Kreis Germersheim Kanzlei kommt aus ehemaligem Knast

Jürgen Luppert (links) hat die Kanzlei von seinem Vater Dieter Luppert (rechts) übernommen.
Jürgen Luppert (links) hat die Kanzlei von seinem Vater Dieter Luppert (rechts) übernommen.

Für die bei der Anwaltskanzlei Luppert in der Landauer Straße 23 in Kandel Beschäftigten war am Monatsanfang ein Feiertag: Wurde die Kanzlei doch vor 50 Jahren, nämlich am 2. Dezember 1968 von Dieter Luppert gegründet. Allerdings nicht in der Landauer Straße, denn dorthin wurde die stark gewachsene Kanzlei erst im Jahr 1972 verlegt.

Lupperts erstes Büro war im sogenannten „Gefangenenbad“, einem ruinösen Gebäude auf der Rückseite des früheren Gefängnisses. Bevor er dort mit seiner Ehefrau als Büroleiterin und einem Auszubildenden einzog, musste es zuerst noch von seinem Bruder, der ein Baugeschäft hatte, gründlich erneuert werden. Rechtsanwalt zu werden war schon recht früh Lupperts Berufswunsch. Er begann daher nach seinem Abitur 1958 mit dem Jurastudium an der Universität Heidelberg. Während seiner Referendarzeit wechselte er an die Universität Wien, wo er Staatswissenschaften studierte und zum Doktor rer. pol. promovierte. Dass Luppert nach dem zweiten juristischen Staatsexamen und einem Praktikum bei dem Landauer Rechtsanwalt Gutting seine Kanzlei in Kandel und nicht in seinem Heimatort Hagenbach eröffnete, war der damals noch geltenden „Residenzpflicht“ zu verdanken. Die schrieb vor, dass sich ein Anwalt nur am Sitz eines Gerichtes niederlassen durfte. In der Kanzlei Gutting lernte Luppert auch seine Ehefrau kennen, mit der er heute mehr als 50 Jahre verheiratet ist. Auf tausend Mandanten wollte der junge Rechtsanwalt im ersten Jahr kommen. Das gelang ihm allerdings nicht, wie er später schmunzelnd erzählte. Denn es waren „nur“ 999 Mandanten gekommen. „Doch auch damit konnte man leben“, so sein heutiger Kommentar. Bald stellte sich auch heraus, dass der Platz im „Gefangenenbad“ nicht mehr ausreichte, waren dort doch neben dem Chef und seiner Frau noch drei Schreibkräfte und drei Lehrlinge tätig. So wurde 1972 das ehemalige Hotel Lindenhof gekauft. Wieder musste der Bruder tätig werden und die Räume bürogerecht umbauen. In dem Anwesen reichte der Platz sogar noch für die Wohnung der Familie Luppert, die sie 1983 bezog. Inzwischen ist das Anwesen zu einem Bürohaus geworden. Die Kanzlei Luppert wuchs im Lauf der Jahre so stark an, dass dort seit 1978 mit Peter Becker in der Kanzlei ein zweiter Anwalt tätig war. Mit ein Grund für das starke Anwachsen war wohl die Industrialisierung in der Südpfalz und die damit verbundene Bautätigkeit. In der Kanzlei wurden auch viele Praktikanten und Referendare ausgebildet, die später als Rechtsanwälte oder Richter zugelassen wurden. Unter ihnen war mit Dr. Jürgen Luppert auch der Sohn des Gründers. Er studierte Jura an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg, wo er auch zum Dr. jur. promovierte. Seit 1999 ist er in der Kanzlei tätig, seit 2003 deren Inhaber. „Seit mein Vater 1968 die Kanzlei gründete, hat sich beim Rechtsanwaltsberuf vieles geändert“, sagte Jürgen Luppert. Während ein Anwalt früher allgemein tätig war, sind heute die meisten von ihnen spezialisiert, sind Fachanwalt etwa für Arbeits-, Familien-, Handels-, Gesellschafts-, Verkehrs- und Strafrecht. Jürgen Luppert ist Fachanwalt für Familien- und Arbeitsrecht während seine fünf Anwaltskollegen in der Kanzlei für die übrigen Bereiche zuständig sind. Zu den Kollegen gehört immer noch Dieter Lupperts erster Anwalt Peter Becker, und auch Andy Becht war bis zu seiner Berufung zum Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium im Team. Neben den sechs Anwälten sind in der Kanzlei noch 25 weitere Personen beschäftigt. Auch Jürgen Lupperts Ehefrau ist in der Kanzlei tätig. Sie ist für die Buchhaltung und das Marketing zuständig.

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