Kreis Germersheim „Ich hatte Lust, Prinzessin zu sein“

Als erste Amtshandlung bringt Claudia I. ihren Untertanen ein Ständchen: „Schatzi, schenk mir ein Foto“ von Mickie Krause dröhnt volle Pulle aus der leistungsstarken Anlage. Claudia hält sich zwar ein Mikrofon vors Gesicht, zu hören ist aber nur die Stimme des Party-Blödel-Sängers. Der Stimmung im Thronsaal, dem Foyer der Südpfalzwerkstatt, tut das aber keinen Abbruch: Es tobt der Bär.
Oder besser gesagt, der Pirat. „Eine Seefahrt, die ist lustig“, lautet nämlich das Motto der ausgelassenen Krönungsfeierlichkeiten an diesem Freitagnachmittag. Inthronisiert wurden Claudia I. und Maximilian I. Schlag 12.12 Uhr von ihren Vorgängern aus dem letzten Jahr Sabrina und Thomas. Die seien das allererste Prinzenpaar mit Behinderung in Wörth gewesen, erzählt Betreuerin Julia Busch. „Wir haben hier eine Mitarbeitervertretung, dort ist die Idee aufgekommen“, erklärt Reha-Leiter Alexander Rupp den Ursprung der noch jungen Krönungstradition. „Die Faschingsparty gibt es aber schon ewig.“ Wer zu Prinz und Prinzessin ausgerufen werde, das werde im Vorfeld „ausgekungelt“ gibt Julia Busch zu. Eine Wahl gebe es nicht. „Eher eine Umfrage.“ Als formvollendete Meinungserhebung darf man sich das Prozedere allerdings nicht vorstellen. „Eigentlich hat Claudia gefragt, ob sie nicht Faschingsprinzessin sein darf.“ „Ich hatte halt mal Lust, Prinzessin zu sein“, antwortet Claudia, die inzwischen mit Singen fertig ist, auf die Frage, warum sie nach der Faschingskrone gegriffen habe. „Claudia hat mich gefragt“, erklärt Prinz Maximilian seine Motivation. Privat sind die beiden indes kein Paar, sondern arbeiten zusammen in der Küche der Einrichtung. „Wie findest du mein Piratenkostüm?“, fragt Bernd. Er trägt ein weites weißes Hemd und ein rotes Stirnband. Den Besucher lässt er bereitwillig durch sein großes schwarzes Fernrohr schauen. „Jetzt muss ich weiter, meinen Schatz suchen“, sagt er und verschwindet im Getümmel zwischen einem ganz unnautischen Gorilla und einem ebensolchen Esel. Betreuerin Julia zuckt lachend die Schultern. „Nicht alle haben das Motto ernst genommen.“ Die Dinge nicht zu ernst zu nehmen, schon gar nicht an Fasenacht, scheint bei den Mitarbeitern hier ohnehin verbreitet zu sein. Das haben sie vielen anderen anderen Narren voraus. (fex)