Kreis Germersheim Kein Öl schmeckt wie das andere
Rheinzabern. Ein sattes Gelb auf dem Löffel, im Mund ein Nachgeschmack von Spargel – das ist Leindotteröl. Ganz anders das Mohnöl, das von blasser Farbe, aber intensivem Geschmack ist. „Das mag nicht jeder“, weiß Patrick Marz von der Ölmanufaktur Agriluna in Rheinzabern. Bei einer RHEINPFALZ-Sommertour am Dienstag, 26. Juli, ab 10 Uhr, können Leser Öle selbst verkosten und sich vor Ort den Hanf- und Mohnanbau ansehen.
Auf einem Feld blüht gerade der Mohn in zartem Rosa, auf einem anderen steht knapp zwei Meter hoch der Hanf. Das wechselhafte Sommerwetter konnte den Saaten bisher wenig anhaben, sagt Marz. Sanft knickt er einen Samenstempel vom Mohn ab und ritzt ihn auf: Kleine weiße Kügelchen sind zu sehen. „Daraus wird später dunkelblauer Mohn“, sagt Marz. Der Anbau von Mohn und Hanf sei im Übrigen streng geregelt, damit keine Drogen auf deutschen Äckern wachsen – über die EU-Bürokratie kann er so manche Geschichte erzählen. Andere EU-Regelungen haben auch überhaupt erst dafür gesorgt, dass in Rheinzabern wieder eine Ölmühle aktiv ist: Nach dem Aus für die Förderung des Tabakanbaus hatte sich Landwirt Marz nach Alternativen umgesehen und wurde fündig: 2010 hat er gemeinsam mit Ehefrau Tina mit den Saaten angefangen. Zuerst mit Leinsamen, dann kamen nach und nach Mohn, Raps, Kürbiskernöl, Hanf und Leindotter dazu. „Man muss experimentieren“, sagt Marz. Die Österreicher seien da schon sehr viel weiter. Anders als das berühmte Steirer Kürbiskernöl wird das aus Rheinzabern aber vor der Pressung nicht geröstet. Deshalb hat es eine hellere grüne Farbe und schmeckt etwas sanfter, erklärt er. „Alles, was wir verarbeiten, haben wir selbst angebaut“, betont Marz. „Bis auf den Mähdrescher machen wir jeden Verarbeitungsschritt selbst.“ Das bedeutet zum Beispiel, dass jede Woche jedes Öl gepresst wird. Auch die Etiketten drucken sie inzwischen selbst. Bestellungen kommen aus ganz Deutschland, aber „das meiste verkaufen wir online“. Der Renner ist das Leinöl. Das gilt als sehr gesund, ist dafür aber nur circa drei Monate haltbar. Manche können offensichtlich nicht genug davon bekommen. Dann kann das kleine Unternehmen direkt auf die Kundenwünsche eingehen: „Ich fülle auch mal in Kanister ab“, sagt Marz. Und wegen der Nachfrage gibt es von manchen Ölen auch Miniflaschen. Bei der RHEINPFALZ-Sommertour geht es erst raus aufs Feld. Dort zeigt Patrick Marz, aus welchen Pflanzen er die Saaten gewinnt. Auf dem Hof führt er eine frische Pressung vor und erzählt Wissenswertes rund um Öle und Saaten. Natürlich können die RHEINPFALZ-Leser die verschiedenen Öle dann auch selbst verkosten. INFO —Anmeldung zur Besichtigung der Agriluna-Ölmühle in Rheinzabern bis spätestens Mittwoch, 20. Juli 2016, 24 Uhr. Gehen mehr als 15 Anmeldungen ein, werden die Teilnehmer gelost. —Anschrift: RHEINPFALZ-Redaktion Germersheim, Fischerstraße 18, 76726 Germersheim, Fax: 072724 946626, E-Mail: redger@rheinpfalz.de. —Bitte geben Sie bei der Anmeldung die Teilnehmerzahl (maximal vier Personen) und ihre Telefonnummer an, damit wir Sie verständigen können. Vielen Dank! |tnc