Kreis Germersheim „Immerhin hatten wir im Bauwagen ein Telefon“
RÜLZHEIM. Nach 45-jähriger Betriebszugehörigkeit geht Arthur Becker (61), kaufmännischer Leiter und Prokurist bei der Rülzheimer Niederlassung der Thüga Energienetze, mit Ende dieses Monats in die aktive Phase seiner Altersteilzeit.
Der gebürtige Gommersheimer, der heute in Lustadt wohnt, begann nach der Grundschule und der Mittleren Reife am Gymnasium in Neustadt im Jahr 1971 eine Lehre als Industriekaufmann bei der Licht- und Kraftversorgung (LuK) in Schifferstadt, einer Tochter der Thüringer Gasgesellschaft (Thüga). Nach der Lehre war er zunächst in fast ganz Deutschland als „Springer“ unterwegs. 1977 kehrte er nach Schifferstadt zurück, wo eine eigene Heizungsbauabteilung aufgebaut wurde. Dabei galt es, die Kunden für eine Umstellung ihrer Heizung auf Gas zu beraten. Becker betreute die einzelnen Baustellen und erstellte Wärmeberechnungen. 1983 wechselte Becker nach Rülzheim, um hier mitzuhelfen, die Gasversorgung in der Südpfalz auszubauen. „Wir rannten überall offene Türen ein.“ Als er anfing hatte die Thüga hier 16.000 Kunden, heute sind es 120.000. Größter Fisch, den die Thüga damals für die Gasversorgung an Land ziehen konnte, war Daimler in Wörth. Die Thüga baute ein Hochdrucknetz auf, „die Keimzelle für den weiteren Ausbau“. In den folgenden Jahren bis 1997, so Becker, „haben wir die Pfalz einmal umgegraben“, heute gebe es kaum noch weiße Flecken bei der Gasversorgung in der Südpfalz. Gern erinnerte sich Becker an die Anfangsjahre beim Ausbau der Gasversorgung. So arbeitete er mehrere Monate in einem Bauwagen auf dem Parkplatz des Kandeler Waldschwimmbads, um möglichst nah an der Baustelle zu sein. „Aber immerhin hatten wir im Bauwagen ein Telefon.“ Im Jahr 1996 machte Becker bei der IHK eine Ausbildung zum Bilanzbuchhalter und übernahm dann in Schifferstadt die kaufmännische Führung inklusive Personalverantwortung. Daher musste er auch sein Amt als Betriebsrat (1972 bis 1996) aufgeben. Es folgten „spannende Jahre“, 2000 die Euro-Umstellung, 2002 die Übernahme durch EON. Becker wechselte kurzzeitig als Prokurist nach Philippsburg, um die dortige Gasversorgung in die Thüga zu integrieren. Als im Jahr 2007 die Trennung von Netz und Vertrieb kam, die gesetzlich vorgeschrieben wurde, wechselte er wieder nach Rülzheim, wo er als kaufmännischer Leiter und Prokurist der Thüga Energienetze verantwortlich war für Personal, Gebäudemanagement und den Fuhrpark. Zudem war er Ansprechpartner für die Kommunen, „immerhin 70 in der Pfalz“. „Ich war sozusagen der Verbindungsmann zwischen den Kommunen und der Thüga und musste die Nöte der Kommunen und die Zwänge der Firma unter einen Hut bringen.“ In dieser Eigenschaft standen der Ausgleich und die gute Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern im Vordergrund. Als ihm sein Körper sagte, so könne er auf Dauer nicht weitermachen, entschloss er sich, die Altersteilzeit zu beantragen. Für sein „Rentenalter“ hat sich Becker nichts Besonderes vorgenommen. „Ich war in den letzten Jahren ständig durchterminiert, künftig will ich ganz spontan entscheiden können, was ich machen will.“ Daher ist er auch kein aktives Mitglied in einem Verein, aber stellvertretendes Mitglied im Bauausschuss der Gemeinde Lustadt. Vorher saß er dort 15 Jahre lang für die Freien Wähler im Gemeinderat. Zwei seiner drei Töchter planen ein Haus zu bauen, „da wird sicherlich ein Bauaufseher gebraucht“, zudem will er sich der Erforschung seiner Ahnen widmen, „die in den letzten 30 Jahren zu kurz kam“. | rud