Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Sozialarbeit: Fachfrauen nehmen Eltern an die Hand

Wenn das Traumschloss nicht mehr steht: Auch die Familien von Kindergartenkindern haben oft Sorgen.
Wenn das Traumschloss nicht mehr steht: Auch die Familien von Kindergartenkindern haben oft Sorgen.

Die heile Welt ist lange vorbei. Inzwischen arbeiten auch in Kindertagesstätten Sozialarbeiterinnen und haben alle Hände voll zu tun.

„Die gesellschaftlichen Veränderungen sind auch in den Kitas spürbar“, sagt Stefanie Müller, zuständig für die Koordination der Kita-Sozialarbeit im Jugendamt. Dazu gehören zum Beispiel das herausfordernde Verhalten, wenn schon die Kleinsten sich selbst oder andere verletzten, Gegenstände werfen, aber noch keine Diagnose haben. Oder wenn eine frisch geschiedene Mutter nicht weiß, wo sie Unterstützung für den Wohngeld-Antrag bekommt. Oder wenn es in der Patchwork-Familie nicht rund läuft.

Nicht nur in den Städten

Derzeit arbeiten Kita-Sozialarbeiterinnen in Einrichtungen in Germersheim, Bellheim, Lustadt, Neuburg, Wörth und ab 1. Oktober auch in drei Kitas in Kandel. Dabei sind ihre Aufgaben klar definiert und sie dürfen auf keinen Fall als „Aushilfs-Erzieherin“ eingesetzt werden, wenn das Personal mal wieder knapp ist.

Wer finanziert das? Seit dem Neue-Kita-Gesetz von 2021 stellt das Land pro Jahr 50 Millionen Euro für ein sogenanntes Sozialraumbudget zur Verfügung. Der Betrag wird anteilig verteilt und erhöht sich jährlich. Für den Kreis bedeutet das, dass das Land 60 Prozent der Kosten der Kita-Sozialarbeit übernimmt (1,6 Millionen Euro), den Rest übernehmen Landkreis und Träger, analog zur Übernahme der Personalkosten.

Der Kreis Germersheim war einmal landesweit Vorreiter bei der Sozialarbeit in der Grundschule. Und so wurden ab Juli 2021 auch erste Stellen in der Kita-Sozialarbeit geschaffen, zunächst in Einrichtungen in Germersheim und Bellheim. Im Kreis gibt es 90 Kindertagesstätten in kommunaler und freier (meist kirchlicher) Trägerschaft. An 18 Einrichtungen, allesamt kommunal oder protestantisch geführt, arbeiten derzeit insgesamt 11 Kita-Sozialarbeiterinnen. Dabei legt man im Kreis Wert darauf, dass eine der Fachfrauen maximal an drei Kitas arbeitet, damit sie auch echte Beziehungen zu den Teams, den Kindern und deren Eltern aufbauen können. „Das ist ein starker Unterschied zu den umliegenden Kreisen und Städten“, sagt Kerstin Raithel, Koordinatorin für die Kita-Teams.

Das Gebiet muss als benachteiligt gelten

Doch nicht jede Kita hat Anspruch auf eine Sozialarbeiterin: Die Einrichtung muss sich in einem sogenannten benachteiligten Sozialraum befinden, diese wurden vor vier Jahren vom Kreis beschrieben und definiert. Stichworte sind hier zum Beispiel der Anteil der Bürgergeldbezieher, die Infrastruktur und der Anteil der Einwohner mit ausländischem Pass.

Anders als in Grundschulen oder weiterführenden Schulen, wo die Mädchen und Jungen oft schon selbst den Weg zur Sozialarbeiterin finden, liegt der Fokus in den Kitas eher darauf, Chancengleichheit für alle im weitesten Sinne im weitesten Sinne benachteiligten Familien herzustellen. Dabei sind die Fachfrauen Bindeglieder zwischen den frühen Hilfen, die ab der Geburt greifen, und der Schulsozialarbeit, die ab dem Grundschulalter zur Verfügung steht. „Soziale und familiäre Probleme treten ja nicht erst in der Schule auf“, gibt Raithel zu Bedenken.

Mit Eltern im Gespräch

Wenn die Eltern ihre Kinder morgens bringen, nachmittags holen, gibt es viele Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen. Oft geht es zunächst um ganz banale Dinge, wie bei die Begleitung beim Antragstellen, bevor es dann noch andere Themen auftauchen. Anders als die Erzieherinnen können die Sozialarbeiterinnen Hausbesuche machen. Auch „Spaziergänge“, eingeführt während der Pandemie, werden gerne für Gespräche genutzt. „Es gibt nicht nur die klassischen Jugendamtfamilien, es gibt auch Überbehütung“, sagt Raithel ganz klar. So gilt es zum Beispiel die Hemmschwelle für Besuche im Frühförderzentrum oder bei einem Kinderarzt zu senken. Wenn diese Hürde dank der Unterstützung genommen ist, ist meist schon viel gewonnen.

Doch nicht nur die Eltern, auch die Kitas werden entlastet. So bereiten die Sozialarbeiterinnen zum Beispiel schwierige Elterngespräche vor oder begleiten den Übergang der Kinder von der Kita in die Grundschule. Es gibt Elterncafés, Spielplatztreffs oder Kooperationen mit Vereinen. „Alle Träger und Leitungen sind dankbar für die Unterstützung“, sagt Raithel. „Sie sind nicht mehr wegzudenken.“

Die Fachfrauen: Kerstin Raithel (links), Fachberaterin für Kindertagesstätten, und Stefanie Müller (rechts), zuständig für die K
Die Fachfrauen: Kerstin Raithel (links), Fachberaterin für Kindertagesstätten, und Stefanie Müller (rechts), zuständig für die Koordination der Kita-Sozialarbeit im Kreis Germersheim.
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