Wörth
Hohe Spritpreise bereiten Sorgen
Die Schlagzeilen der letzten Tage, dass der Benzinpreis in Deutschland einen historischen Höchststand nach dem anderen erreicht, hätte es für den regelmäßig auf sein Auto angewiesenen Verbraucher bestimmt nicht mehr gebraucht. Denn er spürt den Anstieg tagesaktuell mit jeder Fahrt an die Zapfsäule. Wer also bei Angestellten und Kunden der beiden Tankstellen gegenüber des Wörther Bahnhofs nachfragt, bekommt deutliche Antworten.
„Das ist ein Wahnsinn und bald nicht mehr tragbar“, stöhnt Derye Yeniceri aus Wörth. Und sie habe langsam Angst, einkaufen zu gehen. Ob Heizung, Lebensmittel, Miete oder eben Benzin, alles werde teurer. Eine Tochter studiere bereits und die anderen würden bald folgen, sagt sie. Sie selbst sei aus gesundheitlichen Gründen auf das Auto angewiesen, da sie ohne kaum mehr etwas erledigen könne. Nur ihr Mann ist noch berufstätig. Vom Bahnfahren ist Yeniceri nicht überzeugt, denn das sei viel zu teuer. Sobald sie zu zweit rüber nach Karlsruhe möchten, „ist das Auto billiger. Das ist doch nicht normal“, sagt sie enttäuscht. Die Yeniceris dürften spätestens in diesen Tagen nicht die einzigen sein, denen der Glaube am Prinzip des Bessergehens von Generation zu Generation immer schwerer fällt. Vielen fällt es schwer, noch mitzuhalten.
Geschäftsauto wird betankt
Der junge Ryan wirkt hierbei noch ziemlich optimistisch. Er macht eine Ausbildung zum Elektriker und jobbt nebenher noch für einen örtlichen Pizzadienst, dessen Kleinwagen er gerade betankt. Zumindest dieses Tanken muss er also nicht bezahlen. Dabei seien seine eigenen Tankrechnungen schon hoch genug, sagt er. Um zu seiner Ausbildungsstätte zu kommen, sei er auf das Auto angewiesen. Und wenn an der Tankstelle zuvor 50 oder 60 Euro fällig geworden wären, seien es jetzt schon bald hundert. „Natürlich wäre es mit dem Zug ökologischer. Aber wenn es wegen Verspätungen schlecht läuft, dann sitze ich jeden Tag mindestens drei Stunden in der Bahn. Und das ist mir zu viel“, sagt er.
Robert Helmer wiederum ist zum Tanken da. Er hat hier in der Gegend Verwandtschaft, lebt und arbeitet aber bei Bad Oldesloe bei Hamburg. Zwanzig Kilometer seien es für ihn zu seinem Arbeitsplatz: „Mit dem Auto fahre ich 20 Minuten, während ich mit dem ÖPNV dreimal umsteigen muss und anderthalb Stunden brauche.“ Und da der Abgleich täglicher 40 Minuten oder 3 Stunden eine Frage von Lebenszeit ist, pendele er eben mit dem Auto. „Meine Spritkosten haben sich zuletzt gefühlt fast verdoppelt, das ist enorm“, sagt er nüchtern. Lösungen für das Mobilitätsproblem von Gegenwart und Zukunft könne man nicht vom Bürger erwarten, dafür seien „Wirtschaft und Politik“ verantwortlich.
Kunden kommentieren Preise
Andrea, die gerade an der Kasse sitzt, würde diese Worte unterstreichen. „Die Kunden sind sehr fair zu uns und machen uns für die hohen Preise nicht verantwortlich“, ist sie erleichtert. Bei der Konkurrenz hat mit Aysen ebenfalls eine Frau gerade Kassendienst. „Dreiviertel der Kunden“ würden die Preise kommentieren, sagt sie. Aber auch sie selbst spürt die Preise: „Es ist extrem. Vorher haben zwanzig Euro in der Woche gereicht und heute hält ein Tanken für das gleiche Geld vielleicht zwei oder drei Tage.“ Sie komme aus der Nähe von Germersheim, sei auf das Auto angewiesen und sehe keine Alternative. Ob Einkaufen, mal ein Termin oder eben der Weg zur Arbeit, es gibt viele Gründe für sie, um sich hinter das Steuer zu setzen. Dazu würden die Lebenshaltungskosten teurer und man wisse ja bald nicht mehr, was man essen solle: „Wenn wenigstens die Löhne mitsteigen würden“, sagt sie enttäuscht.
Ab und an kommt Kundschaft. Als offenbar ein Stammkunde hereinkommt, muss dieser noch nicht einmal etwas sagen, schon dreht sich Aysen zu den Zigaretten um. Und draußen ist der Rentner Manfried Lautz zu Gange. Autopflege, immer wieder röhrt der Sauger. Über die Probleme der Vielfahrer ist er schon lange hinweg. Er habe Glück gehabt und seine Arbeitsstelle im Karlsruher Rheinhafen immer mit dem Rad anfahren können. Andere Zeiten seien dies noch gewesen und habe seine Liebe zum Zweirad damals durchaus die eine oder andere Heiterkeit im Kollegenkreis ausgelöst. Dennoch hat er Verständnis für Arbeitnehmer, die „zum Beispiel jeden Tag aus der Westpfalz zum Daimler und zurückkommen müssen“. Dann putzt er weiter: „Ich mache das für meine Frau, damit sie immer ein schönes und sauberes Auto hat“, sagt er lachend.
So heiter ist heute wohl kaum jemand, der die Tankstellen anfährt. Wie hatte Derye Yeniceri noch mit Bitterkeit gesagt? „Wir können ja kein Wasser tanken.“ Und hinzugefügt, dass in diesem Falle auch das Wasser bestimmt bald teurer als das Benzin gemacht würde.