Kreis Germersheim Ideen aus dem Kreis nach Mainz bringen

Wörth. Flüchtlinge, Schulsozialarbeit, Senioren-Wohnen: Ursula Radwan kennt diese Themen aus ihrem langjährigen kommunalpolitischen Engagement. Nun würde die Direktkandidatin für Bündnis 90/Grüne ihre Erfahrungen gerne im Mainzer Landtag einbringen „Von hier unten sieht es anders aus, als wenn man von oben nach unten sieht“, sagt sie lächelnd.
In den 1990ern war Radwan schon einmal für die Grünen im Kreistag, seit den jüngsten Kommunalwahlen sitzt sie wieder in dem Gremium. Seit 1989 ist sie Stadtratsmitglied in Wörth, seit 2009 Beigeordnete der Stadt Wörth. Nun kandidiert sie mit 68 Jahren für den Landtag: „Es ist wichtig, dass man nicht stehenbleibt“, sagt sie. Das Pendeln nach Mainz kennt sie aus ihrer Zeit als Landesvorstandssprecherin der Grünen von 1994 bis 1996. Eine Obergrenze für Flüchtlinge will die Grünen-Politikerin nicht festlegen: „Wir müssen uns an das Grundgesetz halten“, sagt sie, dort sei nunmal das Grundrecht auf Asyl festgeschrieben. Doch sei über die letzten Jahre viel versäumt werden, sagt sie mit Blick auf den Stau bei der Bearbeitung von Asylanträgen im Bundesamt für Migration (BamF). Wichtig sei, dass alle Anträge – auch die von Menschen aus sicheren Herkunftsländern auf dem Balkan oder aus Nordafrika – schnell bearbeitet werden. Zwar sei es wahr, dass Rheinland-Pfalz nicht so viele abgelehnte Asylbewerber abschiebe, wie andere Bundesländer. Aber dafür würden so viele freiwillig ausreisen, wie nirgendwo sonst, betont Radwan. „Es muss für die Menschen Anreize geben, zurückzugehen.“ Sie bekommen zum Beispiel zwischen 600 und 800 Euro, „das hilft eine Existenz aufzubauen“. Wenn ihre Heimatländer sie nicht zurücknehmen, müssten sie hier in einem Projekt Rüstzeug bekommen, um in ihrer Heimat Arbeitsplätze zu schaffen. Angesichts der Vorfälle in der Silvesternacht in Köln gebe es keine Patentlösung. Aber sie plädiert dafür, Neuankömmlingen in Deutschland direkt Bildung zu vermitteln, damit sie erst gar nicht kriminell werden. Früh eingreifen, um teuere Folgen zu verhindern – dieses Konzept liegt auch der Schulsozialarbeit zugrunde. Diese ist inzwischen im Landkreis Germersheim eine feste Institution. Das sei eine Errungenschaft, für die sie sich gerne auf Landesebene einsetzen würde, sagt Radwan. Sie kennt die Lage an der Front, schließlich hat sie über 30 Jahre lang Sport und Biologie am Europa-Gymnasium Wörth unterrichtet. „Man muss auch sehen, was man auf der anderen Seite einsparen kann“, sagt sie. Kommen Jugendliche später auf die schiefe Bahn, wäre der Strafvollzug teurer. Auch Ideen zum Wohnen im Alter würde sie gerne aus dem Landkreis nach Mainz tragen. Wohngruppen in Neubaugebieten seien eine geniale Lösung, schwärmt sie. Auch in Quartieren sollten Menschen einander helfen. „Die Demografie wird zur Bedrohung, wenn wir nichts machen. Wenn wir es richtig machen, kann die gegenseitige Hilfsbereitschaft auch genutzt werden.“ Mit einem Schmunzeln merkt sie an, dass Senioren heute deutlich länger fit seien, als früher. „Mit der Aktivität, mit der man damals 60 war, ist man heute 70“, sagt Radwan – die selbst mit 68 noch die Kleinsten im Basketball trainiert. Egal, ob Senioren-Wohnen, Ideen zur Verbesserung von Infrastruktur wie Genossenschaftsläden oder Schulneubauten, die moderne Klimatechniken zum Heizen und Kühlen nutzen: „Wir müssen die Menschen, die sich das noch nicht vorstellen können, überzeugen“, betont sie. Einzelne Projekte sollten zeigen, was möglich ist. Allerdings weiß sie, dass Projekte gerade hinsichtlich der Finanzierung ihre Tücken haben können: Das Mehrgenerationenhaus in Wörth hat lange Zeit alljährlich um die Verlängerung der Förderung bangen müssen. „Wenn ein Projekt angeboten wird, muss klar sein, wie es danach weiter geht“, betont Radwan. „Es kann nicht sein, dass man mit der Finanzierung von drei bis fünf Jahren ködert und danach bleibt alles an der Kommune hängen.“ (tnc)