Kreis Germersheim Kinder aus der Ukraine kommen in Schulen an

Schüler, die aus der Ukraine geflohen sind, in einer Grundschule in Westpolen. Auch südpfälzsiche Schulen haben schon Kinder auf
Schüler, die aus der Ukraine geflohen sind, in einer Grundschule in Westpolen. Auch südpfälzsiche Schulen haben schon Kinder aufgenommen.

Mit jedem Tag kommen mehr aus der Ukraine geflüchtete Menschen in die Südpfalz. Unter ihnen sind viele Kinder. Kitas und Schulen stehen wieder vor einer großen Herausforderung.

Neun Schüler und sieben Kita-Kinder aus der Ukraine sind in der Verbandsgemeinde Jockgrim angekommen. Mittlerweile sind 86 Flüchtlinge hier registriert, berichtet Bürgermeister Karl Dieter Wünstel. „Zwei Kinder sind schon in der Schule.“ Sobald Kinder beim Amt gemeldet sind, seien sie schulpflichtig. Überstürzt werde dabei aber nichts, sagt Wünstel. Die vor dem Krieg geflohenen Kinder müssten erstmal ankommen, nicht nur körperlich, auch mit dem Kopf.

Schon ein paar Wörter Deutsch gelernt

Zwei Kinder aus der Westukraine besuchen schon die Grundschule in Neupotz. Lehrer und Kinder hatten ein paar Tage Vorlauf, um sich auf die neuen Mitschüler vorzubereiten. „Alle waren aufgeregt“, erzählt Barbara Schmitt in Vertretung der Schulleitung. Die Kollegen haben behutsam mit den Neupotzer Schülern über die Situation der geflüchteten Menschen gesprochen und sich selbst erstmal den Google-Übersetzer heruntergeladen. „Die Kommunikation stellt Klassenlehrer vor Herausforderungen“, sagt Barbara Schmitt. Es sei aber erstaunlich, wie schnell die Kinder schon ein paar Wörter Deutsch gelernt haben. Kollegen versuchen einfache Sätze wie „ich muss zur Toilette“ oder „ich bin traurig“ auch außerhalb des Klassenverbands zu vermitteln. „Das Wichtigste ist, dass die Kinder sich wohl und willkommen fühlen“, sagt die Lehrerin. „Sie sind in einem fremden Land, kennen hier nichts.“ Aus ihrer Sicht hilft es den geflüchteten Kindern, wenn sie schnell neue Strukturen finden, einen geregelten Tagesablauf haben und unter Gleichaltrigen sind.

„Wir haben schon ein bisschen Erfahrung aus der letzten Flüchtlingskrise“, berichtet die Lehrerin. „Davon können wir profitieren.“ Jetzt soll ein Netzwerk mit anderen Schulen aufgebaut werden, die ebenfalls ukrainische Kinder aufnehmen. Auch der schulpsychologische Dienst sei eine wichtige Anlaufstelle.

14 Kinder in weiterführenden Schulen

Eine endgültige Regelung, wie die Situation am besten gemeistert werden kann, habe die Schulbehörde des Landes, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) noch nicht getroffen, teilt die Kreisverwaltung auf RHEINPFALZ-Anfrage mit. Bildungsministerin Stefanie Hubig hat unter anderem Weiterbildungen für Schulleitungen und Deutsch-Intensivkurse angekündigt. Ende vergangener Woche besuchten 14 Kinder aus der Ukraine weiterführende Schulen im Landkreis Germersheim. Sie werden in bestehende Klassen integriert. Eine wichtige Rolle werden in nächster Zeit Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter und interkulturelle Fachkräfte einnehmen. „Diese interkulturellen Assistenzen, die einen eigenen Migrationshintergrund haben, werden sich nun auch intensiv um neu angemeldete Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine kümmern“, so eine Kreis-Sprecherin.

Auch Tickets für Bus und Bahn wurden bereits an Jugendliche ausgegeben, die zur Schule fahren müssen. Die Schulpflicht bestehe, sobald die Familien beim Einwohnermeldeamt registriert sind. Berechtigt die Schule zu besuchen seien sie schon, bevor sie in einer Gemeinde gemeldet sind, etwa wenn sie in einer Erstaufnahmeeinrichtung ankommen.

Ähnliches gilt für die Kitas: Nach der Zuweisung in einer Kommune haben sie das Recht einen Kindergarten zu besuchen. „Viele ukrainische Flüchtlinge wohnen derzeit bereits bei Familienangehörigen oder Bekannten, ohne sich in Erstaufnahmeeinrichtungen zu melden, da sie sich bis zu 90 Tage visumfrei in Deutschland aufhalten dürfen. Auch diese Kinder können bei den örtlichen Kitas angemeldet werden“, so der Kreis.

Unter den in der Verbandsgemeinde Jockgrim angekommen Flüchtlingen sind auch sieben Kita-Kinder. Hinsichtlich der gesetzlichen Gruppengrößen hofft Bürgermeister Wünstel „auf ein gewisses Maß an Kulanz“ des Landes. Gleiches gelte für die Größe der Schulklassen. „Die Schulen machen, was sie können“, so Wünstel. Und das sei eine zusätzliche Herausforderung zu den aktuell hohen Corona-Zahlen.

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