Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Führerschein: Warum in dieser Fahrschule weniger Fahranfänger durchfallen

Gunther Hellmann (Mitte) hat vor knapp 40 Jahren die Fahrschule von seinem Vater übernommen. Er wird von den Fahrlehrern Sascha
Gunther Hellmann (Mitte) hat vor knapp 40 Jahren die Fahrschule von seinem Vater übernommen. Er wird von den Fahrlehrern Sascha Knoll (links) und Thorsten Metz unterstützt.

Durchfallen ist teuer. In einer Südpfälzer Fahrschule liegt die Zahl derer, die durch die praktische Führerschein-Prüfung rasseln, deutlich unter dem Bundesschnitt.

Wenn über die Führerschein-Reform gesprochen wird, ist immer auch von hohen Durchfallquoten die Rede. Bundesweit rasselt jeder Dritte beim ersten Mal durch die praktische Pkw-Prüfung. Bei der Theorie sehen die Zahlen nicht besser aus. Es wird Ursachenforschung betrieben. Sind die Theorie-Fragen unverständlich formuliert? Ist der Fragekatalog überfrachtet? Wurde der Verkehr einfach komplexer und welche Rolle spielt Prüfungsangst? Das sind Dreh- und Angelpunkte in der aktuellen Reformdebatte.

„Für viele junge Leute ist es die erste Prüfung, die sie im Leben als Einzelner machen“, sagt Gunther Hellmann. Er betreibt seit 40 Jahren eine Fahrschule in Jockgrim, hat sie vom Vater übernommen. Nervosität bei den Schülern lege sich meistens im Laufe der Prüfungsfahrt. Wichtig sei, dass sie den Tag gut vorbereitet angehen. Schon ein beherzter Handschlag mit dem Prüfer signalisiere Selbstvertrauen, meint Hellmann. Ein wenig nervös sei auch der Fahrlehrer, der zuvor viele Stunden mit dem Prüfling verbracht hat. Gunther Hellmann vergleicht sich mit dem Trainer einer Fußballmannschaft: „Ich will gewinnen.“ Wenn Schüler durchfallen, fühle sich das natürlich nicht gut an.

Wiederholer scheitern häufiger

Ganz so häufig kommt das aber gar nicht vor. Die Durchfallquote in seiner Fahrschule liege in der praktischen Prüfung unter zehn Prozent, sagt der 61-Jährige. Warum das so ist? Eine glasklare Antwort darauf hat der Fahrlehrer selbst nicht. Es sind wohl viele Bausteine, die dazu beitragen: Theorie-Unterricht, der Spaß macht, ein Vertrauensverhältnis und dörfliche Strukturen, aber vor allem eine professionelle Fahrausbildung. „Es funktioniert nur, wenn man sich kümmert.“ Dann seien auch die Fahrschüler motiviert.

Die Motivation der Bewerber, das erläutert auch der TÜV, habe großen Einfluss auf die Bestehensquote. Außerdem spielen „die zunehmende Verkehrsdichte und die höheren Anforderungen im Straßenverkehr eine Rolle“, so eine Pressesprecherin des TÜV Rheinland auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Wer wiederholt, scheitere häufig mehrmals. Wiederholungsprüfungen eingerechnet, liegt die bundesweite Durchfallquote laut Statistik 2025 in der Theorie bei 44 und in der Praxis bei 37 Prozent. Wohlgemerkt: Die Werte sind auf alle Altersgruppen bezogen. Bei den Unter-18-Jährigen fallen nur 35 Prozent durch die Theorie und 24 Prozent durch die praktische Prüfung.

Kontakt geht verloren

Die Führerschein-Reform will den theoretischen Fragekatalog entrümpeln. Der besteht aus knapp 1200 Aufgaben und wird halbjährlich von einer Expertengruppe aus Pädagogen, Statistikern, Fahrlehrern und Prüforganisationen wie dem Tüv überarbeitet. Ja, einige Fragen könne man streichen, meint Gunther Hellmann. Manche Antworten seien verwirrend und kompliziert formuliert. Wenn es um Verkehrs- und Vorfahrtsregeln geht, sollte man hingegen nicht kürzen. Wenn es Verständnisprobleme gibt, könne der Fahrlehrer im Theorie-Unterricht darauf eingehen, so Hellmann. Wenn sich die Schüler – wie vorgesehen – ihr Wissen künftig ausschließlich online aneignen dürfen, falle das weg. Kontakt gehe verloren.

Den klassischen Fehler in der Praxisprüfung gebe es nicht. „An markante Stellen fährt man vorher hin“, erklärt der Fahrlehrer. Was er beobachtet: Wenn der Prüfer sagt, der Schüler solle sich selbst einen Parkplatz aussuchen, neigen viele dazu, den schwierigsten auszuwählen. Das könne dann schiefgehen. Wenn sich Gunther Hellmann ein Bild davon machen möchte, ob ein Schüler oder eine Schülerin zur Theorieprüfung bereit ist, verteilt er gerne noch einen Fragebogen aus Papier. Die Schüler lernen Zuhause aber natürlich modern, mit einer App und einem interaktiven Lehrbuch. Nach hinten los gehe oft, wenn Eltern ihren Kindern Druck machen, sich zur Prüfung anzumelden.

Durchfallen ist teuer

„Durchfallen ist nicht nur deprimierend, sondern richtig teuer“, sagt er. Es werden zusätzliche Prüfungsgebühren fällig, auch die ein oder andere Fahrstunde kommt meistens obendrauf. Da seien schnell ein paar Hundert Euro zusammen. Die Durchfallquoten spielen auch deswegen eine nicht unwichtige Rolle in der Diskussion um die Reform. Letztlich soll der Führerschein ja günstiger werden. Laut Bundesverkehrsministerium kostet er im Schnitt rund 3400 Euro.

Viele Fahrschüler bräuchten heute mehr Stunden als früher, weil die Anforderungen höher sind, berichtet Hellmann. Das wirke sich auf die Preise aus. Die Ausbildung sei umfangreicher geworden. Das bestätigt der Tüv. Mit der Fahrausbildung werde „den komplexeren Verkehrsanforderungen Rechnung getragen“, so die Pressesprecherin. 60 Euro kostet eine Fahrstunde bei Gunther Hellmann. „Das ist im Vergleich zu anderen Dienstleistungen nicht viel“, meint er. Als Beispiel nennt er Stundensätze in Autowerkstätten, die teilweise mehr als 200 Euro kosten. Der Jockgrimer beschäftigt zwei Fahrlehrer. Zu Personalkosten kommen Steuern, Sprit, sonstige Ausgaben. Bei der ganzen Diskussion um Reformen und Kostenreduzierung dürften auf keinen Fall die Verkehrssicherheit und das Niveau der Fahrausbildung leiden. „Man darf es nicht einfach nur billiger machen“, warnt der 61-Jährige.

Die Serie

Der Führerscheinerwerb hat sich gewandelt – und verändert sich weiter. Unsere Serie „Lenken lernen“ beleuchtet Reformpläne und Durchfallquoten, Herausforderungen für Fahranfänger und neue Technologien.

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