Germersheim
Kaserne: Schneller bauen, mehr Soldaten, weniger Schutzräume
Da, wo sich im Sommer beim Besuch des Verteidigungsministers Boris Pistorius (SPD) in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim Bauschutthalden auftürmten, sind flache Baugruben entstanden. Wenn das Wetter mitspielt, können noch dieses Jahr die Bodenplatten gegossen werden. Das sagte der für Bauangelegenheiten in der Kaserne zuständige Hauptmann Alexander E. (vollständige Namen werden bei der Bundeswehr aus Sicherheitsgründen nicht mehr genannt) beim Baustellenbesuch. Inzwischen sei ein Generalunternehmer beauftragt, der den Bau von Gebäude 3 und 6 verantwortet und Mitte 2027 fertig sein möchte. Die Kosten pro Neubau, inklusive Abriss der Altbauten, beziffert E. auf jeweils rund acht Millionen Euro.
Beide Neubauten werden laut E. reine Funktions-, also Bürogebäude. Im Gegensatz zu den alten Gebäuden mit Büro- und Wohnräumen, verfügen die neuen zwar über ein zusätzliches Obergeschoss, haben dafür aber keinen Keller, der im Krisenfall auch als Schutzraum dienen könnte. Gibt es genügend Schutzräume in der Kaserne mit ihren rund 1000 Soldaten? „Derzeit haben wir noch genug Schutzräume, aber nach Ende der Maßnahme nicht mehr“, sagt E im Hinblick darauf, dass weitere Abrisse und Neubauten geplant sind. Er verweist darauf, dass die Gebäude vor Jahren geplant wurden, als die Sicherheitslage in Europa noch eine andere war – kein Ukraine-Krieg – und das Augenmerk der Bundeswehr sich noch mehr auf Auslandseinsätze konzentrierte. Nun geht es wieder um Landes- und Bündnisverteidigung. Da die Truppe damals weniger Soldaten zählte, sei auch der Zuschnitt der Zimmer geändert worden. Während in den alten Mannschaftsunterkünften noch Mehrbettzimmer zu finden seien, fänden sich in den neuen Wohngebäuden, von denen es bereits zwei in der Kaserne gibt, Ein- und Zweibettzimmer mit eigener Nasszelle – quasi Hotelstandard.
Neue Rekruten
Während E. erzählt, treten vor einem benachbarten Unterkunftsgebäude zahlreiche junge Leute in Zivilkleidung in Reih und Glied an: die wenige Tage zuvor eingerückten neuen Soldaten. Bei der Gelegenheit weist der Offizier, ohne konkrete Zahlen zu nennen, darauf hin, dass in jüngster Zeit deutlich mehr Freiwillige zum Wehrdienst eingerückt sind – nicht nur beim Luftwaffenausbildungsbataillon, das zentral für die ganze Luftwaffe Rekruten ausbildet, sondern bei der Bundeswehr insgesamt. Das werde sich auch beim öffentlichen Gelöbnis am 11. Dezember im Stadtpark Fronte Lamotte in Germersheim zeigen, wenn statt der bisher üblichen 200, 300 450 Rekruten antreten werden, ergänzt der Presse-/Info-Meister Stabsfeldwebel Frank W.
E. bezeichnet es als großen Vorteil, dass nun ein Generalunternehmer mit dem Bau der Gebäude beauftragt ist, was seit langem für die Südpfalz-Kaserne gefordert worden war. Man verspricht sich davon einen schnelleren Baufortschritt.
Abnahme steht bevor
Zum Hintergrund: Wiederholt wurden in der Südpfalz-Kaserne in den vergangenen Jahren neue Gebäude errichtet. Weitere Neubauten sind geplant. Doch immer wieder traten teils erhebliche Verzögerungen ein. Teils weil die Planungen bei den Behörden nicht vorankamen, teils weil es Probleme mit am Bau beteiligten Betrieben gab. Das wohl eklatanteste Beispiel stellt das neue und seit über drei Jahren eigentlich fertige Sanitätsversorgungszentrum in der Südpfalz-Kaserne dar. „Eigentlich fertig“ deshalb, weil es immer wieder mehr oder weniger Kleinigkeiten waren, die eine offizielle Übergabe verhinderten. Mal waren es zum Beispiel fehlende Fliesen, mal ein Heizungsdefekt. Erschwerend hinzu kam, dass teilweise die für den Mangel verantwortliche Firma nicht mehr existent war, eine neue gefunden werden musste, welche die Reparatur übernahm. Einzugstermine wurden deshalb mehrfach verschoben, zuletzt im Frühjahr dieses Jahres. Nun wird ein neuer Einzugstermin ins Auge gefasst, hieß es auf Anfrage beim San-Zentrum: Ende Januar 2026. Zuvor stünden im November allerdings noch einige Kontrollen und Abnahmen an, unter anderem beim Brandschutz. Wenn alles in Ordnung ist, könne es theoretisch losgehen. Aufgrund zahlreicher anderer dringender Verpflichtungen der Sanitätseinheit am Jahresende, werde man jedoch mit dem Einzug bis zum besagten Termin warten.