Hagenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Zukunft für Geranien Endisch

Der Stammsitz von Geranien Endisch in Hagenbach hat eine Produktionsfläche von rund 15.000 Quadratmetern.
Der Stammsitz von Geranien Endisch in Hagenbach hat eine Produktionsfläche von rund 15.000 Quadratmetern.

In dritter Generation produzierte der Familienbetrieb Geranien Endisch in Hagenbach Blumen und andere Pflanzen. Angesichts vieler Krisen musste der Betrieb Insolvenz anmelden. Alle Mitarbeiter sind gekündigt, trotzdem geht es für viele in der Landwirtschaft weiter.

Seit gut einem Monat ist der Geschäftsbetrieb bei Geranien Endisch eingestellt. Nachdem das pfälzische Traditionsunternehmen kurz vor Weihnachten Insolvenz anmelden musste, löste das Amtsgericht die beiden betroffenen Endisch-Gesellschaften im März formal auf und bestellte den Insolvenzverwalter Martin Wiedemann zum alleinigen Geschäftsführer. Der sah schlussendlich aber keine Möglichkeit mehr das Unternehmen fortzuführen. Ende April wurde der Geschäftsbetrieb bei Endisch eingestellt. „Es geht jetzt nur noch um Verwertung der Vermögensgegenstände“, sagt der Insolvenzverwalter Wiedemann.

Das Zierpflanzengeschäft steckt überall in der Krise, sind sich Experten einig. Die Konkurrenz von Großbetrieben in den Niederlanden und am Niederrhein erwies sich für Geranien Endisch letztlich als zu stark. Um in der Branche bestehen zu können, muss man entweder sehr große Flächen bewirtschaften oder einen sehr speziellen Sektor für den Anbau wählen, so Branchenkenner. Hier würden im Bereich von Obst und Gemüse derzeit auch kleine Betriebe sogar einen kleinen Boom erleben.

Kein Interesse am Gesamtbetrieb

Die Familie Endisch kam 1960, ein Jahr vor dem Mauerbau, vom sächsischen Vogtland in den Westen und über Berlin in die Region. In der Nähe von Karlsruhe pachtete der Großvater eine Gärtnerei mit Blumengeschäft. Dort produzierte und verkaufte er Gemüse, Obst, Schnittblumen und Frühjahrsblüher. Schon bald darauf wurde Hagenbach zum Stammsitz und Produktionsstandort des von Geranien Endisch. Im Jahr 2009 wurde ein zusätzlicher Produktionsbetrieb für das Bewurzeln von Stecklingen und Halbfertigwaren in Essingen bei Landau übernommen. Insgesamt produzierte Endisch zuletzt an den zwei Standorten auf über 30.000 Quadratmetern Pflanzen aller Art. Darüber hinaus produzierte Endisch Stecklinge in Ägypten und Uganda.

Um den Betrieb fortzuführen, hätte es frisches Geld von außen gebraucht. „Ohne externe Investoren wird es nicht gehen“, legte sich Wiedemann schon kurz nach der Insolvenz fest. Besonders für den Betrieb in Essingen hätten einige Investorengruppen ihr Interesse angemeldet, ohne allerdings das Zierpflanzengeschäft fortführen zu wollen. Für die Fortführung des Gesamtbetriebs hat sich niemand gefunden und auch die Gespräche über Betriebsteile sind letztlich im Sande verlaufen. „Die Verkaufsgespräche sind schnell zu Ende gewesen. Insgesamt gab es keine ernsthaften Interessenten“, sagt Wiedemann. Die Grundstücke und Immobilien in Essingen und Hagenbach waren dabei nicht Teil der Insolvenzmasse. Sie befinden sich weiter im Eigentum der Familie Endisch.

Mitarbeiter haben Alternativen

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben auch alle Beschäftigten von Geranien Endisch eine Kündigung erhalten. Zum 30. April sind dann alle Mitarbeiter freigestellt worden. Schon zuvor hatten einige Mitarbeiter Auflösungsverträge unterzeichnet. Dabei bemühte sich auch Gerd Endisch im Kollegenkreis um eine neue Anstellung für die freigesetzten Mitarbeiter. Viele der bisherigen Endisch-Mitarbeiter sind in anderen landwirtschaftlichen Betrieben der Region untergekommen. Andere Festangestellte sind in ihre rumänische Heimat zurückgekehrt.

In den letzten Wochen bei Endisch verkauften die verbliebenen Mitarbeiter noch die letzten Pflanzenkulturen, die im Herbst und Winter vorbereitet worden waren. Nach der Insolvenz wurden keine neuen Pflanzen mehr angebaut. Der Zeitpunkt der Insolvenz kurz vor der Hochsaison war für den Pflanzenbaubetrieb also in mehrfacher Hinsicht unglücklich. Wiedemann macht auch dies für die erfolglosen Verkaufsgespräche verantwortlich. „Es lag auch an der Saison. Die Mitbewerber hatten zu viel mit ihrem eigenen Geschäft zu tun. In der Geschwindigkeit war da nichts mehr zu machen.“

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