Kreis Germersheim Immer weniger Amphibien im „Eimertaxi“

Placeholder-Image

Der Naturschutzverband Südpfalz (NVS) kann zum Amphibienschutz dieses Frühjahr eine erste positive Bilanz ziehen. An dem betreuten Folien-Schutzzaun bei Hagenbach wurden ab Anfang Februar bis Ostern etwa 550 Tiere gezählt, berichtet Peter Braun aus Scheibenhardt.

Positiv ist diese Bilanz deshalb, weil diese Tiere zur Paarungszeit bei ihrem Weg vom Bienwald in tiefer gelegene Laichplätze davor bewahrt wurden, von Autos überfahren zu werden. Den Schutzzaun an der K 19 Richtung Kandel gibt es seit 14 Jahren. Jährlich sammeln Helfer und oft auch Schulkinder täglich die Tiere aus eingegrabenen Eimern, um sie dann sicher über die Straße ins Tiefgestade „Ried Ried“ zu tragen. Neben Erdkröten, Spring-, Gras und Wasserfröschen wurden dieses Jahr auffallend viele Bergmolche getragen. Im Vorjahr wurden fast 800 Tiere gezählt, „doch so viele Tiere waren es in den Anfangsjahren oft täglich, und damals hatten wir bis zu 5000 Tiere, die auf Wanderschaft gingen“, berichtet Peter Braun, und das ist die eigentlich negative Bilanz. Denn auch zwischen Rheinzabern und Jockgrim konnten zwar dieses Jahr schon mehr als 1000 Amphibien bei ihrer Frühjahrswanderung „per Eimertaxi“ aus dem Wald hin zu einem Tümpel getragen werden. Diese Rheinzaberner Initiative wurde letztes Jahr von Bernd Weber gestartet zusammen mit vielen Nachbarn an dieser Straße und Schülern der IGS. Doch die bisher 1000 Kröten in diesem Jahr sind kein Vergleich zum Vorjahresergebnis von über 4000 Erdkröten, Fröschen und Molchen, wie Editha Krüger feststellt, die die Daten sammelt. Sie hofft allerdings noch auf wandernde Tiere, wenn es jetzt endlich warm wird. Aufgefallen ist ihr außerdem, dass in Rheinzabern dieses Jahr überwiegend Kröten, vor allem männliche Tiere, wandern. Das extreme Missverhältnis führt sogar dazu, dass sich gleichzeitig mehrere Männchen auf eine weibliche Kröte stürzen und sie damit im Teich regelrecht ertränken. . In Minfeld helfen die Naturführer Südpfalz den Amphibien über die Straße und unterstützen damit eine Aktion, die Matthias Kitt organisiert. Der Diplom-Biologe und Biotop-Betreuer im Landkreis Germersheim hat zu den Gründen für die rückläufigen Amphibienzahlen nur Vermutungen, die von einer speziellen Pilzerkrankung bis hin zu natürlichen Populationsschwankungen reichen. Einige der Amphibien sind vom Aussterben bedroht und durch die FFH-Richtlinie geschützt. (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU schützt natürliche Lebensräume wildlebender Tiere und Pflanzen). Sie haben es schwer, weil sie verschiedene Lebensräume, wie Laubwald und Tümpel brauchen. So ist eine hohe Anzahl an Amphibien immer auch ein Indikator für intakte Lebensräume. Hier kann Kitt auf viele neu angelegte Feuchtgebiete im Landkreis Germersheim verweisen und auf eine erfreuliche Zunahme des Laubfroschs, nachdem er fast ausgestorben war. Sehr zu schätzen wissen Kitt und Johannes Becker vom Forstamt Kandel die gute Zusammenarbeit mit der Hainbuchenschule, hier kann bei Kindern Freude und Begeisterung für die Natur vermitteltet werden. „Und man kann das große Engagement des NVS und der vielen freiwilligen Helfer für Molche, Frösche, Kröten und Co. nicht hoch genug schätzen. Sie leisten ganz viel Arbeit ohne dass es den Steuerzahler „Kröten„ kosten würde“, lobt Becker.

x