KANDEL RHEINPFALZ Plus Artikel Keinen Nachfolger gefunden

Anne und Roland Steiner mit den Goldschmiedinnen Lena Kobbe und Juliane Haša.
Anne und Roland Steiner mit den Goldschmiedinnen Lena Kobbe und Juliane Haša.

Das Juweliergeschäft Steiner mit angeschlossener Goldschmiedewerkstatt schließt zum 19. Dezember. Damit verliert Kandel innerhalb kurzer Zeit das zweite Traditionsgeschäft. Das Ehepaar führt für die Schließung ausschließlich private Gründe an.

Nein, Schmuckstücke von der Stange waren wirklich nicht ihre Sache. Ihren eigenen Ansprüchen genügen konnten Roland Steiner und seine Frau Anne vor allem dann, wenn in der Goldschmiedewerkstatt Unikate nach künstlerischen Entwürfen herzustellen waren, zugeschnitten auf die individuellen Wünsche ihrer Kunden. Auch Verlobungs- und Trauringe gehörten dazu, und in letzter Zeit die Umarbeitung alter Schmuckstücke zu neuen Kreationen.

Das waren Herausforderungen, denen sich das Team von Juwelier Steiner in Kandel gerne stellte. Noch arbeitet man in der Goldschmiede auf Hochtouren, um die vorliegenden Bestellungen mit kunsthandwerklichen Geschick zu gestalten, passend zum persönlichen Stil der Person, für die das erlesene Schmuckstück bestimmt ist. Doch gleichzeitig liegt ein Hauch von Wehmut in der Luft. Denn Roland Steiner und seine Frau Anne haben sich entschlossen, noch vor Weihnachten ihr Juweliergeschäft in der Kandeler Hauptstraße für immer zu schließen. Da kein geeigneter Nachfolger gefunden wurde, wird zu Jahresbeginn 2021 bereits ein Geschäft eröffnen, das nichts mit Uhren und Schmuck zu tun hat.

Seit über 40 Jahren in Kandel

Eine lange Tradition, Juwelier Steiner ist seit 1979 in Kandel vertreten, geht damit zu Ende. Und das hat, so Roland Steiner im Gespräch mit der RHEINPFALZ, ausschließlich persönliche Gründe. Corona spielt dabei keine Rolle, es gibt auch überhaupt keine wirtschaftlichen Zwänge. Vor Jahren schon, anlässlich seines 60. Geburtstages, habe er die Entscheidung getroffen. Roland Steiner und seine Frau Anne wollen sich mit dem Erreichen des Rentneralters zur Ruhe setzen und die vor ihnen liegende Freizeit so genießen, wie sie es für angebracht halten. Reisen, so verrät Roland Steiner, spielen hier eine größere Rolle, und die beiden hoffen, dass das bald wieder möglich ist. Und seit Jahren fühlen sich die beiden beim Gärtnern auf einem Grundstück in Freckenfeld ganz wohl.

Roland Steiner kennt die Herausforderungen für einen selbstständigen Handwerksmeister schon von Kindesbeinen an. Sein Vater Werner und Mutter Hilde hatte 1954 ein erstes Fachgeschäft für Uhren, Schmuck und Silberwaren in Herxheim gegründet. Und einen Feierabend oder ein freies Wochenende kannten beide nicht, wie sich Sohn Roland heute erinnert. Nachdem die Filiale in Kandel eröffnet wurde und man 1985 an die heutige Stelle in der Hauptstraße 102, das frühere „Butscherhaus“, umgezogen war, gehörte Roland Steiner schon lange zum Team.

Seit 2010 eigene Kollektionen

Der Uhrmacher und die Goldschmiedemeisterin Anne-Claire Steiner übernahmen 1997 die Geschicke der Firma am Eingang zur „Brunnenpassage“. Ab 2010 bauten sie ein Goldschmiedeatelier mit einer eigenen Schmuckkollektion auf, Uhren wurden 2018 ganz aus dem Sortiment genommen. Die Spezialisierung sollte sich als ideale Entscheidung erweisen, denn immer mehr Kunden wussten sich hier gut beraten. Wer etwas Besonderes, auch etwas Edles und Ausgefallenes wollte, der war hier richtig, und das merkten nicht nur Kunden aus Kandel und Umgebung, sondern aus der ganzen Region.

Dazu gehört auch ein umfangreiches Angebot an Perlschmuck oder handwerklich gefertigten preiswerten Silberschmuck. Roland Steiner verweist gerne auf ausgefallene Exemplare, die in der Werkstatt gefertigt wurden. So etwas gebe es nicht von der Stange, sagt der Juwelier, in dessen Werkstatt zurzeit neben seiner Frau Anne noch die Goldschmiedinnen Lena Kobbe und Juliane Haša arbeiten. Für die bisherigen Mitarbeiterinnen ist gesorgt. Goldschmiedin Juliane Haša will sogar den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, wozu ihr der bisherige Chef alles Gute wünscht. Auch wenn er nur zu gut weiß, welche Herausforderungen hier zu meistern sind.

Gegenwärtig gibt es bei Juwelier Steiner einen Ausverkauf, ganz unaufgeregt und informativ. Alle Kunden sollen genügend Zeit haben, sich „Schmuckträume“ erfüllen zu lassen, Gutscheine einzulösen und Waren abzuholen, auch dazu, sich letzte Wunschstücke fertigen zu lassen, etwa Ringe zu Ohrringen. Bis 19. Dezember bietet man noch das volle Programm, so Steiner. Dann ist Schluss mit dem Juweliergeschäft. Genutzt werden die Verkaufsräume weiterhin, allerdings aus einer ganz anderen Branche. Mehr wird noch nicht verraten. Nach dem Farbenfachgeschäft Womann schließt damit in der Kandeler Hauptstraße eine weitere Institution der Geschäftswelt mit gutem Ruf über die Bienwaldstadt hinaus ihre Pforten.

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