Kreis Germersheim Kandel: Online-Portal soll zum Kauf vor Ort animieren

Ein Online-Portal soll die Kandeler dazu bewegen, dass sie mehr in ihrer Stadt einkaufen. Ein entsprechendes Konzept wird entwickelt; es soll bis zum Sommer stehen. Werbeaktionen sind geplant.
„Viele Kandeler Online-Shopper würden den Gang in die örtlichen Geschäfte bevorzugen, wenn sie über die dortigen Angebote besser informiert wären.“ So lautete ein Ergebnis einer Umfrage im Sommer 2016. Inzwischen arbeiten Gewerbeverein, Verbandsgemeindeverwaltung und Unternehmensberatung Bulitta am Konzept für ein gemeinsames Internet-Portal für den Einkaufs- und Dienstleistungsstandort Kandel. Dieses Portal soll „das Klientel ansprechen, das im Netz unterwegs ist“, sagt der Vorsitzende des Kandeler Gewerbevereins, Guido Pausch, im Gespräch mit der RHEINPFALZ, und merkt gleich kritisch an: „Das macht keine der vorhandenen Seiten.“ Das Konzept für das Portal soll sorgfältig ausgearbeitet werden, kein Schnellschuss sein, mahnt Pausch: „Es gibt nichts Schlimmeres, als etwas ins Netz zu stellen, das an Kunden und Bürgern vorbei geht.“ Bis zum Sommer dieses Jahres soll das Konzept stehen, dann geht der Auftrag an einen Profi. Ein gutes Gerüst gebe es, aber nun müsse man in die Tiefe gehen. „Was will ich haben, wo will ich Abstriche machen, wie steht die Finanzierung“, nennt Pausch als Eckpunkte. Die Arbeitsgruppe hat schon Vorbilder im Internet gefunden, darunter auch Wuppertal. Pausch persönlich ist vom Auftritt der Stadt Nagold begeistert: Dort gebe es einen Cityverein, unter dessen Dach der Gewerbeverein, die Verwaltung, Gastronomie und Handwerker zu finden sind, sagt er. Auch das Kandeler Portal soll keine reine Verkaufsseite werden, sondern neben den Gewerbetreibenden auch Verbandsgemeinde, Verwaltung und Tourismus eine Plattform bieten. Wichtig sei, sich erst auf einen Aspekt zu beschränken, betont Pausch. Das bedeutet zum Beispiel erstmal keine Aktivitäten in den sozialen Medien. Denn diese wollen in kurzen Abständen gut gepflegt sein. Doch die Finanzierung des Portals muss erst noch geklärt werden. „Fer Umme wird es das nicht geben“, sagt Pausch trocken. Auch der Gewerbeverein werde sich beteiligen müssen, sei es finanziell oder mit Personal. Zuschüsse oder ein Citymanager helfen da nur wenig, mahnt Pausch. „Das wird ja nicht voll gefördert, der Rest muss irgendwo her kommen.“ Und wenn ein etwaiges Förderprogramm auslaufe, müsse das Portal weitergehen. Gerade die Gewerbetreibenden müssen die Risiken eines Internet-Auftritts im Blick haben: Kreative Ideen können schnell von anderen übernommen oder Preise unterbotenwerden. „Jeder muss für sich entscheiden, was sichtbar sein soll“, sagt Pausch. Für die Nutzer sei wichtig: „Was gibt es? Wo bekomme ich es? Öffnungszeiten und Kontaktdaten.“ Deshalb müsse nicht das komplette Sortiment online stehen. „Je kleiner und feiner und je übersichtlicher, desto ansprechender“, ist Pausch überzeugt. Ähnlich wie die – derzeit ruhenden – monatlichen Aktionen des Gewerbevereins könnten auf dem Portal Aktionen zu finden sein, die alle drei bis vier Wochen wechseln. Die Kunden aus dem Einzugsgebiet Kandel sollen online bestellen und auch geliefert bekommen, sagt Pausch. Kunden von außerhalb dazu zu gewinnen, sei eher ein Nebenprodukt. Besonders wichtig sei es, auch die Kandeler Dörfer dabei zu haben. So könne zum Beispiel der Dorfladen in Freckenfeld oder der Metzger in Minfeld als eine Art Postfach dienen. Pausch macht sich keine Illusionen: „Das wird kein Allheilmittel. Aber wir tun was dafür, dass die Verbandsgemeinde Kandel attraktiv bleibt.“ |tnc