Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Angst: Die Parkplätze werden nicht gestrichen

260603

Eine Diskussion um einen Straßenausbau wird zum Lehrstück in Demokratie. Und für kurze Zeit stehen sogar die Stellplätze zur Debatte.

Eigentlich wollte man sich in der jüngsten Sitzung des Stadtrats Kandel schon für eine Variante des Straßenausbaus in der Goethe-, Lessing- und Schillerstraße entscheiden, wenn auch noch ohne ins Detail zu gehen. So wollte man von Stadtspitze und Verwaltungsseite sicherstellen, dass man rechtzeitig die Förderung beantragen kann. Normalerweise eine kurze, sichere Nummer, schließlich war im Ausschuss schon alles diskutiert. Doch stattdessen bekamen die zahlreichen Zuhörer im leicht überhitzten Ratssaal vorgeführt, wie Demokratie funktioniert: im Streitgespräch.

Viel Diskussionsstoff

Von SPD-Seite kam zunächst der Vorschlag, in der Sitzung doch noch keine Entscheidung für eine Variante zu treffen. Denn: Man sollte besser erst die Bürger beteiligen. In der Folge entspann sich eine muntere Diskussion rund um Gehwege – braucht man diese auf beiden Seiten, wie breit müssen sie sein und für welche Breite gibt es die wertvollen Zuschüsse –, die Vorteile von Hochbordsteinen gegenüber Flachbordsteinen und künftige Überquerungsmöglichkeiten an kritischen Stellen. Und sollte die Goethestraße vielleicht eventuell Einbahn-Straße werden?

Schließlich stellte Martin Lind, Grüne, sogar die Frage, ob es in den drei Straßen künftig überhaupt noch Stellplätze geben sollte. Schließlich nimmt die Stadt ja gerade auch am Fußverkehrscheck teil, und da passt schon alleine der Gedanke an eine Ausweitung der Stellplätze so garnicht ins Bild.

Nur ein kurzes Aufflackern

An dieser Stelle äußerten einige Anwohner verzweifeltes Gelächter. Auch Bürgermeister Michael Gaudier zeigte sich wenig begeistert. Der Beigeordnete Hans Hruschka (SPD) verwies darauf, dass durch die Nähe von Friedhof und Kirchen nicht auf Parkplätze in diesen Straßenzügen verzichtet werden könne: Schließlich sind in beiden Fällen die Besucher tendenziell eher älter. Entwarnung kam jedoch schnell: Ein entsprechender Antrag für eine dritte Variante ohne Stellplätze fand außer Lind nur zwei Befürworter und war dann vom Tisch.

Entschieden wurde schließlich also, dass noch nichts entschieden wird. Dafür steht das Thema Ende Juni in der Sitzung vor der Sommerpause wieder auf der Tagesordnung. Rechtzeitig für den Zuschussantrag, möglicherweise sogar mit einer Bürgerbeteiligung vorab.

tauer_nicole
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