Kreis Germersheim Klinik ermöglicht Ärzten freie Tage

Placeholder-Image

Ausgerechnet an Christi Himmelfahrt verspürte ein Senior aus dem südlichen Landkreis Germersheim gesundheitliche Beschwerden. Am Tag darauf wollte er seinen Arzt aufsuchen. Fehlanzeige: Ein Zettel an der Tür informierte, dass der Arzt an dem betreffenden Freitag geschlossen habe. Die Patienten sollten sich an die Bereitschaftsdienstzentrale der Asklepios-Klinik Kandel wenden. Dort musste er jedoch nach über einer Stunde gemeinsam mit etwa 20 anderen Wartenden feststellen, dass die zuständige Ärztin zum Dienst nicht erschienen war. Deshalb wurden sie nach Germersheim geschickt, berichtet die Ehefrau des Patienten empört. „Das war leider so. Da ging etwas schief“, bestätigt der Geschäftsführer der Südpfalz Asklepios-Kliniken, Jürgen Schopf. Die Ärztin habe offensichtlich Dienste verwechselt und sei dann zu einer anderen Uhrzeit gekommen. Allerdings hätten die wartenden Patienten eine Ansprechpartnerin gehabt: Eine Arzthelferin habe sie informiert, dass sie sich an die Bereitschaftsdienstzentrale Germersheim wenden könnten. In dringenden Fällen wären auch die Notfallambulanzen in den Abteilungen der Klinik bereit gewesen. Bemerkenswert ist in diesem Fall jedoch nicht, dass eine Ärztin zu spät kam. Sondern dass die Kandeler Klinik diesen Dienst überhaupt anbietet. Rückblick: Mitte 2012 hatten Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), das Angebot der Bereitschaftsdienstzentrale in Kandel drastisch zu reduzieren, den Südkreis aufgewühlt. Die Kandeler Zentrale sollte nur noch samstags und sonntags von 9 bis 14 Uhr besetzt sein. Allerdings war sie mit etwa 8000 Kranken pro Jahr stets gut besucht. Deshalb hatten nicht nur die Ärzte – die diesen Dienst finanzieren – sondern auch die Gemeinden im südlichen Kreis Germersheim gegen die Pläne protestiert. Mit Erfolg: Ende Januar 2013 gab es eine Einigung. Seitdem ist die Bereitschaftsdienstzentrale der Ärzte Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Nachts und werktags übernimmt die Südpfalzklinik den Bereitschaftsdienst im Zuge eines Kooperationsvertrages mit der KV. Doch dieser deckt sogenannte Brückentage, wie den Freitag zwischen Christi Himmelfahrt und dem Wochenende, ausdrücklich nicht ab. „Wir können und dürfen das mit der Kassenärztlichen Vereinigung nicht abrechnen“, sagt Schopf. „Wir tragen das eigenständig.“ Immer wieder standen an den Brückentagen Patienten vor der Kliniktür. Um zu verhindern, dass die Notfallambulanzen in den Abteilungen überlastet werden, habe die Asklepios-Klinik Kandel zusätzlich einen eigenen Dienst geschaffen. Damit sei immer ein Arzt vor Ort, der differenzieren könne, ob ein Patient ambulant oder stationär behandelt werden muss. Das sei den Ärzten im Kreis bekannt. Aber warum gibt eine Klinik zusätzlich Geld aus und riskiert einen Konflikt mit der kassenärztlichen Vereinigung? Natürlich, damit die Patienten stets gut versorgt sind. Aber Schopf formuliert noch andere Gründe: „Weil wir gerne ein gutes Verhältnis zu den niedergelassenen Ärzten pflegen.“ Man erhoffe sich davon, dass auch ansonsten die Zusammenarbeit mit der Klinik positiv gesehen wird. „Wir wollen schon einen guten Ruf“, sagt Schopf. Kein Wunder: schließlich empfehlen die Ärzte ihren Patienten auch eine Klinik. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) gibt ihren Mitgliedern für Vertretungen und freie Tage klare Regeln vor: „Ärzte haben die Verpflichtung, 20 Stunden pro Woche Sprechstunden abzuhalten. Diese müssen zu festen Uhrzeiten stattfinden und auf einem Schild angegeben sein“, sagt Pressesprecher Rainer Saurwein. Außerhalb dieser Zeiten muss ein Vertreter genannt sein oder auf die Bereitschaftsdienstzentrale – so diese geöffnet ist – verwiesen werden. Der vertretende Arzt sei „in geeigneter Weise bekanntzumachen“. Ein Zettel an der Tür oder ein Hinweis auf dem Anrufbeantworter reichen aus. Ist ein Arzt länger als eine Woche im Urlaub, dann muss er die KV informieren und die Vertretungsärzte benennen. Für Saurwein ist es selbstverständlich, dass die Bereitschaftsdienstzentralen an Brückentagen nicht zuständig sind: „Die meisten Ärzte haben dann ja auf.“ Einen Bereitschaftsdienstzentrale würde deshalb „ja den Ärzten selbst Konkurrenz machen“.

x