stehen laut Lambert derzeit auch ausreichend Schnelltests zur Verfügung.