Rülzheim
ITK: Vom Kellerbüro zum internationalen Technikspezialisten
Der Mobilitätsbereich mit Elektromobilität, automatisierter oder vernetzter Mobilität, mit Software definierten Fahrzeugen, der Bahntechnik und mehr ist ein wichtiges Standbein der ITK Engineering GmbH. Doch denkt man an die Anfänge, „so gibt es ein Foto von ITK-Gründer Michael Englert mit einem Roboterarm in seinem Kellerbüro“, sagt der neue CEO Alexander Huber. Es gibt „immer noch Robotikprojekte, an denen gearbeitet wird“. ITK hat mit den Bereichen Healthcare und Industrie weitere Standbeine, sagt Huber, der seit Juni 2015 Teil von ITK ist und sich acht Jahre lang für den Bereich Medizintechnik verantwortlich zeichnete. Seit 2024 kamen weitere Geschäftsbereiche dazu. Technik fasziniert den neuen CEO, der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Elektrotechnik studierte und danach über angewandte Lasertechnik an der FAU Erlangen-Nürnberg promovierte.
Rülzheim bleibt Herzstück
Auf die Probleme beim Mutterkonzern Bosch angesprochen, auf die Entlassungen von Mitarbeitern, sagt Huber: „Rülzheim bleibt das Herzstück von ITK.“
Rund 450 Mitarbeiter der insgesamt 1250 Mitarbeiter weltweit arbeiten am pfälzischen Hauptsitz. 200 weitere in München Holzkirchen. Über eine natürliche Fluktuation sei auch bei ITK Personal reduziert worden. Aus gutem Grund sei bei der Integration von ITK in die Boschgruppe jedoch darauf geachtet worden, dass der Rülzheimer Technikspezialist „eine eigenständige Marke bleibt“, sagt Huber. Seit vielen Jahren genieße das Unternehmen das Vertrauen seiner Kunden. Man sei einer der führenden Entwicklungspartner im Digital Engineering. ITK wolle seine Aktivitäten weiter internationalisieren und neue Wachstumsmärkte erschließen.
Stärkere Fahrerüberwachung
So gibt es beispielsweise in der Mobilität und Healthcare eine Schnittmenge – nämlich bei der Überwachung des Fahrers. Viele moderne Fahrzeuge haben bereits eine Fahrerüberwachung, die den Fahrer warnt und mahnt, Pause zu machen, wenn er müde wird. Das funktioniert unter anderem über die Überwachung der Pupillen. Doch ereignen sich Unfälle auch, weil Autofahrer unter Diabetes leiden, wegen niedrigen Blutdrucks ohnmächtig werden oder während der Fahrt einen Herzinfarkt erleiden. Hier wird ITK zufolge daran gearbeitet, mit Hilfe von Kameras, Sensoren und Software unter anderem die Mimik zu überwachen, damit das Fahrzeug merkt, wenn es dem Fahrer gesundheitlich nicht gut geht und letztlich eingreifen kann.
Ingenieure mit Leidenschaft
Ein anderes Feld, das erschlossen werden soll, ist der Bereich Maritim. Die Ingenieure und Informatiker bei ITK haben viel Know-how im Bereich automatisiertes Fahren. Viele Fahrzeuge sind heute in der Lage, mit entsprechenden Assistenzsystemen selbstständig einzuparken. Denkbar ist so etwas beispielsweise auch bei einem Kreuzfahrtschiff, das in einen Hafen einfährt und dort anlegen möchte. Das sei eine Herausforderung, der sich die Ingenieure und Informatiker gerne stellen. „Diese haben eine Leidenschaft für Technologie und Innovation“, sagt der CEO.
Herausforderndes Jahr
Weitere Wachstumsfelder sind für ITK Huber zufolge auch die Felder „Halbleiter, Robotik, Cloud-Anwendungen sowie im Consulting“. Gerade der Halbleitermarkt sei ein stark wachsender Markt. Hier entwickelt ITK zusammen mit seinen Kunden Steuergeräte – auf Wunsch komplett inklusive Software, Hardware und Mechanik. Durch die globale Stimmung und andere Widrigkeiten hat auch ITK im Bereich Automotive ein schwieriges Jahr hinter sich. „Es war herausfordernd, dennoch sind wir gut durchgekommen“, sagt Huber. Seit ITK eine 100-prozentige Tochter von Bosch ist, werden keine Zahlen mehr veröffentlicht, sagt er auf Nachfrage. Huber sieht ITK dennoch auf gutem Kurs. „Das Kerngeschäft ist der externe Markt“, sagt Huber auf die Frage, ob ITK viele Aufträge von Bosch erhält.
Auslandsgeschäft stärken
Der Bedarf an der Expertise des Unternehmens wächst. „Was ist in einem bestimmten Zeithorizont möglich“, nennt Huber eine Frage aus dem Bereich Consulting in der Industrie, wenn es darum geht, beispielsweise Produktionsabläufe umzustellen. Die Erstellung eines digitalen Zwillings, also die virtuelle Abbildung eines physischen Objekts, Prozesses oder Systems, „hilft Unternehmen letztlich, Kosten zu sparen“, sagt Huber. Viele Dinge werden inzwischen virtuell simuliert, dies helfe auch, Probleme zu lösen. ITK versucht auch über seine Niederlassungen im Ausland neue Geschäftsfelder zu erschließen. Alexander Huber nennt hier als Beispiel den Bahnbereich, der in Europa wachsen soll. Perspektivisch zeigt sich der CEO „sehr optimistisch“.