Kreis Germersheim Kaum Touristen im Bienwald

Dem Leiter des Naturschutz-Großprojektes Bienwald, Peter Keller, steht ein anstrengender Endspurt bevor. Das machte sein Bericht vor dem Ausschuss für Landwirtschaft und Umweltschutz des Kreises Germersheim deutlich. Daneben wurde klar, dass die touristische Komponente des Projekts auf schwachen Beinen steht. Dies gilt, obwohl das Projekt (Gesamtkosten rund 10 Millionen Euro) mittlerweile an einigen Stellen abgespeckt wurde. So sollten ursprünglich 270 Hektar vor allem im Offenland gekauft werden, um dort Tümpel oder Weideflächen einzurichten. Die Ziele des Projekts können aber mit deutlich weniger Zukäufen erreicht werden, so Keller. Das Ziel sind jetzt rund 100 Hektar. Gekauft sind 61 Hektar, 2015 sollen 15 Hektar folgen – die 100 Hektar scheinen also erreichbar. Offen dürfte aber sein, ob bis Projektende alle vier Flurbereinigungsverfahren abgeschlossen sind. Immerhin wurden die notwendigen Kompromisse mit den Landwirten und Kommunen in drei von vier Teilgebieten offenbar gefunden; hier liegen Zielekarten vor. Allerdings wurde das Verfahren „Bienwald Mitte“ bisher noch nicht eingeleitet. Hier sind wegen der von Schaidt gewünschten Ortsumgehung noch viele Fragen offen. Die lange umstrittenen Eingriffe in den Wasserhaushalt des Bienwalds sollen 2015 erfolgen. Durch sie werden Teile des Bienwalds stärker vernässt, andere wiederum trockener. Für die Unterlieger vor allem in Wörth sollen sie keine Folgen haben. Drei Natur- und Erlebnispfade sollen in diesem Jahr im Detail geplant werden (Planungskosten: 60.000 Euro). Einer soll sich im Bereich der Naturwaldfläche am Weißen Kreuz befinden, ein anderer an der Lauter, so Keller. Noch ist aber unklar, wer für diese Pfade die Verkehrssicherungspflicht übernimmt. Dies ergab eine Nachfrage. Landrat Fritz Brechtel (CDU) sagte, dass mit dem Forst noch verhandelt werde. Auch die Gemeinden oder Tourismusorganisationen kämen in Betracht. Dies sei bei einigen Premiumwanderwegen der Fall. „Was in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz funktioniert, müsste auch bei uns möglich sein“, sagte Landrat Brechtel. Vielleicht hatte Brechtel dabei die Stadt Wörth im Blick. Sie lehnt es wegen ihrer Haushaltslage ab, die Haftung für den Westwall-Wanderweg zu übernehmen, den der Pfälzerwald-Verein Schaidt eingerichtet hat (wir berichteten). Für betretene Gesichter sorgte die Information, dass das Bienwald-Museum in Steinfeld mittlerweile faktisch geschlossen sei. Der Bürgermeister von Steinfeld, Marc Steinbrecher (CDU), bestätigte: „Das Ding war ein Flop.“ Als Beleg führt er die Besucherzahlen an: Im ersten Jahr noch 1500 – inklusive der rund 500 Besucher am Eröffnungstag. 2012 waren es dann schon weniger als 500 Besucher, 2013 gerade noch 18 an 34 Sonntagen (ohne Kerwe). Betreut wurde das Museum von den Naturführern, sie erhielten von der Gemeinde 50 Euro pro Öffnungstag. Anfangs war das Museum jeden Sonntag geöffnet, am Ende nur den 1. Sonntag im Monat. Jetzt öffnet das Museum – ein etwa 50 Quadratmeter großer Raum – nur noch für Schulklassen und Gruppen auf Anfrage. „Die Resonanz ist weiter sehr gering“, so Steinbrecher. Deshalb werde mittlerweile überlegt, wann und wie die Gemeinde den Raum anders nutzen könne. (lap)