Kreis Germersheim „Können Sie in Ihrer Firma mitreden?“

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Mit der RHEINPFALZ-Lokalredaktion Germersheim-Wörth sprach der 42-jährige Neu-Landauer Ralf Köhler über die Schwerpunkte seiner Arbeit und verriet, wie er den zerstrittenen Betriebsrat des Mercedes-Werkes in Wörth befrieden will. Zuvor waren Sie Bevollmächtigter in der IG Metall-Kooperationsregion Cottbus und Südbrandenburg. Was sind die augenfälligsten Unterschiede zwischen Ihrer alten und neuen Heimat? Wir haben hier einen Betrieb mit IG-Metall-Einfluss, der für vieles maßgeblich ist. Wenn es dem Daimler gut geht, geht es vielen in der Umgebung gut und wenn wir Probleme haben – auch innerorganisatorische –, dann hat das negative Auswirkungen, die sich auch bei anderen Betrieben niederschlagen. In meinem bisherigen Verantwortungsbereich hatte ich das in dieser Breite nicht. Obwohl es auch Großunternehmen gab, wie zum Beispiel Vattenfall in der Braunkohleverstromung. Die wurden zwar von anderen Gewerkschaften betreut, haben aber natürlich auch auf die Service- und Dienstleistungsunternehmen ausgestrahlt. Was ist mit der pfälzischen Lebensart? Ich muss schon ein wenig aufpassen, dass meine Leber keinen Schaden nimmt (lacht). Sie starten keineswegs in ruhigem Fahrwasser. Eine ihrer wohl wichtigsten Baustellen haben Sie schon genannt: Die anhaltende Uneinigkeit im Daimler-Betriebsrat und auch innerhalb der IG-Metall-Fraktion dort. Inwieweit kennen sie das Problem und wie wollen Sie es angehen? Ich hatte ja schon seit November die Gelegenheit, mir einen Einblick zu verschaffen, die Kollegen kennenzulernen und mit Verantwortlichen zu reden. Also ist mir die Historie teilweise bekannt. Mein Angebot an alle, die guten Willens sind, lautet: Lasst uns einen Neustart versuchen. Denn es ist unsere Verantwortung, für die Leute, die dort schaffen – Arbeiter, Angestellte, Ferienarbeiter –, eine möglichst gute Interessenvertretung zu machen. Das werden wir nicht schaffen, wenn wir uns nur mit uns selbst beschäftigen. Die bisherigen Gespräche geben mir Anlass zur Hoffnung, dass sich die Situation bessert. Könnten Sie etwas konkreter werden? Nun, es gibt in der Belegschaft die Wahrnehmung, dass der Betriebsrat zerstritten ist und nicht einheitlich die Interessen der Kolleginnen und Kollegen vertritt. Hinzu kommt, dass die Arbeitnehmervertreter mit IG-Metall-Mandat im Gremium auch noch verschiedene Positionen vertreten. Hier haben wir einen Beginn gemacht mit einem zweitägigen Klausurworkshop der Fraktion. Zusätzlich besteht das Angebot, an solche Betriebsräte, die nicht zur Fraktion gehören, an diesem Dialog teilzunehmen. Wir passen aber auch unsere ehrenamtlichen Strukturen mit den Gewerkschaftsmitgliedern und Vertrauensleuten, die vor Ort die Ansprechpartner sind, entsprechend an. Um sie stärker einzubinden und auch die Kommunikation zwischen Betriebsrat und Belegschaft zu stärken. Und ist diese Strategie erfolgreich? Bei der zurückliegenden Auseinandersetzung im Global Logistic Center in Germersheim hat man schon deutlich gemerkt, dass die Mischung aus Information, Transparenz und Mobilisierung gegen gewisse Vorhaben der Arbeitgeber bei der Belegschaft ausgesprochen gut ankommt. Wenn sich die Leute aufgenommen fühlen und ihre Probleme nicht nur Eingang finden, sondern sie auch Rückmeldung erhalten, so dass Verbindlichkeit erkennbar wird, hilft das auch der IG Metall, sichtbarer zu werden. Wir haben den Anspruch, für deutlich mehr als die Hälfte der Belegschaft Interessenvertretung zu sein. Das heißt, wir wollen die Mehrheit organisieren und im Ernstfall auch mobilisieren. Das ist aber nicht der Ist-Zustand. Wie wollen Sie mehr Mitglieder gewinnen. Die Frage, „können sie bei den Entscheidungen, die sie selbst betreffen, auch mitreden“, ist eigentlich für jeden Arbeitnehmer relevant. Das betrifft den jungen Familienvater, der gerade bauen will, genauso wie den gestandenen älteren Mitarbeiter im gewerblichen Bereich oder den hochqualifizierten Mitarbeiter mit Vertrauensarbeitszeit. Sie haben in ihrer Antrittsrede besonders den Geist der Solidarität herausgestellt. Wurde dieser Grundgedanke in der Gewerkschaftsarbeit hier vor Ort vernachlässigt? Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Ellenbogenmentalität nicht nur in der Gesellschaft insgesamt, sondern auch unter den Beschäftigten zugenommen hat. Jeder kämpft für sich alleine, um den besten Stand und die besten materiellen Bedingungen. Dass drückt sich in den Betrieben dadurch aus, dass wir häufig kleinere Kernbelegschaften haben und größere Ränder, also Leiharbeiter, Dienstleister und so weiter. Was ich mit Solidarität meine, ist eine uneigennützige Unterstützung für andere. Wie es sie zum Beispiel bei der Daimler-Stammbelegschaft im Herbst und Winter gegeben hat, als es um die Vertragsverlängerung für die Leiharbeiter ging. Es geht also auch anders. Dass kann sich sowohl bei gemeinsamen Veranstaltungen auswirken als auch im internen Austausch der Arbeitnehmervertreter. Das wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein: Die Leute sollen sich nicht nur kennen, sondern sich vernetzen. Wir wollen zum Beispiel ein Netzwerk der Dienstleister, Logistiker und Servicepartner bei Daimler schaffen, wo die Arbeitnehmervertreter aus diesen Betrieben, mit denen im Werk kooperieren. Ich denke da etwa an Syncreon in Speyer oder Remus und Neovia, die hier in Wörth auf dem Werksgelände tätig sind. Hier wollen wir sowohl das Thema Tarifbindung als auch die Bildung von Betriebsräten auf die Tagesordnung setzen. Sonst entsteht der Eindruck, diejenigen Arbeitnehmer, die nicht im Kernbereich tätig sind, sondern am Rand, seien automatisch schlechtergestellt, was sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Betreuung durch die Gewerkschaft angeht. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass es in der Region noch viele andere Betriebe gibt, die Sorgen und Probleme haben: Nolte, Schaidt Innovations, Dinex in Haßloch. Hier ist ebenso Solidarität und Unterstützung gefragt. Kommen wir zum anstehenden Tarifkonflikt. War es eine gute Idee, so kurz davor die Führung auszuwechseln? Es gibt einen regulären Wahlzyklus und der hat eben jetzt geendet. Das ist nichts Ungewöhnliches. Zudem hatte ich ja schon einige Monate lang Zeit, mich einzuarbeiten. Von daher passt es. Wie blicken Sie auf den bevorstehenden Arbeitskampf? Wir beginnen jetzt erst mal mit Warnstreiks. Die werden die großen aber auch kleinere Betriebe in der Region einbeziehen. Die Arbeitgeber haben sich aber so sehr eingemauert in ihrer Argumentation, dass ich eine harte Auseinandersetzung erwarte. Bis Mitte Mai ist alles so weit vorbereitet. Dann wird sich entscheiden, ob es vor Pfingsten einen Kompromiss gibt oder wir in eine weitere Eskalation einsteigen.

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