Kandel
Im Ernstfall wird es schnell lebensgefährlich
Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren der Verbandsgemeinden Kandel und Rülzheim sowie der Stadt Wörth trainieren. Eine Übung für den Ernstfall unter nahezu perfekt simulierten Ernstfallbedingungen. Herzstück der Anlage ist ein umgebauter 40-Fuß-Seecontainer mit holzbefeuerter Brennkammer: Die Flammenhölle.
„Das Tagesseminar begann für die Teilnehmer zunächst im Schulungssaal“, berichtet Tobias Schäfer von der Kandeler Feuerwehr. „Grundlagen wurden aufgefrischt und Verhaltensregeln in der Anlage besprochen. Anschließend ging es in kleinen Gruppen in den Container.“ Dort haben die Einsatzkräfte etwas Zeit, um sich an die Hitze zu gewöhnen. Zunächst geht es in der Brandkammer um die verschiedenen Stadien eines Zimmerbrandes. Vom Entstehungsbrand bis zum Vollbrand vergehen nur wenige Minuten. Jedes Brandstadium erfordert eine abgestimmte Löschtaktik, um den Brand effizient zu bekämpfen. Dafür mussten die Teilnehmer lernen, den Brand einzuschätzen und „die Flammen zu lesen“, wie Schäfer beschreibt.
Brennende Feststoffe entwickeln explosive Gase
Besonders lehrreich sei die Vorführung eines Flashovers, bei dem sich die Gase der in der Hitze veränderten Feststoffe fast zeitgleich entzündeten. „Im Ernstfall wird es dann ganz schnell lebensgefährlich.“ Nicht weniger eindrucksvoll seien die vielen Rollover, die Durchzündung von an der Decke befindlichen Rauchgasen gewesen, die sich als Feuerwalze über die Köpfe der Teilnehmer bewegten. Mit der richtigen Strahlrohrtechnik können diese Feuerwalzen zurückgehalten werden.
Nächste Steigerung war der Einsatz ohne Sicht, sozusagen Feuerlöschen im Blindflug. Rauchgase wurden solange im Container gestaut, bis sie sich auf den Boden drückten. „Ein Szenario, dass sich üblicherweise bei Kellerbränden wiederfindet“, erklärt Schäfer. „Mit erdrückender Hitzeeinwirkung auf die Einsatzkräfte.“ Hier loteten die Teilnehmer auch die Grenzen der Schutzausrüstung aus und tasteten sich unter professioneller Aufsicht der Ausbilder an ihre körperliche Belastungsgrenze heran.
Umgang mit Schutzkleidung will gelernt sein
Abseits der Hitze des Brandcontainers waren Themen wie Hygiene im Umgang mit der kontaminierten Einsatzkleidung angesagt, oder Strahlrohrtraining, mit dem den Teilnehmern das Potenzial modernder Hohlstrahlrohre verdeutlicht wurde. Wehrleiter Alexander Ditz hob hervor, dass Veranstaltungen dieser Art eine gute Investition in die Sicherheit von Bevölkerung und Einsatzkräften seien. Die vorbildliche interkommunale Zusammenarbeit der Feuerwehren und auf Verwaltungsebene ermöglichten das.