Kreis Germersheim Katastrophe wirkt noch immer nach

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Die in Wörth aufgewachsene Ärztin Annette Dier und ihr Lebensgefährte, der Bellheimer Werner Schwab, fliegen am 3. Februar wieder für drei Wochen nach Haiti, um ehrenamtlich medizinische Hilfe in einer abgelegenen Bergregion zu leisten.

Am 12. Januar 2010 wurden weite Teile des Inselstaats Haiti durch ein Erdbeben zerstört. Als Dier, Mutter einer erwachsenen Tochter, zwei Wochen später einen Fernsehbericht über den dort helfenden Verein Humedica aus Kaufbeuren sah, beschloss die 57-Jährige spontan, „humanitäre Hilfe zu leisten“. Ein Jahr später, als die Cholera im Erdbebengebiet ausbrach, war Dier dreimal auf der Insel Hispaniola. 2012 habe sie dann den Freundeskreis gegründet. „Die Katastrophe ist noch lange nicht überwunden“, sagt Schwab. Im Gegenteil, die Lage der Menschen habe sich eher verschlechtert. Der gebürtige Bellheimer unterstützt Dier bei der Organisation der mobilen Kliniktage rund 125 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt. „In den Bergen gibt es keine befestigten Straßen, unsauberes fließendes Wasser, keine Kanalisation, kein Gas und nur selten Strom“, so Schwab. „Unser Ziel ist direkte Hilfe für die Menschen vor Ort“, sagt die Vorsitzende des Vereins „Freundschaft für Haiti“, die seit 16 Jahren als Frauenärztin in Ettlingen arbeitet. Die Menschen in den Bergen seien von der normalen medizinischen Versorgung sehr weit entfernt. „Behandlung und Medikamente sind für die arme Bevölkerung ohnehin nicht bezahlbar“, so Dier. Zum nächstgelegenen Krankenhaus müssten die Menschen vier bis sechs Stunden laufen. „Deshalb haben wir mobile Kliniken installiert“, berichtet Dier, die dafür einen Teil ihres Jahresurlaubs opfert. In diesem Jahr wurden pro Kliniktag 450 bis 500 Patienten, also insgesamt rund 1500 Menschen behandelt, davon die Hälfte Kinder. Die Einsätze fanden in den Bergen in Goyuavier, im Bauerngebiet von Haute St. Marc und in der Gegend des Artibonite-Flusses, jeweils im Gemeindesaal oder in der Schule statt. Die mobile Truppe besteht aus sechs einheimischen Krankenschwestern, drei Ärzten, zwei Fahrer und zwei Helfer. Für den Kliniktag werden zwei bis drei Pick-ups gemietet. „Allergien, Anämie, Asthma, Magen- und Darmerkrankungen, Genitalinfekte, Hauterkrankungen, Hochdruck, Malaria, Mangelerkrankungen bei Frauen und Kindern, Parasiten und Tuberkulose“, zählt Dier die häufigsten der versorgten Erkrankungen auf. Zudem wurden Schwangere untersucht. „Viele Hauterkrankungen sind auf mangelnde Hygiene zurückzuführen“, stellt sie fest. Im Reisegepäck sind immer 20 Kilo Medikamente „alles von Antibiotika bis Vitamine“. Ein Teil der Arzneimittel kaufe der Verein vor Ort. Schwab füllt die verordneten Medikamente von Großpackungen in Patienten gerechte Plastiktütchen um. Zudem verteile er Nummern an die manchmal „schreienden und drängenden“ Wartenden und erfasse die Personalien der Patienten. „Die Armut bedrückt einen schon“, sagt Schwab, der zunächst „schockiert von den sichtbaren Krankheiten war“. Der 65-jährige Rentner, früher selbständiger Haustechnikmeister, spricht laut Dier sehr gut Französisch. Ihr Partner in Haiti ist der Auslandshaitianer Harold Arthur mit seinem dortigen Verein ACOGO. Arthur setze Schwerpunkte, wo Hilfe am dringendsten sei, und organisiere alles für die Einsätze mit den Ärzten und Helfern, so Dier. Im Februar soll es eventuell einen vierten Kliniktag geben. Info Freundschaft für Haiti e.V., Spendenkonto IBAN: DE71 6605 0101 0108 1666 95, Sparkasse Karlsruhe Ettlingen, im Internet: www.ffhaiti.de (mjn)

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