Rülzheim RHEINPFALZ Plus Artikel Firmengründer verlässt ITK zum Jahresende

Firmengründer und CEO der ITK Engineering GmbH, Michael Englert, in seinem Büro im Rülzheimer Firmensitz im Jahr 2021.
Firmengründer und CEO der ITK Engineering GmbH, Michael Englert, in seinem Büro im Rülzheimer Firmensitz im Jahr 2021.

1994 hat Michael Englert in einem Kellerbüro ITK Engineering aus der Taufe gehoben. Sein Ziel und das des Unternehmens war und ist „Intelligenz in die Maschine zu bringen“. Nun steht ein Stabwechsel für die 1300 Mitarbeiter an. Doch so ganz wird der Firmengründer nicht weg sein.

„Die Nachwehen der Pandemie werden wir erst viel später merken“, ist sich Michael Englert, Firmengründer von ITK Engineering sicher. Im Firmensitz im Speyerer Tal ist es still. Nur wenige Mitarbeiter sind durch die gläsernen Wände zu sehen. Viele arbeiten mobil, sind also zuhause, was Englert zufolge ganz gut funktioniert hat. Geplant sei jedoch schon, dass es wieder mehr Präsenz im Firmensitz gebe.

Der Firmensitz befindet sich seit 2013 in Rülzheim, zuvor war das Unternehmen in Herxheim eingemietet. Doch es war ein Kellerbüro in Kuhardt, in dem 1994 alles begann. Seitdem ist viel passiert und aus dem Regeltechniker Michael Englert der CEO (Chief Executive Officer) – oder auf deutsch Geschäftsführer – eines Unternehmens geworden, das weltweit rund 1300 Mitarbeiter hat, davon zirka 600 am Standort Rülzheim. Zuletzt wurde im August, in Wuxi (China) ein Büro eröffnet. Doch die Zeit von Michael Englert im Unternehmen endet.

Stabwechsel steht fest

„Am 1. Oktober werde ich den Stab an meinen Nachfolger weitergeben“, sagt der Kuhardter. Sein Nachfolger, der seit 1. Juli im Unternehmen eingearbeitet wird, ist Dr. Frank Schmidt, promovierter Elektrotechniker an der Uni Kaiserslautern und seit 2016 Mitglied der Geschäftsführung und CTO (Chief Technical Officer/Technik-Chef) der Bosch Engineering GmbH. „Ein Regeltechniker wie ich“, sagt Englert. Ab dem Zeitpunkt werde er sich immer mehr zurückziehen und am 31. Dezember 2021 das von ihm gegründete Unternehmen, das 2017 eine Tochter der Bosch GmbH geworden ist, verlassen.

Angst vor „der Rente“ hat Michael Englert nicht. „Ich bleibe ITK Engineering immer verbunden“, sagt der Gründer. Einerseits, weil er in der Region wohne, andererseits sei er der Vermieter der Immobilien. „Die Geschäftsbeziehung bleibt erhalten.“ Er gehe natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Ersteres, weil er mehr Zeit für die Familie, für Enkelkinder habe, mehr Sport machen könne, Dinge tun, für die er bisher weniger Zeit hatte. Das weinende Auge sei ein Symbol für ein Gefühl, „wie wenn die Tochter aus dem Haus geht“, verdeutlicht Englert, dass ihm der Abschied doch nicht so leicht fällt. „Man hat etwas aufgebaut, kennt Mitarbeiter, die fast von Anfang an mit dabei waren, die noch hier sind“, sagt der 62-Jährige. „Das ist die emotionale Komponente.“

Intelligenz für Maschinen

Die Arbeit für die Kunden ist Englert zufolge von Beginn an bis heute eigentlich die gleiche: „Wir machen die Maschinen intelligenter“. Geändert haben sich die Methoden, doch Algorithmen werden immer eingebunden. Künstliche Intelligenz, Big Data habe sich in der Welt verankert. IKT sei an der Front, gestalte die Entwicklung mit. Das Geschäftsmodell funktioniere, denn es werden immer individuelle Lösungen für die Auftraggeber erarbeitet. Ein „geht nicht, gibt es bei ITK nicht“, sagt der CEO.

Die Automobilbranche befinde sich im Wandel. In den E-Fahrzeugen gebe es noch viel zu tun. Die Rechnerstruktur müsse sich ändern: Derzeit „haben wir 120 bis 150 Micro-Rechner in Oberklasse-Fahrzeugen verbaut“. Dies müsste auf drei bis vier reduziert werden. So könnten Remote-Updates (ferngesteuerte Softwareaktualisierungen, Anmerk. der Red.) umgesetzt werden, „ohne dass der Fahrer etwas mitbekommt“. Englert blickt in die vielleicht nahe Zukunft, wenn er sagt, dass Leistung für ein Fahrzeug für eine gewisse Zeit, beispielsweise am Wochenende, hinzugebucht werden kann. Solch ein gravierender Wandel begleite ITK von Beginn an mit.

Technikoffenheit gefordert

Michael Englert plädiert für Technikoffenheit: „Monokulturen sind nicht gut.“ Seiner persönlichen Meinung nach sei das Aus für den Verbrennungsmotor, für den Diesel, ein falscher Weg. „Die modernen Motoren können noch viel mehr“, ist der Elektrotechniker überzeugt. „Wir brauchen die Vielfalt“, sagt der Firmenchef mit Blick auf Wasserstoff-Motoren, Brennstoffzelle, E-Fahrzeuge und Verbrennungsmotoren. Es gebe noch viel zu tun bei der Ladeinfrastruktur oder Wasserstoff-Tankstellen. „Zu polarisieren ist falsch.“

Dieser Blick in alle Richtungen wird Michael Englert nach seiner Stabübergabe an seinen Nachfolger und seinem Ausscheiden vielleicht auch beim Technologie-Netzwerk Südpfalz weiterbringen. Einsetzen möchte er sich dort unter anderem für die Ausbildung von Fachkräften, die dringend in der Region benötigt werden. Deshalb sei der Automotive-Studiengang in Kooperation mit der Hochschule Kaiserslautern nicht vom Tisch. Das sei eines der Projekte, um die sich der 62-Jährige verstärkt kümmern möchte. Gefordert werde er „als Vermieter“ mit dem Bau des dritten Gebäudes für ITK werden. Ende dieses Jahr oder spätestens zu Beginn des kommenden Jahres werde auf der Fläche zwischen ITK und MTS im Gewerbegebiet das Restaurant für die Firmen gebaut. In den oberen Stockwerken werde es Bürofläche geben. Die Arbeit scheint für Michael Englert – trotz des nahenden Ruhestands– nicht auszugehen.

Michael Englert 1994 in seinem Kellerbüro in Kuhardt bei der Entwicklung eines Steuerungssystem für einen Teleroboter.
Michael Englert 1994 in seinem Kellerbüro in Kuhardt bei der Entwicklung eines Steuerungssystem für einen Teleroboter.
Das Büro von Michael Englert 1994 im Keller.
Das Büro von Michael Englert 1994 im Keller.
ITK-Ingenieure bringen 2015 Intelligenz in die Maschine, in dem Fall ein „Roboterarm“.
ITK-Ingenieure bringen 2015 Intelligenz in die Maschine, in dem Fall ein »Roboterarm«.
Die beiden ITK Gebäude im Rülzheimer Gewerbegebiet. Der Firmensitz (re.) wurde 2013 eingeweiht, das zweite Bürogebäude 2018. Die
Die beiden ITK Gebäude im Rülzheimer Gewerbegebiet. Der Firmensitz (re.) wurde 2013 eingeweiht, das zweite Bürogebäude 2018. Dieses Jahr wird wieder gebaut.
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