Kandel
In das „Haus am Plätzel“ kommt ein Café
Das Fachwerkhaus am Plätzel steht seit August 2013 leer. Bis dahin war der protestantische Kindergarten in dem Gebäude untergebracht. Doch dann musste er quasi über Nacht ausziehen: Nutzungsuntersagung wegen akuter Einsturzgefahr. Das war vor acht Jahren. Seitdem gab es viele Ideen in der Kirchengemeinde, von denen aber keine umgesetzt werden konnte.
Kosten wurden immer höher eingeschätzt
Noch 2013 hatte ein Holzsachverständiger eine erste Einschätzung abgegeben: Damals war von 400.000 Euro für die Wiederherstellung des Rohbaus die Rede. Im März 2015 entschied sich die Pfarrgemeinde deshalb, ihr Gemeindezentrum – einen Bau aus den 1970ern – der Stadt zum Verkauf anzubieten. Damit sollten 480.000 Euro in die Kasse kommen, die wiederum für die Sanierung des Fachwerkhauses geplant waren. Ein Architekt sprach jedoch zwischenzeitlich von 800.000 Euro – ohne dass ein Fachingenieur das Gebäude besichtigt hatte.
Der Plan, dass das Gemeindezentrum in das Fachwerkhaus umziehen könnte, zerschlug sich. Als Knackpunkt erwies sich schließlich die Kombination aus den Vorgaben für den Denkmalschutz und für die Nutzung als öffentliches Gebäude, Stichwort Barrierefreiheit. Ein weiteres Gutachten kam auf Kosten in Höhe von zirka 1,4 Millionen Euro. Gleichzeitig hat die Stadt ihre Pläne, das Gemeindezentrum zu kaufen, nicht weiter verfolgt.
Also sollte das Gemeindezentrum umgebaut werden. Der Bezirkskirchenrat gab allerdings nur unter einer Bedingung grünes Licht für das Projekt: Es musste ein Grundsatzbeschluss vorliegen, der besagt, dass das Gebäude Haus am Plätzel nicht mehr zur Kirchengemeinde gehört. Denn schließlich muss diese für alle gemeindeeigenen Gebäude Rücklagen bilden, die direkt vom Haushalt abgezogen werden. Das betrifft neben dem Gemeindezentrum noch die St. Georgskirche und das Pfarrhaus.
Kein Geld für die Renovierung
Mitte 2020 erklärte Kirchengemeinde, gemeinsam mit der Stadt Kandel nach einer Lösung zu suchen. Diese scheint nun gefunden: Das traditionsreiche Fachwerkhaus wird verkauft, sagt Pfarrer Arne Dembek. „Wir haben uns die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht, aber am Ende keine andere Lösung gefunden.“
Man habe auch über eine gemeinschaftliche Trägerschaft im Rahmen einer Genossenschaft oder Personengesellschaft nachgedacht, so Dembek. „Am Ende sind alle Pläne an den Kosten gescheitert“, sagt der Pfarrer. „Wir können uns – so oder so – eine Renovierung schlicht nicht leisten.“
Die finanzielle Situation der Kirchengemeinden habe sich in den letzten Monaten verschärft. Infolge des Mitgliederschwundes der großen Kirchen und der damit verbundenen Sparzwänge müssen die protestantischen Kirchengemeinden in der Pfalz von 2021 an zusätzliche Kosten für ihre Gebäude übernehmen, die vorher die Landeskirche getragen hat. „Wir werden darum voraussichtlich unseren Haushalt erstmals nicht mehr ausgleichen können und müssen zirka 20 Prozent unseres Haushaltsvolumens aus den Rücklagen finanzieren“, erläutert Dembek.
Die Käufer sind laut Dembek „Kandeler, die selbst langjährige Anwohner am Plätzel sind und darum auch keine Probleme mit den Veranstaltungen auf dem Platz haben.“ Eine entsprechende Vereinbarung, die Beschwerden gegen Veranstaltungen auf dem Plätzel ausschließt, sei auch in den Vertrag aufgenommen worden.
Die neuen Eigentümer planen, das Gebäude teilweise als Wohnung, teilweise für ein Café zu nutzen, so Dembek weiter. Man sei froh, das „Plätzel“ an Menschen verkaufen konnten, die das Haus schon lange kennen und gute Ideen für die zukünftige Nutzung haben.