Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Klimaschutz beginnt auf dem Schulweg

Klare Aussage beim Theaterstück der Carl-Benz-Gesamtschule Wörth.
Klare Aussage beim Theaterstück der Carl-Benz-Gesamtschule Wörth.

Der Klimawandel bewegt: Rund 800 Schülerinnen und Schüler beteiligen sich an der ersten Schülerklimakonferenz. Mit Theaterstücken, Vorträgen und vielen Informationen wird der Klimawandel greifbar gemacht.

Bühne frei für das Weltklima: Tosender Applaus ertönt in der Festhalle, als die vier Moderatorinnen Lea Schanne, Annika Przygode, Jennifer Mühl und Teresa Rüsenberg die Bühne betreten. Gemeinsam mit dem Kreisbeigeordneten Christoph Buttweiler (CDU) eröffnen sie die erste Schüler-Klimakonferenz in Rheinland-Pfalz. Die rund 800 Besucher in der Halle und die Zuschauer, die über dem Livestream auf Youtube dazugeschalten sind, freuen sich auf das Programm. „Wir wussten schon vor ungefähr sechs Monaten, dass der Gipfel stattfinden wird“, sagt Jennifer. „Vor drei Monaten ging es dann mit den konkreten Vorbereitungen los.“

Von einer Live-Schaltung in die Antarktis bis zu spannenden Beiträgen von Schülern des Landkreises Germersheim ist alles dabei. Gleich nach der Begrüßung soll es einen ersten Höhepunkt geben: Der Videoanruf mit Peter Fröhlich, der sich in der Neumayer-Station in der Antarktis befindet. Die Spannung steigt und nach einer kurzen Wartezeit erscheint sein Bild auf der Leinwand. Doch der Ton will nicht mitspielen und so entscheiden sich die Veranstalter nach mehreren erfolglosen Anläufen, den Programmpunkt ausfallen zu lassen.

Schüler aus dem gesamten Landkreis sind in der Festhalle.
Schüler aus dem gesamten Landkreis sind in der Festhalle.

Mit einem Kurzfilm über die Antarktis findet Fachmann Peter Lemke den Einstieg. In einem kurzen Interview mit den Moderatorinnen berichtet er von seinem Erfahrungen, die er auf Expeditionen in die Antarktis gesammelt hat. Dass Klimawandel nicht immer gerecht ist, darüber sprechen zwei Schülerinnen des Europa-Gymnasiums Wörth, Janne Ries und Amelie Schmidt, in ihrem Vortrag über Klimaungerechtigkeit. Live aus Zürich wird hierzu Filmemacher Matthias von Gunten dazugeschalten. Der Trailer zu seinem Film „ThuleTuvalu“ veranschaulicht an zwei konkreten Beispielen, wie sich der Klimawandel schon jetzt auf das Leben vieler Menschen auswirkt: Während in Thule, Grönland, das Eis immer weiter schmilzt, versinkt die Inselgruppe Tuvalu aufgrund des ansteigenden Wasserspiegels im Pazifischen Ozean. Eindrücklich appelliert der Schweizer an die Vernunft der Menschheit. „Für Tuvalu sehe ich keine Zukunft mehr. Die Inseln werden irgendwann verschwinden und die jungen Menschen wandern ab“, sagt von Guten. Diese Aussage stimmt viele im Saal nachdenklich.

Doch der Klimawandel ist auch ein regionales Problem. Rheinland-Pfalz und der Kreis Germersheim sind ebenfalls schon betroffen, thematisiert Johanna Kranz, Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen. Mit interaktiven Fragen direkt an das Publikum schafft sie es, die aufkommende Unruhe unter den Neunt- und Zehntklässlern etwas zu beruhigen und die Schüler für ihren Vortrag zu begeistern.

Für Einblicke direkt aus der Natur sorgt Förster Ansgar Vogelgesang mit einer Liveschaltung direkt in eines der Waldstücke, für die er zuständig ist. Auch er beschreibt die regionalen Folgen des Klimawandels: „Wir werden weiterhin absterbende Baumarten haben“, sagt er und verweist unter anderem auf die Buchen, welche aufgrund der Trockenheit absterben.

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Anschließend sind wieder die Schüler an der Reihe: Schüler des Europa-Gymnasiums haben nach einem Besuch in der Papierfabrik Palm ein unterhaltsames Video zusammengestellt. Das Unternehmen Palm gehört zu den klimaschützenden Unternehmen und den sogenannten Greenjobs. Besucher des Klimagipfels können die Arbeit der Firma direkt vor Ort bestaunen: Alle Möbel, die sich auf der Bühne befinden, sowie der Tischkicker und die Tischtennisplatte im Foyer der Festhalle wurden von der Papierfabrik aus Wellpappe für das Event angefertigt.

In der Pause können sich alle an Dialogständen über die sogenannten Greenjobs informieren. Ausprobieren ist hier gefragt. Von handwerklichen Berufen bis zu technischen Entwicklungen ist alles dabei. Besonderen Spaß macht den Schülern das Aufziehen der VR-Brillen. Mit einem Theaterstück zeigen Schüler der IGS Wörth dem Publikum, was jeder einzelne durch ein richtiges Verhalten zum Schutz des Klimas betragen kann: Urlaub mit dem Zug in Norditalien statt Skiurlaub in Aspen. Vegetarisches Essen statt Fastfood.

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Für einen Ausflug in das Jahr 2050 sorgen Schüler des Europa-Gymnasiums und der IGS Rülzheim. Wie sieht der Schulalltag in der Zukunft aus? Wird es neue Fächer geben und gibt es überhaupt noch Lehrer? Es folgen Liveschaltungen und Interviews mit Umweltwissenschaftler Gerhard Reese und Buchautor Toralf Staud. Auch Peter Lemke und Johanna Kranz kommen noch einmal zu einem Interview auf die Bühne. „Ziel ist es bis 2040 klimaneutral zu werden“, antwortet Johanna Kranz auf die Frage was Rheinland-Pfalz gegen den Klimawandel unternimmt und was die Ziele sind. An die junge Generation appellieren die beiden, dass die Schüler ihre Stimme nutzen und auch in das Gespräch mit Politikern gehen. „Doch auch schon kleine Dinge, wie den Bus, den Zug oder das Fahrrad für den Schulweg zu nutzen machen einen Unterschied“, sagt Johanna Kranz.

Gegen Ende wird ein Interview mit Landrat Fritz Brechtel eingespielt, in dem er seine Zukunfts- und Klimakonzepte vorstellt. Dazu gehören neue Radwege, der Ausbau der Nahverkehrs und 100 Prozent erneuerbarer Strom bis 2050. Zum Schluss haben noch einmal die Schüler das Wort. Gezeigt werden selbstgedrehte Videos. Die Schüler sind zufrieden. „Ich finde das schon ziemlich cool und ich glaube es könnte auch in vielen Köpfen was hängen bleiben“, sagt Schülerin Amelie.

Zur Autorin

Marla Klein (19) absolviert nach ihrem Abitur derzeit ein Praktikum in der Lokalredaktion Germersheim.

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