Kreis Germersheim
Impfpflicht für Pflegekräfte: Personalsorgen in Heimen
In Pflegeeinrichtungen sollen ab Mitte März nur noch gegen Corona geimpfte Beschäftigte arbeiten dürfen. Wie genau das Zutrittsverbot aber umgesetzt werden soll, ist noch nicht geregelt. In fast allen Pflegeeinrichtungen des Landkreises lehnen mehrere Pflegekräfte eine Impfung trotz drohenden Arbeitsplatzverlustes weiter ab. Während einige sich kurzfristig noch für eine Impfung entschieden, sind die Konsequenzen der Impfpflicht für die Versorgung noch unklar.
Fast jedes Heim ist betroffen
„Wir müssen warten, was das Gesundheitsamt entscheidet“, sagt Annette Schenk vom Caritas-Altenzentrum St. Elisabeth in Germersheim. Nach derzeitigem Stand seien zwei der Pflegekräfte der Einrichtungen noch nicht gegen Corona geimpft. „Sie werden sich auch mit allen Konsequenzen nicht impfen lassen“, schätzt die Einrichtungsleiterin. In den nächsten Wochen müssen die Einrichtungen dem Gesundheitsamt in Germersheim ungeimpfte Pflegekräfte melden. Ab 16. März dürfen – Stand Ende Januar 2022 – ungeimpfte Pflegekräfte, Handwerker und andere Dienstleister die Pflegeeinrichtungen zum Schutz der vulnerablen Gruppen nicht mehr betreten.
Auch in anderen Pflegeeinrichtungen des Landkreises gibt es Pflege- und Hilfskräften, die sich bis zum Stichtag wohl nicht impfen lassen werden. Im Seniorenzentrum Hagenbach betrifft es drei, in den beiden AWO-Seniorenhäusern in Jockgrim acht, beziehungsweise sechs, in den Edelberg-Häusern in Bellheim und Lingenfeld insgesamt vier und in den Pflegeheimen in Kandel und Wörth fünf, beziehungsweise vier Beschäftigte, die dem Gesundheitsamt nach aktuellem Stand als ungeimpft gemeldet werden müssten. Einige davon seien aber erst kürzlich genesen, heißt es aus einigen Einrichtungen. „Das größte Problem ist, dass wir nicht wissen, was passiert“, beschreibt auch Annette Michel vom Seniorenzentrum in Hagenbach die Unsicherheit als größte Belastung. Sie befürchtet erst kurzfristig zu erfahren, ob sie Ersatz für die zu beurlaubenden Kräfte besorgen müsse. „Das Schwammige der Politik ist ein Problem.“
Mitarbeitern sind Konsequenzen bewusst
Die ungeimpften Pflegekräfte seien sich der Konsequenzen ihrer Entscheidung gegen die Impfung bewusst. „Wenn das so kommt und die nicht mehr in die Einrichtung dürften, haben die klar entschieden aus dem Beruf rauszugehen“, sagt Schenk. Sie würden noch hoffen, dass es nicht dazu käme. Wenn sich an den Impfpflichtplänen nicht ändere, „verlieren wir zwei sehr gute Mitarbeiter. Das tut weh und auch die beiden verlieren dann alles“, so Schenk.
Mit den Mitarbeitern sei regelmäßig gesprochen worden und im Januar habe die Caritas einen persönlichen Brief an alle ungeimpften Mitarbeiter geschickt, der klar auf die Folgen der Entscheidung hinwies. „Ich habe auch ganz groß den neuen Impfstoff Novavax plakatiert“, verweist Schenk auf zahlreiche Aufklärungsangebote neben den Gesprächen. „Ich habe sehr viel geredet, schon seit man sich impfen lassen kann, und habe mir sehr viel Zeit genommen“, sagt auch Michel. „Aber ich muss die Meinung auch irgendwann akzeptieren, wenn Leute sagen, ’ich lasse mich nicht impfen’.“
In den letzten Wochen hätten sich noch einige Pflegekräfte auch durch den drohenden Verlust des Arbeitsplatzes für eine Impfung entschieden. In Germersheim haben gleich acht Pflegekräfte Impftermine ausgemacht. Auch in Jockgrim und Hagenbach wollen jeweils drei Personen ihre Erstimpfung noch vor dem Termin zur verpflichtenden Immunisierung wahrnehmen. Einige wollten tatsächlich die neue Alternative des klassischen Impfstoffs Novavax nutzen. „Einige der Menschen, die sich jetzt impfen lassen wollen, haben Vorerkrankungen“, beschreibt aber auch Schenk die Unsicherheit und Ängste der Betroffenen.
Noch keine Informationen zur Umsetzung
Auch das Kreisgesundheitsamt ist noch unsicher, wie die Impfpflicht nach dem 15 März umgesetzt werden soll. Bisher lägen noch keine Informationen des Bundes oder Landes vor, wie die Kontrollen und die Umsetzung durch die Gesundheitsämter erfolgen solle, teilt die Kreisverwaltung mit. „Wir sehen der Situation durchaus mit Sorge entgegen“, heißt es aus dem Gesundheitsamt. Doch erst die konkrete Ausgestaltung entscheide darüber, ob und wie stark die Versorgungslage in den Pflegeeinrichtungen durch die Impfpflicht beeinträchtigt sein werde.
„Wir haben sehr viel Glück“, sagt Hendrik Kleinfeldt vom Altenpflegeheim Palatina in Westheim. Alle Pflegekräfte der Einrichtung seien geimpft. „Wir hatten schon vorher eine hohe Impfquote, aber auch die Skeptiker haben sich durch den drohenden Jobverlust überzeugen lassen.“ Eine Mitarbeiterin, die sich nicht impfen lassen wollte, habe schon zum Jahresende gekündigt. In Germersheim scheiterte eine Neueinstellung an der fehlenden Impfbereitschaft. „Durch die Impfpflicht bekommt unser ohnehin gebeutelter Berufsstand nochmal Probleme“, klagt Michel. Träger wie die Caritas sprachen sich daher jüngst gegen besondere Regeln für einzelne Berufsgruppen aus und forderten die Entscheidung über eine allgemeine Impfpflicht abzuwarten.
Ungeimpfte Besucher, aber keine ungeimpften Mitarbeiter?
Die politische Entscheidung zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht lag vor der raschen Verbreitung der neuen Corona-Variante. „Omikron war der Gamechanger“, sagt Kleinfeldt. Während sich auch beim jüngsten Corona-Ausbruch in der Einrichtung die Wirksamkeit der Impfung gegen schwere Verläufe bei den vulnerablen Gruppen eindrucksvoll bestätigt hätte, wachsen bei Schenk vor dem Hintergrund der aktuellen Meldungen manchmal die Zweifel, ob ungeimpfte Personen für diese Gruppen tatsächlich ansteckender seien. „Was aber auf jeden Fall hilft, sind FFP2-Masken“, ist sie aus der Erfahrung von ausschließlichen Ansteckungen während des Essens im Haus überzeigt. Derweil reiche für Besucher der Pflegeeinrichtungen noch ein negatives Testergebnis, sagt Kleinfeldt voller Unverständnis. „Bald dürfen keine ungeimpften Mitarbeiter mehr sein, aber ungeimpfte Besucher haben noch Zutritt, das ist nicht mehr verständlich.“