Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel In neuen Händen: Hubert Nuss übergibt seine Fahrschule

Hubert Nuss (links) und Andreas Deck kennen sich schon lange.
Hubert Nuss (links) und Andreas Deck kennen sich schon lange.

Andreas Deck übernimmt die Fahrschule Nuss und führt sie unter seinem Namen weiter. Ganz aufhören wird Hubert Nuss aber nicht.

Nach 63 Jahren wird in der Kandeler Fahrschule ein neues Kapitel aufgeschlagen: Der Inhaber Hubert Nuss tritt kürzer und hat am 1. Juni den Traditionsbetrieb an seinen Kollegen Andreas Deck übergeben. Der 57-Jährige hat bereits Standorte in Steinweiler, Bad Bergzabern und Landau. Die beiden Fahrlehrer kennen sich schon lange, können gut miteinander und haben, so erzählen sie im RHEINPFALZ-Gespräch, die selben Ansprüche an die Ausbildung.

Mitgefiebert und mitgelitten

Dass Andreas Deck die Fahrschule übernimmt, ist fast ein Kreis, der sich schließt. „Sein Vater hat damals meine Mutter ausgebildet“, sagt Deck. Gerhard Nuss hat die Fahrschule in den 1960er-Jahren gegründet, 1996 hat sein Sohn Hubert übernommen. Für ihn sei schon früh klar gewesen: „Ich will Fahrlehrer werden. Man ist da reingewachsen.“ Man lerne in diesem Beruf viele Leute kennen, werde für manche auch eine Art Vertrauensperson, berichtet der 61-Jährige. „Die Kinder erzählen dir viel, du weißt manchmal mehr als die Eltern.“ Es gab schöne, traurige und lustige Momente in seiner Fahrlehrer-Laufbahn. Nuss erinnert sich an eine junge Frau, die ihm nach der Prüfung ein Schälchen Erdbeeren, die er sehr mag, überreichte – oder an einen Prüfer, der im Auto eingeschlafen ist. Er habe mit den Schülern mitgefiebert und mit Durchfallern gelitten. Seine Frau habe an seinem Gesicht erkannt, wie eine Prüfung gelaufen sei, erzählt Hubert Nuss. Eins ist gewiss: „Wenn man diesen Beruf macht, muss man Menschen gern haben.“

Nicht von heute auf morgen

Die Fahrschule Nuss hat in allen Klassen, inklusive Lkw und Bus, ausgebildet und hatte früher auch in Rohrbach und Billigheim-Ingenheim Standorte. Zuletzt gab es nur noch in Kandel Theorie-Unterricht. Diesen führt der Nachfolger weiter. Deck hat seine Fahrschule 1997 gegründet. Er hat fünf Mitarbeiter, auch die beiden Söhne sind Fahrlehrer. Schon im Januar hat der Familienbetrieb sein Portfolio erweitert und bietet seither Bus- und Lkw-Führerscheine an. Andreas Deck hat diese Klassen schon während seiner Fahrlehrer-Zeit bei der Bundeswehr ausgebildet. „Man findet da schnell wieder rein, das macht Spaß“, sagt er. Außerdem übernimmt er mit Kevin Stöbener einen Fahrlehrer, der Lust auf große Klassen habe. Auch Hubert Nuss wird noch eine Weile mit an Bord bleiben und nach Bedarf unterrichten: „Nach 38 Jahren Sieben-Tage-Woche kann man nicht von heute auf morgen nichts mehr machen“, sagt er lachend.

Das Handy bleibt mal aus

Trotzdem soll künftig viel mehr Zeit für die Familie und für Hobbys bleiben. Gemeinsame Zeit mit den Enkelkindern genießen und Reisen ins Ötztal, nach Italien oder an die Nordsee hat sich Hubert Nuss vorgenommen. Er könne jetzt viel freier und spontaner entscheiden, sagt der 61-Jährige. Das Handy dürfe nun auch mal aus bleiben.

Weniger Fahrstunden, mehr Digital-Unterricht, Ausbildung durch Laien: Die Reformpläne der Bundesregierung für Fahrschulen sehen sowohl Hubert Nuss als auch sein Nachfolger kritisch. „Wir wissen alle nicht, was auf uns zukommt“, sagt Andreas Deck. Die Ausbildung in großen Klassen ist für ihn ein weiteres Standbein. „Die Thematik zehrt an einem“, ergänzt Hubert Nuss. Die Reformen, die im Raum stehen, haben für ihn aber auch etwas Gutes: Sie machen ihm das Fast-Aufhören etwas leichter.

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