Kreis Germersheim „Kalt und etwas glibberich“
«Hagenbach.» Wenn es jetzt im Frühling endlich wieder warm wird, dann freuen sich nicht nur die Menschen, sondern wir Biber und alle Tiere ebenso.
Vor allem unsere Freunde im Bienwald – die Kröten, Molche und Frösche – erwachen pünktlich aus ihrer Winterstarre, bei einer Temperatur von mindestens fünf Grad in der Nacht. Es ist fast so, als hätten sie einen inneren Thermometer. Und womöglich haben sie auch noch einen inneren Kompass, denn sofort wandern sie zielstrebig aus dem Wald hinunter zum Feuchtgebiet Riedried in Hagenbachs Westen. Dabei müssen sie aber eine Straße überqueren. Was die Tiere aber wohl gar nicht kennen, das ist eine innere Vorsicht zum Beispiel im Straßenverkehr, denn sie hüpfen und laufen einfach drauflos. Meine Schwester Nessy und ich sehen das mit großem Schrecken, doch Papa Nagbert beruhigt uns jedes Jahr aufs Neue: „Ein Glück, dass es viele naturfreundliche Menschen gibt, die die Kröten davor bewahren, überfahren zu werden“. Am Straßenrand werden niedrige Zäune aufgestellt, an denen in regelmäßigen Abständen Eimer eingegraben sind. Die Tiere laufen den Zaun entlang und fallen in die Eimer. Dann kommen morgens Erwachsene vom Naturschutzverband Südpfalz, um die Eimer mit den Tieren sicher über die Straße und in das tiefgelegene Feuchtgebiet zu tragen. Am Mittwoch waren die Kinder des Scheibenhardter Kindergartens „Sonnenschein“ zu Besuch und haben geholfen Michael Löhle hat den Kindern dicke Springfrösche gezeigt, die immer aus den Eimern hüpfen wollten. Philipp hat einen sogar angefasst, „kalt und etwas glibberich“, hat er den Frosch beschrieben, „Diese Tiere sind wechselwarm und können sich den Temperaturen anpassen“, erklärt daraufhin Johannes Becker vom Forstamt. Angst vor den Tieren haben die Kinder überhaupt nicht, denn oft spielen sie in Scheibenhardt noch draußen in der Natur. In einem anderen Eimer waren kleinere Bergmolche und die Kinder haben die orangefarbenen Bäuche lustig gefunden. Und dann ist ihnen das Märchen vom Froschkönig eingefallen, aber die beiden Mädchen Johanna und Emilie haben natürlich keinen Frosch küssen wollen. Sowieso weil sie nicht daran glauben, dass er sich dann zum Prinz verwandelt. Mit den Tieren geht es dann sicher über die Straße und man hat ihnen ihre Freude angesehen, als sie glücklich ins Wasser gehüpft sind. Ganz oft sind die Tiere Huckepack, gesprungen. Die kleineren Männchen setzen sich auf die dickeren Weibchen und lassen sich tragen. Die weiblichen Tiere tragen nämlich schon den Laich – so nennt man die Froscheier – der dann befruchtet wird. Als Laich werden die Eier von allen Tieren bezeichnet, die diese im Wasser ablegen. Dazu gehören neben den Fröschen, die auch Amphibien genannt werden, auch die Fische in unserer Nachbarschaft. Mein kleiner Bruder Nals hat das mit dem Laich und mit den Männern, die quaken und von den Frauen getragen werden nicht so ganz verstanden. Das Thema Fortpflanzung ist ja bei uns Bibern etwas anders, aber wir werden es Nals später nochmals erklären: Jetzt sind wir erst mal froh, dass wieder viele Erdkröten, Spring- , Gras- und Grünfrösche und verschiedene Molcharten vor dem Tod durch drüberfahrende Autos gerettet wurden. Wie viele Tiere es dieses Jahr waren, kann noch nicht endgültig berichtet werden.