Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Investor will auf Obi-Markt-Gelände Logistikzentrum bauen

So könnte das Logistikzentrum in einer ersten Visualisierung aussehen.
So könnte das Logistikzentrum in einer ersten Visualisierung aussehen.

Seit Jahren liegt die ehemalige Obi-Fläche an der Einfahrt zum Gewerbegebiet „Horst“ brach. Pläne für ein großes Logistikzentrum sorgen jetzt für Skepsis in der Kommunalpolitik. Investor und Entwickler versprechen CO2-Neutralität und besondere Einrichtungen für Lastwagenfahrer.

Das „Filetstück“ bietet schon länger einen tristen Anblick: Der Obi-Markt an der Zufahrt zum Gewerbegebiet ist seit Ende 2014 geschlossen. Ursprünglich hatte Investor Jean-Pierre Baron geplant, zum Herbst 2015 in dem Gebäude einen exklusiven Gartenbaumarkt mit Gastronomie zu eröffnen. Doch dann hatte sich das Vorhaben erst verschoben, später ganz zerschlagen. „Wir hatten ja ambitionierte Pläne. Aber es hat sich nicht als möglich erwiesen, da eine Handelsnutzung hinzubekommen“, sagte Baron in der jüngsten Sitzung des Stadtrats.

Große Nachfrage nach Logistikflächen

Allerdings gebe es eine erhebliche Nachfrage nach Logistikflächen. „Eine Vielzahl von Interessenten kam auf mich zu“, sagte Baron. Er war gekommen, um im Rat für die Ansiedlung einer Branche zu werben, die wenig beliebt ist. Stichworte sind hier Verkehrsaufkommen und parkende Lastwagenfahrer, sowie die damit verbundenen Verunreinigungen. „Mir ist klar, dass Logistikimmobilien keine Begeisterungsstürme auslösen“, sagte Baron. Deshalb hatte er Alexander Hund von der DFI mitgebracht.

Die DF Industrial Partners AG wurde 2019 gegründet. Das Unternehmen ist eine Tochter der Dietz AG in Bensheim, die sich seit Jahrzehnten auf Immobilienentwicklung spezialisiert hat. Bei der DFI stehe die Nachhaltigkeit in jeglicher Hinsicht im Fokus, erläuterte Hund. Zunächst bei der Energiegewinnung, die aus einer Kombination aus Photovoltaik und Geosonden bestehen könnte. Auch bei der Architektur und den Baumaterialien sollte der Nachhaltigkeitsaspekt im Vordergrund stehen. „Wir wollen ein lokaler Partner sein, Fragen beantworten, Ängste nehmen“, sagte Hund.

Vorzeigeprojekte sind ein Puma-Werk in Geiselwind (Unterfranken), dieses ist CO2-neutral und nach dem Leed- Gold, einem System zur Klassifizierung für ökologisches Bauen, zertifiziert. Während hier noch Öko-Energie dazugekauft wird, soll in einem Modellprojekt auf dem ehemaligen Kraftwerksareal in Mülheim-Kärlich der 24-Stunden-Betrieb komplett mit Energie fahren, die vor Ort erzeugt wird.

Auch Architektur soll nachhaltig sein

So könnte das Projekt in Kandel aussehen: Ein Baukörper mit 16.000 Quadratmetern Grundfläche. Darin enthalten ist ein Zwischengeschoss von 2700 Quadratmetern und einer Höhe von zwölf Metern. 73 Stellplätze sind geplant, 16 Docks zum Be- und Entladen. „Eine moderne Architektur, kein graues Wellblech“, sagt Alexander Hund. Also holzbeschichtete Fassaden und ein sogenannter transluzenter Bau, damit Arbeit unter Tageslicht möglich ist. Angestrebt wird CO2-Neutralität über die Nutzung von Photovoltaik, Geothermie und Bauteilaktivierung. Dabei führen Rohrleitungen Wasser oder Luft durch Wände, Decken oder Böden und nutzen die Speichermassen dieser Bauteile zur Temperaturregulierung.

Ein wichtiger Punkt: Zu den Lastwagenstellplätzen sind entsprechende Sanitäranlagen geplant. „Wenn die Fahrer am Wochenende kommen, was machen sie dann?“, fragte Baron rhetorisch. Also soll es zum Beispiel auch Snackautomaten geben. „Logistik bedeutet nicht nur reiner Umschlag“, sagte Baron. Der Betrieb soll an sieben Tagen 24 Stunden laufen, zwischen 40 und 50 Arbeitsplätzen geschaffen werden.

Doch ähnlich wie die S-Baugrund, die eine Wohnbesiedlung auf dem DBK-Gelände plant, benötigt auch Baron für sein Projekt dringend den Stadtrat. „Es geht nur mit Ihrer Unterstützung“, appellierte er an die Ratsmitglieder. Denn für das ehemalige Obi-Grundstück gilt eine Festsetzung als Sondergebiet, dies müsste der Stadtrat ändern. „Hier könnte eine der nachhaltigsten Logistikimmobilien Deutschlands entstehen.“

Sorge wegen Verkehrsaufkommen

Stadtbürgermeister Michael Niedermeier (CDU) verwies in der Diskussion darauf, dass Logistik nicht gleich Logistik sei, „vielleicht ist auch eine Vorfertigung möglich“. Es sei ein zweischneidiges Schwert, lautet die Einschätzung des Beigeordneten Michael Gaudier (CDU): „Wir wollen keinen reinen Umschlagplatz, wollen wissen, was in der Kiste passiert.“ Deshalb werde man darauf achten, dass zum Beispiel Sanitär- und Aufenthaltsräume für die Mitarbeiter, von denen möglichst viele vor Ort arbeiten sollten, eingeplant werden. Aussagen zum Verkehrsaufkommen vermisste Ursula Schmitt-Wagner (Grüne). Es gehe um das Erscheinungsbild an der Einfahrt, sagte Markus Jäger-Hott (SPD), „das wird ein Streitpunkt sein“.

Derzeit stehe dort nur eine nicht genutzte Immobilie mit viel Bewuchs, entgegnete Baron. „Sie werden keine Produktionsstätte dahin bekommen“, die Firma DBK sei von Kandel nach Rülzheim umgezogen, ITK habe sich direkt dort angesiedelt: „Das haben vorherige Räte verpasst.“ Allerdings funktioniere gerade im Pandemiejahr 2020 ein Wirtschaftszweig besser als vorher: „Das ist Logistik, das ist vermutlich die beste Option, die wir in den nächsten Jahren bekommen werden.“

Verkehr gebe es bei einem Logistikunternehmen wohl mehr als derzeit zum brachliegenden Grundstück. „Aber nicht mehr als zum großflächigen Einzelhandel.“ Die Lage sei ideal: „Wir umfahren keine Wohngebäude bis zur Autobahn“, sagte Baron. „Wenn ein Standort dafür prädestiniert ist, dann hier.“

Eine sehr pragmatische Sicht äußerte Achim Eich (Linke): „Wir können das noch 20 Jahre ,Filetstück’ nennen, aber davon wird es nicht schöner“, gab er zu bedenken. „Ich bin über jeden Investor froh.“ Nun werden sich zunächst die Ausschüsse mit dem Projekt befassen. Auch Baron betont, dass die Weiterentwicklung in enger Abstimmung mit den städtischen Gremien erfolgen werde.

Der ehemalige Obi sollte zum Gartenmarkt werden. Unser Bild stammt aus dem Jahr 2015, als der Umbau noch lief.
Der ehemalige Obi sollte zum Gartenmarkt werden. Unser Bild stammt aus dem Jahr 2015, als der Umbau noch lief.
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