Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Influenza-Lage: Auch Soldaten bekommen die Grippe

Die meisten Grippepatienten kurieren sich zu Hause aus.
Die meisten Grippepatienten kurieren sich zu Hause aus.

Influenza-Kranke in den Kliniken, Erkrankte auch in der Kaserne. Doch kann man im Kreis gerade von einer Welle reden? Und was wurde eigentlich aus Corona?

Vermehrte Influenza-Erkrankungen, bei denen auffällig sei, dass sie sich zum Teil atypisch präsentieren und häufiger stationär behandelt werden müssen. Das ist die Einschätzung von Frank Lambert, Geschäftsführer der Asklepioskliniken in Germersheim und Kandel. „Dies bedeutet für unsere Kliniken aufgrund der erhöhten Schutzmaßnahmen einen erhöhten organisatorischen, personellen und räumlichen Aufwand“, so Lambert. Parallel dazu beobachte man, dass mehr Menschen mit Atemwegsinfekten in die Notaufnahme kommen. „In der überwiegenden Mehrzahl dieser Fälle besteht keine medizinische Notwendigkeit für eine stationäre Aufnahme“, so Lambert. Dennoch werde natürlich jeder Fall geprüft und sicher abgeklärt.

Trotz dieser erhöhten Anforderungen gebe es beim Krankenstand des Personals aktuell keine Auffälligkeiten. Dazu trägt nach der Einschätzung des Geschäftsführers auch die konsequente Umsetzung der Infektionsschutz- und Hygienekonzepte im Klinikalltag bei. Zwar gebe es weiterhin Coronainfektionen, doch diese spielten zahlenmäßig eine untergeordnete Rolle, so Lambert.

Keine Corona-Impfung mehr

„Corona ist noch ein bisschen da“, lautet auch die Einschätzung des Hausarztes Peter Nienhaus in Minfeld. Allerdings sehe man keine schweren Verläufe mehr. Covid-19 sei jetzt „eher ein Erreger, der seinen Weg durch die Kindergärten findet.“ Deshalb wird in seiner Praxis auch nicht mehr gegen Corona geimpft. Das liegt auch daran, dass es im Gegensatz zu anderen Impfungen hier noch immer keine Einzeldosen gibt.

Insgesamt gebe es zumindest in seiner Praxis keine besonders hohe Krankheitslast, so Nienhaus. „Es ist ein normaler Winter, es ist etwas kälter.“ Natürlich habe er dabei auch schon „hochfieberhafte Infekte“ gesehen und Menschen, denen es mit Durchfall, Erbrechen richtig schlecht ging. Davon seien auch einige Patienten im Krankenhaus gelandet.

Virus soll sich in Kaserne nicht ausbreiten

„Wir sind ein Spiegel der Gesellschaft. Das Virus macht am Kasernentor nicht halt.“ Das antwortete der Leiter des Sanitätszentrums in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim, Oberfeldarzt Christian Safar, auf die Frage, ob und inwieweit die Soldaten von der aktuellen Grippe-Welle betroffen sind. Er spricht von vielen Fällen, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Nur so viel: Allein in der vergangenen Woche habe es in einer Kompanie drei schwerwiegende Influenza-Fälle gegeben. Zudem gebe es zahlreiche Erkältungsfälle mit teilweise ähnlichen Symptomen. Einige Soldaten seien aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufs zur stationären Behandlung in ein ziviles Krankenhaus überwiesen worden. Denn das Sanitätszentrum verfüge über keine Bettenstation.

Zudem würden Vorsichtsmaßnahmen getroffen, damit sich das Virus in der Kaserne, wo die Soldaten teils auf engstem Raum zusammenleben, nicht zu sehr ausbreitet. Dazu werden laut Safar die Soldaten ärztlich überwacht, die Kontakt zu einem Influenza-Infizierten hatten, selbst wenn sie keine Symptome zeigten. Der Oberfeldarzt verweist auf eine teils sehr enge Kooperation nicht nur mit der öffentlich-rechtlichen Aufsicht, dem bundeswehreigenen Gesundheitsamt, sondern auch mit dem Kreis-Gesundheitsamt in Germersheim, um eine Ausbreitung des Influenza-Virus möglichst zu verhindern.

Je nach Alter unterschiedliche Impf-Dosierung

Eine Möglichkeit die Ausbreitung des Virus zu verhindern ist, sich impfen zu lassen. Das geschieht beim Arzt oder bei speziell ausgebildeten Apothekern, die den Impfstoff auch anderweitig verkaufen – an Ärzte. Doch manchmal ist der nicht verfügbar, berichtet Apotheker Michael Walch von der gleichnamigen Apotheke in Germersheim, in der nicht geimpft werde. So habe es im Dezember längere Zeit keinen Grippe-Impfstoff gegeben. Derzeit sei er wieder verfügbar, sowohl der höher dosierte Impfstoff für ältere Menschen ab 60, als auch der geringer dosierte für jüngere. Walch verweist darauf, dass die Hersteller teilweise nachsteuerten, sprich, ihre Vorräte an Seren unter Umständen von einem ins andere Land umleiten, wenn in einem nicht so viele schlimme Verläufe aufgetreten sind wie erwartet.

Walch erzählt, dass er derzeit auch sehr viele Präparate gegen Erkältungen verkauft, wobei zu Beginn oft gar nicht klar sei, ob es nicht doch eine Grippe ist aufgrund ähnlicher Symptome. So verkaufe er von einem bestimmten Präparat zu normalen Zeiten 50, 60 Packungen pro Monat, jetzt seien es 150, 20 mehr als noch vor einem Jahr. Nach den Erfahrungen aus der Corona-Zeit ziehe auch der Verkauf von Multi-Schnelltests auf Corona, Influenza A und B, RS- und Adeno-Virus, beide lösen Atemwegserkrankungen aus, wieder an. Im Dezember habe er 155 solcher Tests verkauft, im Januar bisher 73. Die Erkrankten prüften nach, ob sie wieder gesund sind, so Walch. Zudem habe er festgestellt, dass wieder mehr Menschen mit Mund-Nasen-Schutz-Maske unterwegs sind, um sich und andere zu schützen.

Empfehlung für weitere Impfungen

In der Praxis von Hausarzt Nienhaus in Minfeld wurde im Herbst wieder „die übliche Dosis“ an Influenza-Impfungen verabreicht. Der Mediziner empfiehlt zudem dringend eine RSV-Impfung, da das respiratorisches Synzytial-Virus für ganz kleine Kinder, aber auch für Ältere oder vorbelastete Menschen eine große Gefahr darstellen kann. Auch über einen Impfung gegen Lungenentzündung sollte man nachdenken, eine Impfung gegen Gürtelrose sei vor allem für Risikogruppen sinnvoll, so Nienhaus.

Und was sind die offiziellen Zahlen? Das Landesuntersuchungsamt in Koblenz bekommt von den Gesundheitsämtern gemeldet, wenn Influenza nachgewiesen wurde. Da aber nicht jeder mit Grippesymptomen zum Arzt geht und nicht von jedem Patienten eine Probe zur Untersuchung geschickt wird, werden bei Weitem nicht alle Fälle erfasst. Der Trend ist aber klar: In der zweiten Kalenderwoche 2026 wurden landesweit 1102 Influenzafälle gemeldet, in der Woche davor waren es 663. Zudem hat die Grippewelle früher begonnen als im vergangenen Jahr.

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